Stau und Schwerlastverkehr morgens am Schaumainkai: Weil das Nordufer gesperrt ist, quält sich der Verkehr durch den Süden der Stadt. Auch Busse und Straßenbahnen stecken unter der Woche täglich im Stau.
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Stau und Schwerlastverkehr morgens am Schaumainkai: Weil das Nordufer gesperrt ist, quält sich der Verkehr durch den Süden der Stadt. Auch Busse und Straßenbahnen stecken unter der Woche täglich im Stau.

Mainkai-Sperrung und Lärm am Adlhochplatz

Im Frankfurter Süden herrscht Stau

In unserer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Frankfurter Ortsbeiräten. Welches Thema hat den Ortsbezirk bewegt und beschäftigt? Heute ist der Ortsbeirat 5 an der Reihe - zuständig für die Stadtteile Niederrad, Oberrad, Flughafen und Sachsenhausen.

Am 30. Juli wurde der nördliche Mainkai zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke für den Autoverkehr gesperrt, probeweise für die Dauer von 13 Monaten. Es dauerte nicht lange, da brach das Chaos aus: Wenige Wochen später, beim mehrtägigen Aufbau und während des Museumsuferfests, waren tagelang beide Ufer nicht befahrbar. Auf der verstopften Schweizer Straße, Gartenstraße, auf den Brücken sowie in der Taunusanlage und auf der Baseler Straße in der Innenstadt ging nichts mehr. Stau. Stillstand.

Die Sachsenhäuser hatten da schon längst die Nase voll. Das Chaos war der Beweis für das, was viele von ihnen schon vorher geahnt hatten: Wenn der Mainkai, auf dem 20.000 Autos fuhren, gesperrt wird, wird ein großer Teil des Verkehrs auf die Südseite des Mains verdrängt - auf den Schaumainkai, in die Schweizer Straße, die Gartenstraße und in kleine Nebenstraßen.

Frankfurt: Verkehrszählungen sind ausgeblieben

Auch die Stadt hatte das durchaus vorausgesehen: "Es ist also damit zu rechnen, dass vor allem der Stadtteil Sachsenhausen von Verkehrsverlagerungen betroffen sein wird", war schon im Oktober des vorigen Jahres in einer Stellungnahme zu lesen. Genauso ist es auch gekommen.

Besonders morgens und abends herrscht auf den genannten Straßen in Sachsenhausen Stau. Doch wie viel Verkehr genau in den Frankfurter Süden gedrückt wurde, zu welchen Uhrzeiten und auf welche Straßen, dazu gibt es nach fünf Monaten Sperrung noch immer keine Zahlen. Das Verkehrsdezernat hat noch keine veröffentlicht, obwohl es hieß, im Oktober und November solle gezählt werden. Überdies sei kein Stau zu sehen, sagte immer wieder Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD).

Während sich die Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich" gründete und mittlerweile mehr als 1000 Mitglieder hat, wurde man sich im Ortsbeirat lange nicht einig, wie mit dem Problem umzugehen sei. Ende Oktober wurde mit den Stimmen der Koalition aus CDU, Grünen und FDP sowie der BFF ein Antrag auf die Aufhebung der probeweisen Sperrung verabschiedet.

Frankfurt: Mehr Straßenbahnen, bessere Ampeln

Begründung: "Die Belastungen für die Bürger haben erheblich zugenommen. Anders als prognostiziert, haben sich die Staus nicht in Wohlgefallen aufgelöst. Vielmehr stehen Busse, Bahnen, Lkw und Pkw noch länger im Stau. Selbst Fahrräder kommen schlechter durch, weil Kraftfahrzeuge die Schutzstreifen als Aufstellflächen missbrauchen. In den Nebenstraßen hat sich der Schleichverkehr erhöht."

Die SPD und die Linke sprachen sich gegen die Aufhebung der Sperrung aus. Beide Fraktionen befürworten sie weiterhin, solange Erkenntnisse über ein mögliches verändertes Verkehrsverhalten gewonnen werden können. Alles so zu lassen, wie es vorher war, sei auch keine Lösung, finden sie, der Verkehr müsse generell reduziert werden.

Mehr solle für eine Verkehrsentlastung in Sachsenhausen getan werden: Ampelschaltungen müssten verbessert, die Frequenz der Straßenbahnlinie 18 erhöht werden. Zudem soll samstags der Flohmarkt aufs Nordufer verlegt werden. Zumindest Letzteres wird wohl umgesetzt werden.

Ein zweites Thema hatte Anfang des Jahres den Ortsbeirat 5 entzweit: die Sitzbänke am Adlhochplatz. Schon 2018 war oft darüber gestritten worden. Denn die Anwohner litten schon lange unter dem Lärm, der in Sommernächten von dem Platz ausging, wo allzu gern Jugendliche und Trunkenbolde die Nacht zum Tage machten. Bequeme Alkoholquelle war der nahe gelegene Rewe-Supermarkt, der bis Mitternacht geöffnet hat.

Frankfurt: Ruhe am Adlhochplatz

Wenn keiner mehr nachts auf den Bänken sitzen kann, wird endlich Ruhe herrschen, so die Idee der FDP-Fraktion, der sich die Koalitionspartner CDU und Grüne sowie die BFF anschlossen. Nach langer, teils lautstarker Debatte wurden die Bänke im März schließlich abgebaut und eingelagert - probeweise, hieß es. Doch viele Bürger waren gegen den Abbau. Petitionen wurden von jungen Sachsenhäusern initiiert, Arbeiterwohlfahrt (Awo) und SPD riefen zu Demonstrationen auf dem Adlhochplatz auf. Ältere Menschen hätten das Nachsehen, sie könnten sich nirgends mehr ausruhen. Den öffentlichen Platz auszuradieren, sei falsch. Auch das Seniorenheim am Platz war froh über die Sitzgelegenheiten.

Die tagsüber gern genutzten Bänke am Adlhochplatz mussten weg, weil nachts zu viele Rabauken dort Krach machten. Nun herrscht nachts Ruhe - und tagsüber ist auch kein Mensch mehr hier.

 

Im Verlauf des Sommers mehrten sich Stimmen der Anwohner, die endlich Ruhe vermeldeten. "Wir können wieder schlafen", freuten sie sich. Zumindest direkt am Adlhochplatz. Rundherum gehe das nächtliche Gegröle weiter wie zuvor, berichtete kürzlich ein Anwohner aus der Textorstraße. Der Adlhochplatz ist indes nun auch tagsüber menschenleer.

Von Stefanie Wehr

Besonders zwei Themen beschäftigten die Frankfurter im Jahr 2019: Ein umstrittenes Verkehrsexperiment und Mietärger mit der Vonovia. Ausgang: offen.

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