Karte der Sperrungen mit Umleitungsempfehlungen

Frankfurt

Mainkai-Sperrung: Ab Dienstag gilt die Verbotszone für Autofahrer

Am Frankfurter Mainkai könnten neue Radwege und Fahrradplätze entstehen. Ab 30. Juli soll ein Abschnitt für Fahrradfahrer reserviert sein.

Update, 26. Juli, 17:23 Uhr: Der Termin für die Sperrung des Mainkais ist von der Stadt auf Dienstag, den 30. Juli, ab 9 Uhr festgesetzt worden. Das bedeutet: Der Berufsverkehr sollte sich auf Behinderungen und möglicherweise sogar kleinere Staus am Dienstagmorgen einstellen.  

Update, 17. Juni, 12:59 Uhr: Von der Untermainbrücke bis zur Alten Brücke soll das Mainufer künftig den Radfahrern gehören – zumindest ein Jahr lang. Ab August soll der Abschnitt auf der Innenstadtseite des Mains 13 Monate lang probeweise für Kraftfahrzeuge gesperrt werden. Außerdem beinhalten Die Forderungen des Radentscheids Frankfurt beinhalten unter anderem neue Radwege und Radschnellstraßen sowie mehr Fahrradstellplätze und staatliche Kampagnen zu den Vorteilen des Radfahrens.

Erstmeldung, 7. Juni, 8:40 Uhr: Frankfurt - Dicht drängen sich die Autos am 6. Juni über die Alte Brücke. Sonst ist hier meist ja "nur" abends Stau. Doch heute ist der Mainkai gesperrt, und die Blechkarossen müssen Richtung Sachsenhausen ausweichen. Anlass für die Sperrung des Herzstücks der Nord-Süd-Verbindung am Mainufer ist diesmal der Grüne-Soße-Tag - bis zum 7. Juni, 12 Uhr.

Solche zusätzlichen Staus könnten ab Ende Juli zum Alltag gehören. Für gut 13 Monate soll der Mainkai zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke gesperrt bleiben. Ein Verkehrsversuch: Das Flussufer soll allein Fußgängern und Radfahrern gehören.

Mainkai-Sperrung: Fahrer müssen sich neue Routen suchen

Die Koalition aus CDU, SPD und Grünen hat den Testlauf vereinbart. So ist das Grüne Licht des Stadtparlaments dafür Ende des Monats wohl Formsache. Hart ist das Vorhaben dennoch für die Fahrer der täglich mehr als 20.000 Autos und Laster. Sie müssen sich neue Routen suchen. Die Stadt macht ihnen das nicht leicht.

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Ein Konzept mit Ausweichrouten oder ähnliches hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) nicht erarbeitet. Die beauftragten Planer vom Büro Albert Speer+Partner haben lediglich Änderungen bei der Verkehrsführung an jenen Kreuzungen vorgesehen, die direkt an der Sperrung liegen. Doch selbst dort warten Hindernisse:

Von Westen herkönnen Fahrzeuge weiter vom Untermainkai nach rechts auf die Untermainbrücke abbiegen. Zusätzlich wird hier neu eine Rechtsabbiegemöglichkeit in die Neue Mainzer Straße geschaffen.

Von Osten herbleibt von der Schönen Aussicht nur die Möglichkeit zum Rechtsabbiegen in die Kurt-Schumacher-Straße. Von dort fehlt aber eine Linksabbieger in die Berliner Straße. Autofahrer müssen schon in die Obermainanlage oder gar schon vor der Sonnemannstraße rechts abbiegen.

Ausdrückliche und beschilderte Ausweichstrecken durch die Innenstadt wird es nicht geben, nicht einmal Empfehlungen. "Wo der Verkehr entlang läuft, entscheidet er selber", sagt Klaus Oesterling. Auch würden zunächst keine Ampelphasen angepasst. Auch sind keine weiteren zusätzlichen Abbiege-Möglichkeiten vorgesehen. Sicher "wird viel Ost-West-Verkehr durch die Berliner Straße laufen", schätzt der Dezernent und räumt ein: "Das ist natürlich ein Eingriff ins Verkehrsnetz."

CDU: Schaden für Anwohner durch Mainkai-Sperrung

Doch warum gibt es kein Ausweichrouten-Konzept? Weil die Sperrung im Prinzip nichts Neues sei, findet Oesterling. "Das ist nichts anderes als das, was seit 15 Jahren mehrfach im Jahr passiert, wenn der Mainkai für Feste dort gesperrt wird." 30 bis 40 Tage pro Jahr sei die Magistrale stets dicht. Und die Fahrer orientierten sich in dieser Zeit auch immer um, ohne dass es zu einem Verkehrschaos komme. Das werde diesmal nicht anders sein, auch wenn die Sperrung länger dauere, ist Oesterling überzeugt.

Zu Beginn der Schulzeit nach den Sommerferien könne es ein wenig voller werden - und "spannend" werde es im Dezember, wenn im Jahresverlauf stets der meiste Verkehr rolle. Die Verkehrsleitzentrale aber beobachte mit den Kameras den Verkehrsfluss stets. "Hier gibt es auch die Möglichkeit, regelnd einzugreifen", sagt der Stadtrat.

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Dass das nicht genügt, befürchtet man in Sachsenhausen. Hier, südlich des Mains, dürfte wohl einiger Ausweichverkehr entlang rollen. "Der Verkehr wird sich zukünftig durch die Wohngebiete drängen und Staus, Lärm und Umweltbelastungen hervorrufen", ahnt Martin-Benedikt Schäfer, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat. Für ihn ist deshalb klar: "Die geplante Sperrung schadet Sachsenhausen und seinen Bewohnern." In der Ortsbeiratssitzung heute Abend dürfte daher reichlich diskutiert werden.

Mainkai-Sperrung in Frankfurt - eine Strategie der Abschreckung

Der Verkehrsdezernent sieht dem gelassen entgegen. Schließlich steht er unter Druck, muss angesichts des laufenden Gerichtsverfahrens für saubere Luft sorgen, um ein Diesel-Fahrverbot zu verhindern. "Wir müssen den Autoverkehr insgesamt verringern." Die Mainkai-Sperrung sei dabei auch ein Baustein, mit dem die Autofahrt durch die City unattraktiver werde. Die Liste ist lang: höhere Parkgebühren, weniger Parkplätze, die Umwandlung von Fahrspuren in Radspuren, vielleicht sogar Pförtnerampeln an den Stadt-Zufahrten drohen. Welche Alternativen bietet die Stadt den Fahrzeuglenkern? Leider sei beim Ausbau des Nahverkehrs "kurzfristig nichts zu machen", bedauert Oesterling. Er räumt ein: Besonders nordöstlich der Stadt habe der Nahverkehr Lücken. Die nordmainische S-Bahn nach Hanau werde wohl Ende des Jahres zwar genehmigt. Doch dann folgten noch mindestens sieben Jahre Bauzeit.

Eine kleine Entlastung bietet die Stadt, indem sie die Straßenbahnlinie 14 auf die parallel zum Mainufer führende Altstadtstrecke gelegt hat. Doch um beispielsweise das Angebot auf der Durchmesserlinie 11 schnell zu erweitern, habe die Stadt nicht genug Züge. "Der Bestand ist vollkommen ausgelastet", seufzt Klaus Oesterling. 45 neue Straßenbahnen hat er zwar schon bestellt. Die Lieferungen beginnen aber auch erst in zwei Jahren.

Fürs Auto geht die Zeit in unseren Innenstädten zu Ende. Diese Erkenntnis ist zwar bitter. Sie kommt aber wenig überraschend angesichts der epischen Debatten um Diesel, Fahrverbot & Co. Neu ist mit der Mainkai-Sperrung nun die Erkenntnis, dass Betroffene das Problem nicht länger ignorieren können.

Überdeutlich wird jetzt auch die Ursache: Bundes- und Landespolitik haben sich jahrzehntelang auf Autos und Straßenverkehr fokussiert - und die Alternativen vernachlässigt. Die aber sind plötzlich notwendig. Doch es fehlen Radwege, es gibt zu wenige Gleise für S-Bahnen, U-Bahn-Linien sind nicht ausreichend ausgebaut, der Fahrzeugpark der Trams zu klein. Auch die Stadtpolitik kann sich nicht herausreden: Schwarz-Grün schob den Nahverkehrs-Ausbau jahrelang auf. Nun stehen die Vorhaben im Stau. Wie die Autos.

Die Kraftwagen müssen zwecks sauberer Luft und mehr Lebensqualität heraus aus den Innenstädten? Geschenkt. Doch es ist kein feiner Zug, wie die Politik dies auf die harte Tour erledigt. Und damit jene trifft, die gern die Loblieder aufs Auto hörten. Jene, die die Blechkarossen kauften und so die Autokonzerne stärkten. Ausgerechnet das Vertrauen dieser riesigen Wählergruppe walzt die Politik nun völlig instinktlos platt. Ein hochriskanter Fahrstil.

Frankfurt: Informationen zur Mainkai-Sperrung

Ortsbeirat Sachsenhausen: Er berät über die Mainkai-Sperrung am 7. Juni ab 19 Uhr im Depot Oberrad, Offenbacher Landstraße 357.

Ortsbeirat Innenstadt: Debattiert wird über das Vorhaben am 18. Juni (Dienstag) ab 19 Uhr im Cronstetten-Haus im Gutleutviertel, Speicherstraße 39-47.

Verkehrsausschuss: Die Sperrung ist Thema in der nächsten Sitzung am 18. Juni (Dienstag) ab 17 Uhr im Sitzungssaal 307 im Römer-Südbau, Bethmannstraße 3.

Stadtparlament: Die Entscheidung fällt in der Plenarsitzung der Stadtverordneten am 27. Juni (Donnerstag) ab 16 Uhr im Römer. (dpg)

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