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Viele Sachsenhäuser wollen nicht hinnehmen, dass ihr Stadtteil im Autoverkehr erstickt. Gemeinsam wollen sie gegen die Sperrung des nördlichen Mainufers vorgehen.

Stau

Mainkai-Sperrung: In Sachsenhausen wächst der Widerstand

Viele Sachsenhäuser wollen nicht hinnehmen, dass ihr Stadtteil im Autoverkehr erstickt. Gemeinsam wollen sie gegen die Sperrung des nördlichen Mainufers vorgehen. Redakteurin Stefanie Wehr hat mit dem Vorkämpfer der neuen Bürgerinitative Herbert Schmoll gesprochen.

Herr Schmoll, vergangene Woche kündigten Sie erstmals die Gründung einer Bürgerinitiative an, seit gestern ist Ihre Internetseite online freigeschaltet. Wie viele Mitstreiter haben sich schon bei Ihnen gemeldet? 

Nach 3 Stunden waren es bereits mehr als 40 Leute, am heutigen Dienstag sind es schon 150. Stündlich werden es mehr. Seit die Seite online gestellt ist, macht es die ganze Zeit „klack klack“. Mein Telefon steht auch nicht mehr still. 

Wer steckt hinter der Bürgerinitiative? Sind Sie Einzelkämpfer? 

Nein, wir sind zu dritt. Die Idee stammt von einer Bekannten, die an der Gartenstraße wohnt und ihren Augen nicht traut, was sich vor ihrem Fenster abspielt: Stau ohne Ende, Straßenbahnen stauen sich auf der Gartenstraße weil die Schweizer Straße zugestellt ist, Krankenwagen und Notärzte hängen fest. Mit einer weiteren Bekannten aus der Hans-Thoma-Straße haben wir vergangene Woche zusammengesessen und gesagt, man muss etwas gegen diesen Verkehrswahnsinn tun. 

Sie selbst wohnen in einer ruhigeren Ecke in Sachsenhausen. Was treibt Sie dazu, sich für die verkehrsgeplagten Anwohner einzusetzen? 

Mein Schlüsselerlebnis dazu hatte ich vergangene Woche. Ich bin eine halbe Stunde zu spät zu einem Lunch-Termin in der Nähe der Konstablerwache gekommen, weil ich sage und schreibe 40 Minuten von Sachsenhausen mit dem Auto unterwegs war. Normalerweise brauche ich zehn Minuten. Schon auf der Alten Brücke ging nichts mehr. Ich brauchte 20 Grünphasen, um über die Berliner Straße zu gelangen. Da wurde mir zum ersten Mal klar, dass hier etwas gravierend schiefläuft. 

Nun war der Verkehrskollaps der vergangenen Woche aber der doppelseitigen Sperrung beider Mainufer zuzuschreiben, wegen des frühen Aufbaus des Museumsuferfests. 

Meine Lunch-Termin-Verspätung war am Wochenbeginn, da gab es noch keinen Aufbau für das Museumsuferfest. Auch heute am Montagmorgen um viertel vor acht war die Schweizer Straße dicht, das zeigt ein Foto auf unserer Website. Es gibt also an jedem gewöhnlichen Arbeitstag gravierende Auswirkungen. Kommt eine Veranstaltung im Stadion dazu, ein Fest oder eine Messe bilden sich Megastaus bis zur Mörfelder Landstraße. Besonders an den Kreuzungen verhalten sich die Autofahrer undiszipliniert, blockieren Kreuzungen und sorgen dafür, dass es auch in der anderen Richtung nicht mehr weitergeht. Täglich stauen sich Autos und Schwerverkehr auf dem hoch belasteten Schaumainkai und allen Nebenstraßen. Die Anwohner sind die Leidtragenden. 

Wie lautet die Forderung der Bürgerinitiative? 

Unser Ziel ist es, dass die Sperrung des Mainkais am nördlichen Ufer rückgängig gemacht wird. Wenn dies nicht geschieht, wollen wir die Sachsenhäuser davon überzeugen, dass sie in Zukunft weder dem Oberbürgermeister noch den Politkern, die diese Sperrung zu verantworten haben, ihre Stimme geben. 

Wer ist Ihrer Meinung nach verantwortlich? 

SPD und Grüne träumen von einer autofreien Innenstadt, der Mainkai ist nur der Anfang. Die Koalition aus SPD, Grünen und der CDU im Römer hat die Entscheidung mitgetragen. Der Verkehrsdezernent Oesterling hat das Chaos zu verantworten, denn er hat weder Strategie noch Plan. Er macht es sich sehr einfach, will den Verkehr, den er vor der eigenen Haustür nicht mehr haben will, den Sachsenhäusern aufdrängen. Seine Aussage lautet: „Die Autos werden ihren Weg finden“. So argumentiert jemand, der nicht ansatzweise darüber nachgedacht hat, welche Auswirkungen seine Entscheidungen haben.

Welche politischen Akteure haben Sie auf Ihrer Seite? 

Bis auf Grüne und FDP haben sich alle Parteien gemeldet. Den Standpunkt FDP kennen wir nicht. Die SPD verteidigt diesen Unsinn natürlich. Alle anderen unterstützen uns, sogar der CDU-Ortsbeirat. Ich freue mich über jede Partei, die auf unserer Seite ist. 

In Sachsenhausen sind ja auch die im Römer vertretenen Koalitionsparteien verärgert über die Auswirkung der Sperrung und fordern Ersatzangebote. 

Ja, das hätte ich nicht gedacht. Der Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) sagte mir, die Anträge aus dem Ortsbeirat seien bei der Stadt nicht gehört worden. 

Im Ortsbeirat kam jüngst der Vorschlag, man solle statt des Mainkais doch lieber das Museumsufer westlich der Untermainbrücke sperren. Das Nordufer habe kaum Aufenthaltsqualität. Was halten Sie von der Idee? 

Sicherlich ist die Sperrung des nördlichen Mainufers kompletter Unsinn. Dort stehen hässliche Nachkriegsbauten, es gibt keine Gastronomie, keine Geschäfte. Ab und zu wird der Mainkai von ein paar Fußgängern überquert, die über den Eisernen Steg kommen, ansonsten herrscht Einöde. 

Wenn überhaupt ein Mainufer gesperrt wird, dann muss es natürlich das Museumsufer sein, an dem viel mehr Touristen unterwegs sind, an dem es wunderschöne alte Bausubstanz gibt. Aber auch das südliche Mainufer zu sperren macht so lange keinen Sinn so lange wir die Voraussetzungen dazu - eine massive Reduzierung des Verkehrs durch den Ausbau des ÖPNV - nicht geschaffen haben. Nur westlich der Untermain-Brücke zu sperren ist unter diesen Umständen auch nicht sinnvoll. Dann drängt sich der komplette Verkehr durch die Schweizer Straße, das wäre ihr Ende. 

Welche Aktionen planen Sie? 

Zunächst werden wir die Bürger informieren, denn viele haben noch nicht mitbekommen, dass der zusätzliche Verkehr ursächlich mit der Sperrung des nördlichen Mainufers einhergeht. In Kürze gehen wir in die sozialen Medien Facebook und Twitter, drucken und verteilen Flugblätter. In den kommenden zwei Wochen laden wir über diese Kanäle zu einer Gründungsversammlung. Dort wird dann entschieden, mit welchen Aktionen wir beginnen.

von Stefanie Wehr

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