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Autos will die Stadt bewusst in die zweite Reihe rücken. So wirbt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) für den 13 Monate dauernden Verkehrsversuch. Ab August wird beiderseits des Fahrtors die nördliche Uferstraße, der Mainkai, gesperrt werden. 

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Nördliches Mainufer ab August gesperrt – Autos müssen Fußgängern weichen

Geht es nach Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, wird das nördliche Mainufer ab August gesperrt. Das stößt auf Ablehnung.

Frankfurt - Wenn das Mainfest Anfang August vorüber ist, wird etwas anders sein am nördlichen Mainufer: Kurz danach rollt nicht wieder der Autoverkehr über den Mainkai. Sondern die wichtige Ost-West-Straße soll 13 Monate lang testweise gesperrt bleiben - bis zum Museumsuferfest 2020.

Zwar muss das Stadtparlament im Juni noch zustimmen. Das aber dürfte Formsache sein: CDU, SPD und Grüne haben den Verkehrsversuch im Koalitionsvertrag vereinbart. Dabei ist die CDU nicht begeistert, SPD und Grüne hätten hingegen die Dauer-Sperrung befürwortet.

Die Sperrung sei "nur probeweise, das nehme ich ernst", unterstreicht Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Es werde "keine nicht rückbaubaren Einbauten" geben. Mehr als 80.000 Euro soll die Sperrung kosten. Fast die Hälfte geht dafür drauf, dass 17 Stellplätze in der Tiefgarage Dom/Römer für Anwohner angemietet werden, deren Stellplätze oben entfallen.

Schranken ermöglichen Feuerwehr die Zufahrt – Sperrung "nicht wegen Diesel"

Vor allem Veränderungen an Ampelphasen und Markierungen an den Kreuzungen im direkten Umfeld kosten Geld. Der Mainkai wird auf beiden Seiten mit Anti-Terror-Sperren aus Betonquadern verbarrikadiert. Schranken sollen die Zufahrt zum Beispiel für die Feuerwehr ermöglichen. Aus der Saalgasse/Am Pfarrturm heraus ist zudem die Ausfahrt Richtung Schöne Aussicht möglich - für die Nutzer der Tiefgarage Dom/Römer und für die Andienung der Schiffsanlegestelle.

Die Stadt sperre die Straße "nicht wegen Diesel", betont der Oberbürgermeister, "sondern weil die Leute den Main und ihr Mainufer lieben". Vielmehr wolle die Stadt den letzten Teil der vom früheren Planungsdezernenten Martin Wentz (SPD) erdachten Umgestaltung der Mainufer realisieren, erinnert Oesterling. "Das wird ja schon sagenhaft angenommen."

Der Mainkai werde nur der ruhigen Erholung dienen: "Das soll keine Partymeile oder ein Rummelplatz werden", unterstreicht der Stadtrat. Nur kleinere Veranstaltungen soll es zwischen Fahrtor und Karmelitergasse geben, Gastronomen können ihre Außenbereiche erweitern. Zudem soll die Straße von September an Teststrecke für autonome Fahrzeuge sein, die jedermann nutzen kann (diese Zeitung berichtete).

Die Fahrer der täglich 20 000 Autos und Lastwagen aber müssen 13 Monate lang die Sperrung umfahren. Vor allem werden sie die Berliner Straße und das südliche Mainufer nutzen, sagt Rita Jakoby vom Planungsbüro Albert Speer+Partner, das die Verkehrsplanung erarbeitet hat. "Wir setzen auch darauf, dass sich die Bürger großräumige Ausweichrouten suchen oder sogar das Verkehrsmittel wechseln."

Nahverkehr sei an seiner Kapazitätsgrenze – weitere Ersatz-Angebote fehlen

Zusätzliche Nahverkehrsangebote gibt's jedoch nicht: Die Nutzung der Gleise am Ufer für die Straßenbahn oder ein Wassertaxi seien Projekte, die Investitionen verursachten und über die deshalb erst nach dem Versuch entschieden werden könne, sagt Oesterling. Verläuft der positiv, soll die dauerhafte Umgestaltung geplant und dabei auch die Bürger beteiligt werden.

Das fehlende Alternativ-Angebot geißelt die Industrie- und Handelskammer (IHK). Der Nahverkehr sei an seiner Kapazitätsgrenze, "zudem hat er einige Attraktivitätsdefizite", kritisiert Alexander Theiss, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK. Und der Bau weiterer U- und S-Bahn-Linien werden noch Jahre auf sich warten lassen. Die Wirtschaft verfolge die Projekte zum Beschränken des Autoverkehrs "mit Sorge". Busspuren, Radwege auf Hauptstraßen, Pförtnerampeln und Mainufer-Sperrung könnten in Summe "die Gesamt-Verkehrssituation für Pendler oder den Lieferverkehr erheblich verschlechtern", warnt Theiss.

Oberbürgermeister Peter Feldmann: Stadt Frankfurt rückt die Autos bewusst in die zweite Reihe

Eine solche Diskussion habe es auch 2009 um die Sperrung der Hauptwache gegeben, winkt der Oberbürgermeister ab. Die Stadt rücke die Autos "bewusst in die zweite Reihe" und nehme auch Beschwerden in Kauf, sagt Feldmann."Das Straßennetz wird es verkraften", ist Oesterling zuversichtlich. Der Abschnitt sei schon heute jedes Jahr an 25 bis 30 Tagen gesperrt, ohne dass man das merke. Auch sei der Autoverkehr in der City binnen 30 Jahren um 30 Prozent zurückgegangen. Doch sei es "am Ende die politische Mehrheit", die entscheide.

Darüber könnten die Bürger 2021 bei der Kommunalwahl entscheiden, betont Peter Feldmann. Und der OB sinniert bereits, ob er den Testversuch "eventuell über die Kommunalwahl hinaus verlängern" solle.

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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