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Die Vision des Architekten Karl Richter aus Frankfurt: Wohnungen, ein Wohnturm und eine Schule auf dem Mainwasengelände (alle weiß hervorgehobene Bauten im Vordergrund). Die Sportplätze der Fußballvereine und die Kleingärten könnten seiner Ansicht nach verlegt werden. 

Wohnungen

Hier könnten 3000 Menschen wohnen: Architekt schlägt Bebauung der Mainwasen vor

Was passiert mit dem Mainwasen-Areal in Frankfurt? Ein Architekt sagt, dort sei Platz für einen ganzen Stadtteil. Es wäre das Ende für die Sportanlagen. 

  • Sollen die Mainwasen in Frankfurt bebaut werden?
  • Ein Architekt schlägt vor, dort 1400 Wohnungen zu bauen
  • 3000 Menschen hätten ein neues Zuhause – aber zu einem hohen Preis

Frankfurt – Die Diskussion über den Neubau der Europäischen Schule auf dem Mainwasen-Areal in Frankfurt könnte wieder Fahrt aufnehmen - das wünscht sich der Frankfurter Architekt und Stadtplaner Karl Richter, der einen Vorschlag ins Spiel bringen will: Außer der Schule hätte "ein ganzer Stadtteil" Platz  auf den Flächen, wo jetzt die Fußballvereine SV Sachsenhausen und VfL Germania ihreSportplätze haben und wo 75 Parzellen des Kleingartenvereins Mainwasen liegen, meint er. Dieses Potenzial "wurde in der Debatte um den Standort der Europäischen Schule völlig übersehen", findet Richter.

Frankfurt: Architekt schlägt Bebauung der Mainwasen mit Wohnungen vor

Wo jetzt die Vereinsheime der Fußballclubs stehen und wo sich der Hartplatz und der erste Rasenplatz befinden. Das Areal östlich davon könnte mit sechs Wohnblöcken, zwei Portalhäusern auf Höhe der Osthafenbrücke und einem Wohnturm als Pendant zum Main-Plaza-Turm auf dem Walther-von-Cronberg-Platz in Frankfurt bebaut werden. 

"Das wäre die logische Bebauung, in der 1400 Wohnungen entstehen könnten", so der Architekt, "3000 Menschen könnten dort wohnen." Die entstehenden Wohnhöfe könnten üppig begrünt werden. Eine neue Buslinie könnte vom Deutschherrnviertel her das Gebiet erschließen und in Richtung Ostbahnhof-Frankfurt anbinden.

Frankfurt Mainwasen: Sportplätze haben keinen ökologischen Nutzen

Die Gegenargumente, die schon bei der Diskussion um den Standort der Schule angeführt worden waren, ließen sich indes leicht ausräumen, meint Richter. Etwa das Argument, dass die Flächen dem Grüngürtel Frankfurts angehörten. Das sei schon dadurch nichtig, dass die Sportplätze ohnehin keinen ökologischen Nutzen erfüllten. Zudem könnten Grüngürtel-Flächen mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung herausgenommen und gleichwertig ersetzt werden, wie schon andernorts in Frankfurt geschehen, - etwa die Grüngürtel-Flächen am Niederräder Ufer, die als Ersatz für die Bebauung der ehemaligen Rennbahn mit der DFB-Akademie geschaffen wurden, so Richter.

Den Fußballvereinen müsse kein Schaden entstehen, denn ihre Sportplätze könnten ebenso verlegt werden. Etwa an den Waldrand in Frankfurt-Oberrad, "dort ist ja schon ein Sportplatz - die Frage ist, wie gut er ausgelastet ist." Alternativ könnten sie auf den Feldern entlang des Burgenlandwegs gebaut werden oder östlich der Kaiserlei-Brücke, wo auf Frankfurter Gemarkung ein Park entstehen soll.

Frankfurt: Wohnen am Main statt an der Autobahn

Auch die Sportplätze Gerbermühle inklusive der Tennisplätze könnten auf diese Weise verlegt werden und dort zusätzlicher neuer Wohnraum entstehen. Denn, so Richter: "Die Frankfurter sollen am Main wohnen und nicht an der Autobahn." Der Architekt spielt auf den umstrittenen geplanten Stadtteil für Frankfurt an der Autobahn A 5 an, dessen ursprünglich vorgesehene Fläche die Regionalpolitik nach heftiger Diskussion zuletzt eingeschränkt hat: Nur östlich der Autobahn soll gebaut werden.

"Es ärgert mich, dass man sich nur auf diese schwierige und wenig attraktive Fläche konzentriert und andere nicht in Betracht zieht", so Richter. Die Diskussion um die städtischen Sportplätze Mainwasen als Standort für die Europäische Schule sei zu schnell mit unzureichenden und teils falschen Argumenten beendet worden. Frankfurt Baudezernent Jan Schneider (CDU) sagte vergangene Woche auf Anfrage in der Stadtverordnetenversammlung, eine Bebauung der Mainwasen mit einer Schule sei schwierig. Von der Größe her seien die Flächen geeignet, jedoch existiere kein Bebauungsplan.

Mainwasen in Frankfurt: Wohnungsbau politisch schwierig

Denn das Gelände sei im Regionalen Flächennutzungsplan (RegFNP) als Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen ausgewiesen, zudem als Vorranggebiet Regionaler Grünzug und Sportanlage. Der RegFNP könne nur von der Regionalversammlung geändert werden. Überdies liege das Gebiet im Siedlungsbeschränkungsgebiet wegen des durch den Flugverkehr verursachten Lärms. Dieser Einschätzung widerspricht Architekt Richter: "Die Fläche ist kein Siedlungsbeschränkungsgebiet mehr." Das habe ihm das Regierungspräsidium Darmstadt auf Anfrage bestätigt.

Richter hatte einen ähnlichen Vorschlag für ein Wohngebiet am Rebstock gemacht. Der Vorschlag fand aber nur Anklang bei den BFF und der AfD.

Von Stefanie Wehr

Der Hintergrund: Aufgrund der Wohnungsnot in Frankfurt sind die Kleingärten und die Mainwasen überhaupt in das Visier der Stadtplaner geraten. Es herrscht Ungewissheit auf dem Sportplatz Mainwasen: Wie lange wird es die Anlage noch geben? 

Im Frankfurter Nordend sorgt ein anderes Bauprojekt für Gesprächsstoff: Die Merianschule

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