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Rund sechs Wochen vor der hessischen Landtagswahl hat auch im Wahlamt Frankfurt die Briefwahl begonnen

Datumskollision

Der Frankfurt Marathon fällt mit der Landtagswahl zusammen

Dauerläufer fiebern seit Monaten dem Frankfurt Marathon entgegen, Politiker der hessischen Landtagswahl: Beide Ereignisse gehen am Sonntag, 28. Oktober, über die Bühne.

Janine Wissler bemerkte früh, dass es Ende Oktober in Frankfurt zu einer Terminkollision kommen würde. Kaum hatte die Landesregierung Anfang des Jahres mitgeteilt, dass der nächste hessische Landtag am 28. Oktober gewählt werden soll, twitterte die Fraktionschefin der Linken, dass ihr das Datum gar nicht passe. Wissler ist Langstreckenläuferin, beschreibt sich selbst als „zäh und ausdauernd“ und wollte an diesem Sonntag im Oktober eigentlich den Marathon in Frankfurt laufen. Daraus wird nichts. Wissler, Spitzenkandidatin ihrer Partei, wird am 28. Oktober ausschließlich in Sachen Politik unterwegs sein.

Auch die Mitarbeiter des Frankfurter Wahlamtes beschäftigen sich seit Wochen mit dieser Terminüberschneidung. Gestern gaben der zuständige Dezernent Jan Schneider (CDU) und Marathon-Chef Jo Schindler eine Pressekonferenz. Der Tenor lautete: Wir tun alles, damit der Marathon niemanden vom Wählen abhält. „Wir rechnen aber mit einer höheren Briefwahlbeteiligung“, hob Schneider hervor.

So wird die Stadtverwaltung in den kommenden Tagen rund 35 000 Frankfurter Bürger anschreiben. Sie wohnen im Umkreis von rund 100 Metern zur Marathon-Laufstrecke und müssen diese queren, um zu ihrem Wahllokal zu gelangen. In dem Schreiben weist die Stadt sie darauf hin, dass sie auf ihrem Weg zur Stimmenabgabe mit Behinderungen durch das Groß-Sportereignis rechnen müssen. Die Betroffenen hätten mehrere Möglichkeiten: Briefwahl beantragen, sich einen Umweg zum Wahllokal suchen, vor oder nach dem Lauf (etwa von 10 bis 16.30 Uhr) wählen gehen – oder aber einfach warten, bis die Strecke so weit frei ist, dass eine Überquerung der Straßen möglich ist. Letztgenannte Alternative dürfte die einfachste sein. Abgesperrt sei der 42,195 Kilometer lange Kurs nur an Start und Ziel an der Festhalle sowie an Orten wie dem Opernplatz, an denen besonders viele Zuschauer stehen, betonte Schindler. Überall sonst könne man einfach einen günstigen Moment abpassen, um über die Straße zu gehen. Die Gelegenheit dazu werde es auf jeden Fall geben. Je länger der Lauf dauert, desto mehr sei das Feld auseinandergezogen. Und auf den ersten Kilometern vergingen ohnehin nur einige Minuten, bis alle Läufer durch seien.

Der Marathon ist also keine Entschuldigung, nicht wählen zu gehen. Im Gegenteil: Auf Plakaten zum Lauf rufen die Veranstalter zum „Anfeuern und Wählen“ auf. Den Lauf zu verlegen, sei keine Option gewesen, sagte Schindler am Montag. Das Rennen finde immer am letzten Oktober-Sonntag statt und sei damit in den „internationalen Marathon-Kalender eingebunden“. Schon am Wochenende darauf werde in New York gelaufen. „Der Zugang zu allen Wahllokalen ist jederzeit möglich“, betonte Schindler. „Eventuell müssen kurze Wartezeiten in Kauf genommen werden, wenn gerade das große Hauptfeld der Läufer vorbeikommt.“ Schindlers Motto für den 28. Oktober lautet denn auch „Wählen und Anfeuern“.

„Diejenigen, die am Wahlsonntag nicht in der Wahlkabine ihre Stimme abgeben können, haben auch die Möglichkeit, per Brief zu wählen“, erklärte Dezernent Jan Schneider weiter. Auf der Rückseite der Wahlbenachrichtigung befindet sich ein Formular für die Beantragung von Briefwahl-Unterlagen (siehe Beitext).

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