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Alle fahren mit Maske - das gilt an der Hauptwache am Abgang zur U-Bahn, sowohl für die Fahrgäste, als auch für die Kontrolleure der Verkehrsgesellschaft. Erwischen sie einen Fahrgast ohne Maske, weisen sie ihn auf die neuen Regeln hin. Bußgelder dürfen sie in diesem Fall nicht verhängen.

Coronavirus-Pandemie

Frankfurt: Masken verändern das Gesicht der Stadt

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Am ersten Tag der Mundschutzpflicht halten sich die meisten Frankfurter an die Auflagen. Schon die Digitalanzeigen der Bahnen weisen auf die Maskenpflicht hin. Der Schriftzug „Bitte schützen Sie einander und tragen eine Maske!“ läuft über die Anzeigetafeln.

  • Die Corona-Pandemie hält die Mainmetropole weiter in Atem. 
  • Seit Montag (27.04.2020) gilt in Frankfurt die Maskenpflicht
  • Bisher halten sich die Frankfurter an die Auflagen - die Maskenpflicht hat das Gesicht der Stadt verändert. 

Frankfurt – Von einem auf den anderen Tag hat sich das Gesicht der Stadt gewandelt. Während am Wochenende auf den Straßen von Frankfurt eher selten Menschen mit Masken zu sehen waren, trägt am Montag (27.04.2020) etwa die Hälfte der Leute auch auf der Straße Mund- und Nasenschutz aller Art - vom gefalteten Halstuch über selbst genähte Stoffmasken und Einwegartikel bis hin zu FFP2-Masken mit Luftfilter. 

Es sieht noch etwas merkwürdig aus, wenn Gesichter hinter großen Sonnenbrillen und bunten Tüchern verschwinden. Einigen scheint der Mundschutz peinlich, vor allem denen, die erst direkt vor dem Betreten eines Geschäftes den Mund- und Nasenschutz anziehen und ihn sofort wieder abnehmen, sobald sie den Laden verlassen.

Maskenpflicht in Frankfurt: Mitarbeiter in Geschäften gehen mit gutem Beispiel voran

Mit gutem Beispiel voran gehen Mitarbeiter von Geschäften, Bäckereien und Verkaufsständen. Alle tragen Masken. "Wir können den Kunden ja nicht ohne begegnen, wenn sie einen tragen müssen", so Mustafa, der in der B-Ebene der Konstablerwache in Frankfurt hinter Plexiglas an der Kasse einer Bäckerei arbeitet.

Auf dem Tresen steht ein Schaufensterpuppenkopf mit blauer Einwegmaske vor bunten Lutschern und Kaffeebechern zum Mitnehmen. "Das ist Marianne. Durch sie sehen alle schon beim Anstehen aus der Ferne, dass Maskenpflicht besteht. Wir verkaufen solche Masken auch an Kunden", sagt er lachend.

Einkaufen ist in Frankfurt nur noch mit Maske gestattet. Stoffe sind in Corona-Zeiten besonders gefragt, viele nähen ihre Masken selbst.

Kleine und große Geschäfte in Frankfurt haben Abstandsstreifen auf dem Boden markiert. Nur eine bestimmte Zahl Kunden darf gleichzeitig rein. Die Stimmung der Wartenden schwankt zwischen Geduld und genervt sein. "So ein Blödsinn, als ob das was helfen würde", schimpft eine junge Frau, die immer wieder ihren handgenähten Mundschutz zurechtrückt. Der Mann vor ihr weist sie darauf hin, dass sie nicht dauernd daran herumfingern soll. "So bringt es natürlich nichts", antwortet er und erklärt ihr mit seinem Mundschutz, wie man den Stoff an den Seiten anfasst und anlegt, ohne, dass es rutscht. 

Leute loben sich gegenseitig für besonders kreative Teile und geben Tipps für Brillenträger, die kaum etwas sehen, weil die Gläser beschlagen: "Nehmen Sie ein Taschentuch, falten Sie es schmal und legen Sie es unter den Rand der Maske auf die Nase. Hat bei mir auch geholfen."

Maskenpflicht auf der Zeil in Frankfurt: Mitarbeiter organisieren, wie viele Menschen die Läden betreten

Vor dem Karstadt auf der Frankfurter Zeil bilden sich an zwei Seiten Schlangen. Maskierte Mitarbeiter fragen freundlich, ob man zum Outlet oder zur Post will. Richtung Post und DHL dürfen je fünf Leute rein, weitere fünf zur Mode. Hinter den Modeständen stehen hohe Wände, die den Weg zum Hauptgeschäft versperren. Wer in Hauptgebäude möchte, muss ebenfalls warten. "Es dürfen hier jeweils 35 Leute rein. Insgesamt haben wir 800 Quadratmeter von insgesamt 28.000 Quadratmeter Fläche offen", sagt Ralf Dawo, Personalleiter des Karstadt-Verbundes. 

Alle aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie in Frankfurt gibt es in unserem News-Ticker

Er trägt eine schwarze Stoffmaske und beantwortet geduldig Kundenfragen. Rechts geht es rein, links wieder raus. Wer hineingeht, muss einen frisch desinfizierten Korb mitnehmen. "Es ist für alle gewöhnungsbedürftig", so Dawo. An einem Infostand im Erdgeschoss kann sich jeder gewünschte Ware holen und zeigen lassen. "Die Mitarbeiter suchen sie raus - auch wenn es mal acht Paar Schuhe sind oder zehn Kuscheltiere. Das dauert, aber 99 Prozent der Kunden sind geduldig." 

Vor der Tür fragt ihn eine Frau, ob der Friseur offen sei. "Erst nächsten Montag. Aber trösten Sie sich, ich war auch schon ewig nicht beim Haare schneiden", antwortet er ihr. Die Frau lacht. Enttäuscht ist sie trotzdem. "Ich will, dass endlich alles wieder so ist, wie es vorher war."

Maskenpflicht in Frankfurt: Wir klären die wichtigsten Fragen

Das Tragen von Mund-Nasen-Masken beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr ist in Hessen jetzt Pflicht. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wann müssen Mund-Nasen-Masken getragen werden?

In Hessen ist das Tragen einer Mund-Nasen-Maske im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften, Bank- und Postfilialen von nun an verpflichtend. Ausgenommen sind Kinder unter sechs Jahren sowie Menschen, die wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder Behinderung keinen Mund-Nasen-Schutz tragen können.

Welche Strafe droht bei Missachtung der Maskenpflicht?

Bei wiederholten Verstöße gibt es ein Bußgeld von 50 Euro.

Welche unterschiedlichen Maskenarten gibt es?

Um die Maskenpflicht zu erfüllen, reichen selbst genähte Stoffmasken oder Tücher, die Mund und Nase bedecken. Der mehrlagige medizinische Mund-Nasen-Schutz (MNS) und medizinische Atemschutzmasken wie FFP-Masken sollen medizinischem und pflegerischem Personal vorbehalten bleiben. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bezeichnet einfache Mund-Nasen-Masken, die aus handelsüblichen Stoffen genäht und im Alltag getragen werden, als "Community-Masken". Diese erfüllen nicht die Anforderungen von persönlicher Schutzausrüstung und sind kein Medizinprodukt.

Welchen Schutz bieten "Community-Masken"?

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) können mittels einer Mund-Nasen-Bedeckung infektiöse Tröpfchen, die man beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, abgefangen werden. So kann das Risiko, eine andere Person anzustecken, verringert werden. Die Maske schützt also nicht den Träger, sondern sein Umfeld vor einer Ansteckung.

Was muss beim Tragen der "Community-Masken" beachtet werden?

Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sollte man darauf achten, dass beim Anziehen einer Maske die Innenseite nicht kontaminiert wird. Die Hände sollten vor dem Anziehen sowie vor und nach dem Ausziehen der Maske gründlich mit Seife gewaschen werden. Wichtig ist, dass die Bedeckung durchgehend eng anliegend über Mund und Nase getragen wird. Während des Tragens darf die Maske nicht verschoben und nicht um den Hals getragen werden. Die Mund-Nasen-Bedeckung sollte spätestens dann gewechselt werden, wenn sie von Atemluft durchfeuchtet ist. Die potenziell erregerhaltige Außenseite der gebrauchten Maske sollte nicht berührt werden. Nach dem Abnehmen sollte die Maske luftdicht verschlossen oder sofort gewaschen werden.

Kann man selbst hergestellte Masken mehrmals tragen?

Ja. Die Masken sollten nach der Nutzung idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden. Alternativ ist es laut BfArM auch möglich, die Masken für zehn Minuten im Kochtopf auszukochen.

Wo kann man Masken kaufen?

Mund-Nasen-Schutzmasken sind unter anderem in Apotheken oder im Sanitätshandel erhältlich. Allerdings sind diese wegen der hohen Nachfrage aktuell häufig ausverkauft. Zahlreiche Schneidereien bieten selbst genähte Masken an. Online gibt es diverse Anleitungen, wie man Masken selbst anfertigen kann.

Zusammengestellt von Helen Schindler

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