Wohnbebauung

Frankfurt: Mehr Grün für die einen, mehr Grau für die anderen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Das Aus für die Günthersburghöfe führt zu dichterer Bebauung in anderen Quartieren

Wenn in den Günthersburghöfen im Nordend weniger Wohnungen entstehen, wird es in anderen neuen Quartieren in der Stadt etwas enger für die künftigen Bewohner. Das dürfte eine Folge sein, wenn die geplante Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt das Wohngebiet verkleinert - so, wie es Protestinitiativen fordern.

1500 Wohnungen sollten dort entstehen, davon 30 Prozent günstige Mietwohnungen, die Hälfte davon Sozialwohnungen, 15 Prozent Wohnungen von Genossenschaften oder Gemeinschaften: Auch viele weniger begüterte Menschen hätten einziehen können in die neuen Wohnhäuser, die die Stadt am Nordrand der Nordend-Bebauung hin zum Wasserpark plant. Obschon einst von den Grünen selbst unter Planungsdezernent Olaf Cunitz massiv vorangetrieben, hatte die grüne Parteibasis dem Vorhaben nach langen Protesten, unter anderem von den Nutzern der dortigen Kleingärten, vorigen Herbst die Unterstützung entzogen.

Deutlich abgespeckte Pläne

Mit der geplanten Koalition unter grüner Führung ist das Aus für die vielen Wohnungen besiegelt: "Wir werden für die Bebauung im Bereich des Bebauungsplans 880 (ehemals "Günthersburghöfe") neue Planungsvoraussetzungen formulieren und einen neuen städtebaulichen Entwurf erarbeiten", heißt es im Koalitionsvertrag, der "Bebauung nur auf den versiegelten Flächen vorsieht". Das bedeutet: Statt 1500 können wohl gerade einmal 350 Wohnungen entstehen. Diese Zahl hatte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) im zurückliegenden Wahlkampf genannt.

"Ich weiß nicht, wo wir die Wohneinheiten kompensieren können", räumt Josef heute ein. "Ich kann kein Baugebiet aus dem Ärmel ziehen." Dabei herrscht eklatanter Wohnungsmangel in der Stadt, der zu hohen Miet- und Kaufpreisen führt. Daher gibt sich der Dezernent nun, nach der Wahl, Mühe, damit der Verlust von 1150 Wohnungen weniger drastisch wirkt. "Es kommen ja durchaus noch Wohnungen zusammen, nur nicht 1500", sagt Josef. Er gehe davon aus, dass in anderen Baugebieten "an der einen oder anderen Stelle mehr Wohnungen zu erreichen" seien. Wenngleich auch das "nicht banal in Frankfurt" sei.

So seien bei allen akuten größeren Bauvorhaben zusammen "16 500 Wohnungen in der Pipeline". Josef führt dabei Projekte wie jenes am Danziger Platz im Ostend, das Hilgenfeld am Frankfurter Berg, das FAZ-Areal im Gallus, die Leuchte in Enkheim und das Lurgi-Gelände im Mertonviertel an. Je 2000 Wohnungen sollten auf dem Siemens-Areal am Schönhof in Bockenheim und am Römerhof im Rebstock entstehen. Entstünden in all diesen Quartieren jeweils etwas mehr Wohnungen als bisher erwartet, "können sie peu à peu einzeln kompensieren", was in den Günthersburghöfen nicht mehr umgesetzt werden könne, sagt Mike Josef. Also bekommen Investoren nun grünes Licht für dichtere Bebauung? Nein, widerspricht der Dezernent. "Wir bleiben bei den klaren Vorgaben und werden nicht mehr Wohnungen zulassen." Seine Prognose beziehe sich alleine darauf, dass die Ausnutzung oftmals nach der konkreten Planung auf Basis der städtischen Vorgaben dennoch den Bau von etwas mehr Wohnungen ermögliche als vorab grob geschätzt.

Zum dritten Mal neu planen

Das ändert nichts daran, dass die Investoren für die Günthersburghöfe - die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG und Entwickler Instone - nun ein drittes Mal neu planen müssen. Wirkt so etwas nicht sehr negativ auf Investoren? Das sei "mit Blick auf die Planungssicherheit suboptimal", räumt Mike Josef ein. Allerdings müssten Investoren damit leben, dass so etwas passieren könne. "Ein Bebauungsplan ist immer ergebnisoffen." Der Dezernent mahnt aber seine neuen Koalitionspartner deutlich: "Es sollte nicht die Regel sein, dass sich am Ende keine Mehrheit findet."

Eines der Wohngebiete, die nun womöglich noch etwas dichter bebaut werden, ist der Römerhof. Waren für die Günthersburghöfe 1500 Wohnungen auf satten 16,6 Hektar geplant, sollen dort 2000 Wohnungen auf gerade einmal 5 Hektar entstehen.

Architekt Christoph Mäckler hat sich bei seiner Stadtplanung sogar ausdrücklich auf das beliebte Nordend und dessen dichte Bebauung bezogen. Dessen Erfolgsrezept für quirliges urbanes Leben will er an den Rebstock übertragen.

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