Drogentrendstudie 2015

Frankfurt: Mehr Schüler greifen zum Joint

  • schließen

Frankfurter Schüler greifen immer häufiger zum Joint. Das geht aus der gestern vorgestellten Drogentrendstudie 2015 hervor. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Alkohol und Zigaretten sind bei den Jugendlichen längst nicht mehr so beliebt wie früher. Und die Zahl der Abstinenzler, die überhaupt keine Drogen nehmen, kletterte auf ein Rekordhoch.

Trotz aller Kampagnen für eine Legalisierung von Cannabis zählen Haschisch und Marihuana weiter zu den illegalen Drogen. Das juckt die Frankfurter Jugendlichen aber offensichtlich immer weniger. In den Drogentrendstudien der vergangenen fünf Jahre kannten die Zahlen im Hinblick auf den Cannabis-Konsum nur eine Tendenz: nach oben.

Mit der Drogentrendstudie 2015, die Stadt und Goethe-Uni gestern gemeinsam vorstellten, setzt sich die negative Entwicklung fort: Bei der Befragung von 1 019 Schülern im Alter von 15 bis 18 Jahren gaben 43 Prozent von ihnen an, schon einmal Cannabis genommen zu haben. Mit einem Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr war das der höchste Anteil der vergangenen zwölf Jahre.

Die Prozentzahl der Schüler, die angaben, „in den vergangenen 30 Tagen“ Cannabis konsumiert zu haben, stieg auf 23 Prozent – ein höherer Anteil war seit der ersten Drogentrendstudie im Jahr 2002 nicht ermittelt worden. Stefan Majer (Grüne), seit Juli Gesundheitsdezernent, liest aus den Zahlen heraus, „dass die bestehende Prohibition bei Cannabis nichts nutzt“.

Die Droge sei „Thema auf Partys, in der Schule, in Jugendhäusern“, sagte Majer, davor dürfe man „nicht die Augen verschließen“. Der Stadtrat forderte Strategien, um junge Menschen vor dem Konsum und den Gefahren eines unkontrollierten Schwarzmarkts zu beschützen. „Junge Leute sollen sich ohne Angst vor strafrechtlicher Verfolgung Rat und Hilfe holen, sich ungestraft als Kiffer outen können und in unserer Stadt geschützte Räume dafür finden“, findet Majer.

Die jüngste Schülerbefragung für die Drogentrend- oder MoSyD-Studie, die die Stadt jährlich bei der Uni in Auftrag gibt, führte aber auch zu positiven Ergebnissen: 12 Prozent der 15- bis 18-Jährigen gaben an, noch nie legale oder illegale Drogen genommen zu haben, das waren mehr als je zuvor. Der Anteil der Befragten, die im vergangenen Monat abstinent waren, erhöhte sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr von 32 auf 35 Prozent.

Der Konsum von Tabak und Alkohol, der schon seit mehreren Jahren rückläufig ist, sank auch 2015 wieder: Beim Tabak inklusive Shisha-Pfeifen verringerte sich der Anteil der Befragten, die schon einmal probiert hatten, von 70 auf 65 Prozent. Der Anteil derer, die täglich zu Zigarette greifen, stieg zwar nach einem sehr starken Minus in den Jahren 2012 bis 2014 um einen Prozentpunkt, war mit 17 Prozent aber weiterhin relativ niedrig – im Jahr 2003 hatten noch 40 Prozent der Schüler angegeben, täglich mindestens eine Zigarette zu rauchen.

Was die illegalen Drogen abseits von Cannabis angeht, stiegen die Zahlen an: 11 Prozent der 15- bis 18-Jährigen gaben an, schon mindestens einmal in ihrem Leben eine „harte Droge“ genommen zu haben, im Hinblick auf die vergangenen 30 Tage äußerten sich 5 Prozent der Befragten entsprechend. Bernd Werse vom „Centre for Drug Research“ der Goethe-Uni sagte dazu, dass die Zahlen von dem gestiegenen Ecstasy-Konsum um einen beziehungsweise zwei Prozentpunkte in die Höhe getrieben wurden. Drogen wie Crack, Heroin oder Crystal Meth spielten unter Schülern so gut wie keine Rolle.

Gesundheitsdezernent Majer sagte, dass es mit Blick auf die neusten Zahlen „keinen Anlass für Alarmismus“ gebe. Auf längerfristige Entwicklungen wie den ansteigenden Cannabis-Konsum gelte es aber zu reagieren. Mit den Drogendealern am Hauptbahnhof bringt der Stadtrat das Plus bei Haschisch und Marihuana übrigens nicht in Verbindung. Nur etwa 10 Prozent der Schüler besorgten sich ihre Drogen im Straßenhandel, viel wichtiger seien offenbar persönliche Kontakte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare