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Messerstecherei im Alkohol- und Drogenrausch

Brutaler Angriff

Messerstecherei im Alkohol- und Drogenrausch - aber ist der Täter schuldunfähig?

Der Prozess gegen einen Messerstecher musste abgebrochen werden. Erst einmal muss die Schuldfähigkeit des Angeklagten überprüft werden, er hat massive Alkohol- und Drogenprobleme.

Frankfurt - Früh am Morgen hatte die Schwurgerichtskammer gestern den Prozess gegen einen 32 Jahre alten Mann auf den Terminplan gesetzt und ebenso beizeiten waren die Richter auch schon wieder in ihren Dienstzimmern anzutreffen. Der Grund: Der Angeklagte, dem eine Messerattacke aus nichtigem Anlass zur Last gelegt wird, soll psychiatrisch untersucht werden. Er konsumiert offenbar Alkohol und auch Drogen in rauen Mengen, was für die Frage der Schuldfähigkeit von erheblicher Bedeutung sein wird.

Streit eskaliert zur Masserstecherei

Am 20. Dezember vergangenen Jahres hatte er sich in der Wohnung seiner Lebensgefährtin in der Idsteiner Straße (Gallus) mit dem späteren Opfer getroffen. Was die beiden zusammengeführt hatte, wurde in der kurzen Verhandlung gestern morgen nur ungefähr bekannt. Es ging wohl - wen wundert es - um den Erwerb diverser Rauschmittel. Jedenfalls entspann sich im Laufe des Handels ein intensiver Streit zwischen dem beiden Männern, der darin gipfelte, dass der Angeklagte plötzlich mit einem Messer herumhantierte. Schnell waren dem Opfer einige Schnitte und oberflächliche Stiche zugefügt. Dann aber verlor der Täter offenbar im Drogen- und Alkoholrausch die Übersicht, was dazu ausgenutzt werden konnte, ihm die Tatwaffe wegzunehmen.

Die Polizei wurde gerufen, die Akte gelangte zur Staatsanwaltschaft und von dort zum Landgericht. Trotz der an sich nicht lebensgefährlichen Verletzungen geht die Anklage weiterhin von einem bedingten Tötungsvorsatz beim Angeklagten aus. Maßgeblich für den Anklagevorwurf des versuchten Totschlags dürfte dabei der Ausruf "Ich steche dich ab" gewesen sein, den der Angeklagte mit schwerer Zunge getätigt haben soll.

Suchtprobleme: Angeklagter will Therapie machen

Nach kurzer Verhandlung wandern die Leitz-Ordner vorläufig also wieder in die Aktenschränke. Der Angeklagte erklärte sich immerhin bereit, nicht nur die ärztliche Begutachtung mitzumachen, sondern auch an einer Therapie teilzunehmen, um seine Suchtprobleme irgendwie in den Griff zu bekommen. So etwas ist durchaus nicht üblich bei Gericht.

Sollte der Prozess wie geplant Ende des Jahres neu beginnen, könnten sogar schon erste Ergebnisse vorliegen. "Ohne Gutachten brauchen wir aber gar nicht erst weiterverhandeln", sagte Vorsitzender Richter Volker Kaiser-Klan mit Blick auf mögliche Rechtsmittel bei Oberlandesgericht und Bundesgerichtshof.

VON MATTHIAS GERHART

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