Der Messeturm in Frankfurt: Die Stadt musste ihn räumen lassen. (Symbolbild)
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Der Messeturm in Frankfurt: Die Stadt musste ihn räumen lassen. (Symbolbild)

Brandschutz-Probleme

Nach Messeturm-Räumung: Jetzt hat der Verwalter gute Nachrichten

  • vonMark-Joachim Obert
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  • Sabine Schramek
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Umbauarbeiten am Messeturm in Frankfurt verursachten Brandschutz-Probleme. Es musste geräumt werden. Doch jetzt gibt es gute Nachrichten.

  • Die Stadt hat den Messeturm in Frankfurt räumen lassen.
  • Hintergrund sind mutmaßliche Brandschutz-Probleme in dem berühmten Frankfurter Hochhaus.
  • Es wurde ein neuer Fluchtweg eingerichtet - Der Messeturm ist nun wieder freigegeben.

Update vom 21.09.2020, 12.09 Uhr: Der Messeturm in Frankfurt ist wieder freigegeben. Nach der Sperrung des berühmten Hochhauses in Frankfurt wegen Mängeln beim Brandschutz ist der Turm seit Sonntagabend (20.09.2020) wieder zugänglich.

Seit Sonntagabend darf das Hochhaus wieder betreten werden. Das erklärte ein Sprecher des Messeturm-Verwalters. Nach einer Beanstandung durch die Feuerwehr wurde laut dem Sprecher nun ein neuer Fluchtweg eingerichtet. Dessen Freigabe sei bereits erfolgt.

Frankfurt: Messeturm-Räumung traf Mitarbeiter wie aus heiterem Himmel

Erstmeldung vom 16.09.2020, 21.27 Uhr: Frankfurt - Es hat die vielen Firmen und ihre Mitarbeiter im Messeturm wie aus heiterem Himmel getroffen: Am Dienstag (15.09.2020) ereilte sie per Mail die Nachricht, dass sie so schnell wie möglich ihre Büros verlassen sollen. Der Grund: In Frankfurts wohl berühmtesten Hochhaus gibt's Probleme mit dem Brandschutz - im Zusammenhang mit Modernisierungsarbeiten im Parterre.

Da diese in vier Abschnitten erfolgen, wanderte die Baustelle jeweils weiter, mussten etwa jeweils neue Fluchtwege angelegt werden. Die habe nun bei der vierten Baustelle die Feuerwehr nicht abgenommen, teilte gestern auf Anfrage Jürgen Herres mit. Er ist Sprecher des Messeturm-Verwalters "Officefirst". Mit Hochdruck sei man nun dabei, sichere Fluchtwege zu schaffen. Man erhoffe sich eine zeitnahe weitere Begehung mit Feuerwehr und Bauaufsicht, damit die Mieter zurückkehren könnten.

Die Baustelle am Messeturm in Frankfurt.

Frankfurt: Feuerwehr bemängelt Fluchtwege im Messeturm

Ob die Feuerwehr im Zusammenhang mit den Fluchtwegen auch die Rauchgasdruckanlage monierte - sie bläst bei Feuer den Qualm weg -, konnte Herres weder bestätigen noch ausschließen. Auf die Anlage hat gestern noch ein Informant dieser Zeitung hingewiesen. Er teilte auch mit, die Feuerwehr habe vor der Räumung die Verwalter mehrfach aufgefordert, Abhilfe zu leisten. "Officefirst" dementierte diese Darstellung "hart", wie Herres sagte. "Definitiv hat uns die Feuerwehr nicht mehrfach aufgefordert."

Simone Zapke, die Leiterin der zuständigen Frankfurter Bauaufsicht, war auf Terminen, hieß es gestern in ihrem Büro. Möglicherweise war sie im Messeturm. Die Feuerwehr wollte gestern zu Details nichts sagen und verwies auf die Bauaufsicht.

Messeturm in Frankfurt geschlossen: „Informationspolitik ist Katastrophe“

Gestern berichtete zunächst die Immobilienzeitung über die Räumung. Demnach seien die Mitarbeiter in der Mail aufgefordert worden, "ihre Arbeitsmittel sowie notwendige Unterlagen mitzunehmen". Ein im Messeturm Beschäftigter, der wie die anderen weder namentlich genannt werden noch den Namen seiner Firma nennen möchte, raffte das Nötigste zusammen. "Alles Notwendige? Wie soll das gehen?", fragte er. Zumal die Beschäftigten im Unklaren darüber gelassen würden, wie lange sie nicht in ihre Büros können. "Die Informationspolitik ist eine Katastrophe", findet der Geschäftsführer eines Finanzbüros. Er weilte gestern auf Kundenbesuch und erzählte, dass er "zum Glück" die wichtigsten Unterlagen zu Hause habe. "Homeoffice und Corona sei Dank."

Frankfurt: Mitarbeiter versuchen vergeblich, in Büros im Messeturm zu kommen

Ein Bauarbeiter mit gelber Warnweste erklärte Besuchern, die Einlass in den Messeturm begehrten, freundlich, dass dieser "heute zu" sei. Die Feuerwehr habe moniert, dass ein Plateau aus Holz verbaut wurde, das aus Stahl sein sollte. Er zuckt mit den Schultern. Rings um die Baustelle des Turms liegen Stahlträger, mächtige Kisten und Steine.

Immer wieder versuchen Mitarbeiter, in ihre Büros zu kommen. Der Eingang führt wegen des Umbaus unter weißen Planen nach unten. Dort stehen acht Leute, die jeden aufhalten, der das Gebäude betreten will. Ein Security-Mitarbeiter kann keine Auskünfte geben, außer, dass er regelmäßig selbst versucht, Informationen zu bekommen. "Wir erfahren hier gar nichts", sagt er. "Nicht, was genau passiert ist und auch nicht, wann wieder geöffnet wird."

Messeturm in Frankfurt: Großer Ärger bei eingemieteten Firmen

Mitarbeiter von Firmen, die im Messeturm ansässig sind, werden wütend. "Ich brauche meine Unterlagen. Es kann doch nicht sein, dass ich hier vor verschlossen Türen des Gebäudes stehe, in dem ich arbeite", sagt einer. Ein anderer stimmt zu: "Seit heute Morgen warte ich darauf, meinen Laptop und Unterlagen holen zu können. Mir läuft die Arbeit weg, und das während Corona. Ich kann wegen der sturen Sicherheitsleute meinen Job verlieren. Das ist alles unfassbar. Man kann mir nicht einmal sagen, ob der Turm noch fünf Minuten oder zwei Wochen zu ist und schon gar nicht, warum. Dass nicht mal 60 Prozent der Bürofläche vermietet sind, wundert mich jetzt gar nicht mehr."

Am späten Nachmittag fährt ein Mitarbeiter einer Baulogistik-Firma vor. Wann der Turm wieder geöffnet wird, kann auch er nicht sagen. Auf den Hinweis, dass Mitarbeiter warten, wieder die 52 Büroetagen betreten zu können, zuckt er die Schultern und sagt nur ein Wort: "Tja." (Von Sabine Schramek und Mark Obert)

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