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Miet-Horror in Frankfurt: Kein Wasser in der Toilette, dafür in der Wand

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Von: Judith Dietermann

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Die Verzweiflung bei Uschi Kissner aus Frankfurt ist groß. Grund ist Schimmel in der Wohnung und abgestelltes Wasser. Von der Vonovia ist sie enttäuscht.

Frankfurt - Uschi Kissner ist verzweifelt. Sie steht in ihrem Schlafzimmer, große Stücke der grünen Tapete sind heruntergerissen. Über der Fußleiste hinter der Tür kriecht schwarzer Schimmel die feuchte Wand empor. Wie auch im Flur. Den Einbauschrank kann sie dort nicht mehr benutzen. Ebenso wenig wie ihre Toilette. Dort ist das Wasser abgestellt. Duschen kann sie zwar noch, allerdings nur heiß. Bei Temperaturen um die 30 Grad ist das nicht angenehm. Deswegen wäscht Uschi Kissner sich in der Küche. Wenigstens die Waschmaschine läuft wieder. Was aber nur ein schwacher Trost ist. Von der Vonovia, dem Eigentümer des Hochhauses Praunheimer Weg 99 in Frankfurt, fühlt sie sich im Stich gelassen.

"Seit dem 27. Mai geht das nun schon so. Und es wird immer schlimmer", sagt Kissner, nimmt ihre Brille ab und wischt sich die Tränen aus den Augen. Rückblickend habe es damals "recht harmlos" angefangen. Der unter ihr wohnende Mieter, Kissner lebt im ersten Stock, habe ihr mitgeteilt, dass es in seinem Badezimmer tropft. Sie informierten die Vonovia, nichts passierte. Eine Woche später meldete sich der Nachbar wieder. "Jetzt regnet es in meinem Badezimmer", teilte er mit. Neben Kissners Toilette stand derweil das Wasser.

Mietwohnung in Nordweststadt Frankfurt: Erst tropfte es, dann floss das Wasser

Wieder riefen die Mieter die Vonovia an. Dieses Mal kam jemand vorbei, zwei Kacheln wurden in Uschi Kissners Bad heraus geklopft. Es gebe Probleme mit dem Abwasserrohr, sagten die Arbeiter ihr und verschwanden wieder. Was dann passierte? Das Wasser wurde abgestellt, Dusche und Toilette funktionierten nicht mehr. Aber Wasser sammelte sich weiterhin neben der Toilette. "Ekelhaft und stinkend" beschreibt Kissner die Situation.

Katastrophale Zustände: Die Tapete in Uschis Kissners Schlafzimmer wurde heruntergerissen, dahinter sind die Wände feucht und es schimmelt. FOTO: rainer rüffer
Katastrophale Zustände: Die Tapete in Uschis Kissners Schlafzimmer wurde heruntergerissen, dahinter sind die Wände feucht und es schimmelt. © rainer rüffer

Am 13. Juli sei wieder ein Handwerker vorbeigekommen. Er schaute sich die Situation an und drehte an der Wasserversorgung. Toilette und Dusche funktionierten wieder. Die Waschmaschine fortan aber nicht. Am 2. August kam dann schließlich die Nachricht, es sei alles behoben. "Das ist ja wohl ein Witz", sagt Uschi Kissner. Es werde von Tag zu Tag schlimmer. Das Wasser krieche durch die Wände in der Wohnung, im Schlafzimmer könne sie wegen des Schimmels nur mit geöffnetem Fenster schlafen. Zahlreiche Obstfliegen schwirren durch den Flur, binnen Stunden war die aufgestellte Falle schwarz. Im Schlafzimmer zieht die Feuchtigkeit mittlerweile hinter den Kleiderschrank.

Mieterin aus Frankfurt klagt: Toilettenspülung ist nicht nutzbar

Und was mit den abgerissenen Tapeten passiere, das habe man ihr auch nicht gesagt, klagt Kissner, die nicht die einzige Betroffene im Haus ist. Denn die Probleme im ersten Stock wirken sich auf das gesamte Gebäude aus. Ella Bialucha wohnt im achten Stock. Auch bei ihr gibt es Probleme mit dem Wasser. "Ich kann auf die Toilette, habe aber kein Wasser in der Dusche", sagt sie.

Eine Aussage, die Vonovia-Sprecher Christoph Schwarz revidiert. Die Warmwasser-Versorgung habe immer funktioniert, teilt er auf Anfrage mit. Anders als die Kaltwasserleitung, die wegen des Schadens noch bis Anfang dieser Woche geschlossen bleiben müsse. Für die Unannehmlichkeiten werde man die betroffenen Mietparteien entschädigen und das Gespräch suchen, verspricht er.

Abgestellt werden musste die Leitung, weil es sich um einen "sehr komplexen Schaden im Rohrleitungssystem" handle, der in dem Gebäude am Praunheimer Weg aufgetreten sei, so Schwarz, der damit auch begründet, warum die Probleme bereits seit Ende Mai bestehen. "Um den Schaden zu beheben, müssen wir in mehreren Bädern Zugang zum Rohrschacht schaffen. Die Instandsetzung hatte sich verzögert, da wir die Mieter nicht alle erreichen konnten", sagt er.

Frankfurt: Vonovia will nun reagieren

Eine Auskunft, über die Uschi Kissner nur den Kopf schütteln kann. Man sei nicht nur erreichbar gewesen, man habe sogar selber den Kontakt zur Vonovia hergestellt. Oder es zumindest versucht. "Die Kommunikation ist wirklich eine Katastrophe", sagt sie.

Auch das bedauert Christoph Schwarz, gerne wäre man früher für die Mieter da gewesen, es sei aber eben nicht möglich gewesen. Für die nun anstehenden Arbeiten müssten alle Mieter anwesend sein, spätestens am heutigen Dienstag, 9. August, würde man mit den Arbeiten fertig sein und das Kaltwasser wieder anstellen. Wegen des Schimmels sei man in Kontakt mit Uschi Kissner, ein Fachmann sei nun beauftragt worden. "Ich bin gespannt, denn das Vertrauen habe ich mittlerweile verloren", sagt sie nur. (Judith Dietermann)

Auch bei einem anderen Problem in der Frankfurter Nordweststadt ist die Vonovia involviert. Die Sorgen der Anwohner sind nicht neu.

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