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Sieghard Pawlik vom Mieterbund Hoechster Wohnen (l.) und der Bornheimer SPD-Chef Ulrich Labonté steuerten bei dem verregneten Rundgang auch die Wiesenstraße an. 

Wohnungen in Frankfurt

SPD Bornheim: Falsche Klingelschilder tarnen Leerstand – Nachbarn erstaunt 

Die SPD hat sich zu einer Tour durch den Frankfurter Stadtteil Bornheim aufgemacht. Thema: Leerstehende Wohnungen in Zeiten der explodierenden Mieten. 

Allein die bloße Vorstellung ist zum Haare raufen. Weil die Mieten ständig steigen, müssen Menschen die Stadt verlassen. Und auf der anderen Seite stehen mehrere tausend Wohnungen in der Mainmetropole einfach leer. "Wohnen ist das große Problem in Frankfurt, zu viele Wohnungen stehen dazu leer", fasst Arijana Neumann, Stellvertretende SPD-Vorsitzende in Bornheim, das Problem zusammen.

Die SPD wolle auf Landesebene gerne ein erneutes Zweckentfremdungsverbot einführen, so eines habe es bis 2004 gegeben und Eigentümern verboten, die Wohnungen nicht als Wohnraum zu nutzen. Auch Sieghard Pawlik vom Mieterbund Hoechster Wohnen kämpft seit Jahren gegen Leerstand in Frankfurt. Sein Mieterbund hat sich zurzeit vor allem Datenerfassung zur Aufgabe gemacht, schließlich müssen leerstehende Häuser und Wohnungen erst einmal entdeckt werden. "Ich sehe das persönlich als Skandal für das Land Hessen an", sagt er zu den interessierten Bornheimern.

SPD Bornheim: Rund 1000 leerstehende Wohnungen in Frankfurt

So hätten er und seine Organisation bereits 150 ganz oder teilweise leerstehende Häuser in Frankfurt erfasst. Das entspreche rund 1000 Wohnungen, in denen seit teilweise zehn oder 15 Jahren niemand lebt. "Wir wollen damit nun Druck auf den Kessel bringen." 

Wie viele Wohnungen in Frankfurt ganz leer stehen, könne er nur schätzen. In Wiesbaden habe die Stadt einmal Zähler und Wohnungsdaten abgeglichen und so die Zahl der leerstehenden Wohnungen in der Landeshauptstadt ermittelt. Würde man diese Prozentzahl auf Frankfurt anwenden, würde das bedeuten, dass rund 10 000 Wohnungen in der Mainmetropole dauerhaft nicht bewohnt sind.

Überraschung an vermeintlich leerstehender Wohnung in Frankfurt-Bornheim

Viele Münder in der Gruppe, die Sieghard Pawliks Ausführungen am Bockenheimer Uhrtürmchen gelauscht hat, stehen offen. Doch bewegt sich die Gruppe nun in Richtung Wiesenstraße. Denn hier steht eines der als leerstehend gemeldeten Häuser. Das Erdgeschoss ist mit uralten Holzrollläden verschlagen und sieht völlig verwahrlost aus. 

Dann die Überraschung: Zwei junge Männer öffnen in einem der oberen Stockwerke das Fenster. Ob alle Wohnungen im Haus vermietet seien, ruft einer der Teilnehmer der Führung nach oben. Die jungen Männer bejahen dies mit einem Lachen und schließen das Fenster wieder.

SPD Bornheim: In Frankfurt werden leerstehende Wohnungen "getarnt"

Darius Shafiei, Fraktionsvorsitzender der SPD im Ortsbeirat 4, bezweifelt jedoch, dass dies stimmt. "Das wäre mir zumindest neu", meint er. Das Haus hätte allerdings eine längere Hausbesetzer-Historie hinter sich. 

Sieghard Pawlik sagt: "Oft werden Häuser getarnt, in dem Klingelschilder an den Türen angebracht sind. Die Stadt und auch wir als Verein dürfen allerdings nicht beim Einwohnermeldeamt nachfragen, ob die entsprechenden Leute wirklich dort wohnen."

Weiter geht es in die Heidestraße. Diesem Haus ist kaum anzusehen, dass etwas im Inneren nicht stimmt. "Ich habe mit Nachbarn gesprochen, das mache ich immer so. Die haben mir bestätigt, dass das Haus seit Jahren leer steht", so Pawlik. 

Frankfurt: Eigentümer von leerstehenden Wohnungen überfordert

Doch warum lassen Eigentümer ihre Häuser einfach leerstehen und teilweise verkommen? "Manchmal gehören sie Firmen, die auf höhere Verkaufspreise spekulieren und keine störenden Mieter im Haus haben wollen", sagt der Experte. "Manchmal ist es auch einfach so, dass der Eigentümer mit der Verwaltung des Hauses und den Mietern völlig überfordert ist." 

Er selbst habe mal einen Besitzer mit dessen leeren Wohnungen konfrontiert, doch stellte sich heraus, dass dieser große Probleme mit dem Kanalisationsanschluss hatte und sich nicht zu helfen wusste. "Wir konnten helfen und jetzt sind die Wohnungen wieder vermietet", so Pawlik. Er könne jeden Frankfurter nur dazu aufrufen, bei Verdacht auf leerstehende Nachbarhäuser seinen Verein zu kontaktieren.

Von Niklas Mag

In Frankfurt gibt es zahlreiche leerstehende Wohnungen, nur wenige sind bekannt. 400 Adressen hat der Mieterbund Höchster Wohnen bislang gesammelt. Aber die Stadt hat keine Handhabe.

Die Bien-Ries AG gehört zu den fünf größten Wohnungsbauentwicklern in Frankfurt und wird im Jahr 2019 Wohnkonzepte in Niederrad mit mehr als 700 Wohneinheiten fertigstellen.

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