+
Große Gemeinschaftsflächen wie hier die Küche und im Hintergrund der Essbereich sind das Kernkonzept von Cubity, einer von der TU Darmstadt entwickelten Wohnform. Um Großräume herum haben die Studenten kleine Zimmer. Das Foto stammt von einem Cubity-Haus der Nassauischen Heimstätte in Niederrad. Vorteil: Die Wohnform kann in ehemalige Großbüroflächen integriert werden. Ein weiterer, aber viel zu seltener Versuch, der Wohnungsnot zu begegnen. 

Neue Negativrekorde bei Mietkosten 

Viele bleiben auf der Strecke: Wohnungsnot der Studenten immer prekärer

Wohnen wird für Studenten immer teurer. Frankfurt ist bei der Steigerung der Mieten für klassische Studentenbuden bundesweit ganz vorne dabei. Der Asta fordert eine neue Wohnraumpolitik.

Frankfurt - Kann denn Wohnen Luxus sein? Die Antwort ist: Ja. Für Studierende ist Wohnen in Frankfurt zunehmend unerschwinglich - wenn sie überhaupt eine Unterkunft finden. Die Zahl derjenigen, die zwar einen Studienplatz, aber keine feste Bleibe haben, nimmt zu. "Die Situation auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt wird fortwährend prekärer", sagt Kyra Beninga, Vorsitzende des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (Asta) an der Goethe-Universität.

"Neue Rekorde" bei den Wohnkosten melden jetzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und der Finanzdienstleister MLP in ihrem Studentenwohnreport. Dafür haben sie die Wohnkosten in 30 Universitätsstädten untersucht, am Beispiel Studentenwohnung mit 30 Quadratmetern, knapp zwei Kilometer von der Hochschule entfernt.

In Frankfurt zahlen Studenten 505 Euro Miete für 30 Quadratmeter 

505 Euro muss ein Student in Frankfurt laut der Studie für eine solche Wohnung zahlen - stolze acht Prozent mehr als im Vorjahr. Damit nimmt Frankfurt den zweiten Platz ein bei der Kostensteigerung. Deutlich günstiger lebt es sich in Magdeburg (251 Euro), Leipzig (278 Euro) und Bochum (287 Euro). Die mit 8,3 Prozent höchste Mietsteigerung machte die Studie in Darmstadt aus. Auf Platz drei und vier landeten Berlin mit 7,4 Prozent und Konstanz mit sieben Prozent. Unterdurchschnittlich stiegen die Mieten in Bremen (ein Prozent) und Magdeburg (1,4 Prozent).

Weil für die meisten Studierenden andererseits das Nettoeinkommen stagniert, werden viele der jungen Leute immer ärmer. Der zu diesem Wintersemester gestiegene Wohnzuschlag als Bestandteil des Bafögs reicht der Studie zufolge selbst als Höchstsatz (325 Euro monatlich) in mehr als zwei Dritteln der Städte nicht für die Miete einer Musterwohnung aus. 

Mieten in Frankfurt für Studenten immer teurer 

Entsprechend wohnen mittlerweile mehr junge Leute in oft auch nicht eben preiswerten Wohngemeinschaften - die Zahl stieg von 22 Prozent im Jahr 2003 auf zuletzt 31 Prozent - oder bei den Eltern (Anstieg von 22 auf 25 Prozent).

Laut Studie konkurrieren die Studierenden auf dem Wohnungsmarkt mit jungen Erwerbstätigen, Pendlern, Senioren. "Die Mietpreise sollten aber weder über die Aufnahme eines Studiums entscheiden, noch die Wahl regional und damit oft auch fachlich einschränken", warnt MLP. Kyra Beninga kennt die Not der Studierenden mit kaum mehr bezahlbaren Mieten. Sie berichtet von Andre, einem Kommilitonen aus Brasilien, der längere Zeit praktisch wohnungslos in Frankfurt war und bei einem Asta-Kollegen auf der Couch übernachtete.

Protest auf Campus Bockenheim in Frankfurt angekündigt 

"Kein Einzelfall", wie Beninga weiß. Ein Protest-Camp* vom 7. bis 11. Oktober auf dem Campus Bockenheim soll die Wohnungsnot sichtbar machen. Studenten ohne feste Bleibe können in der Aktionswoche kostenlos einen Schlafplatz im Studierendenhaus bekommen. Das Protest-Camp gibt es bereits seit 2011. Eine "langsam schon zur traurigen Tradition werdende Veranstaltung", so Beninga.

Die Vorstellung, dass Studenten in Wohnheimen günstige Unterkünfte finden, ist nach Erfahrungen der Asta-Vorsitzenden praktisch eine Illusion. Dabei bezieht sie sich auch auf die Wohnraumstatistik des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2018, der zufolge es lediglich für 6,95 Prozent der 80 000 Studierenden im Rhein-Main-Gebiet einen öffentlich geförderten Wohnheimplatz gab. Damit liege die Versorgungsquote noch unter dem niedrigen Bundesdurchschnitt von zehn Prozent. 

Bezahlbarer Wohnraum in Frankfurt wird immer knapper 

"Die Wartelisten sind enorm lang, und viele Studierende müssen auf überteuerte Mikro-Appartements privater Investoren ausweichen und Massenbesichtigungen mit 50 Mitbewerbern oder Staffelmieten hinnehmen", sagt Kyra Beninga. "Zudem müssen die Studierenden oft fünf oder sechs WG-Castings am Tag auf sich nehmen, bis sie ein WG-Zimmer gefunden haben. Eine strapaziöse und zuweilen auch sehr erniedrigende Tortur."

Diese Entwicklungen führen mit immer weiter steigenden Studentenzahlen zu einer dramatischen Verknappung von erschwinglichem Wohnraum und somit zu einer fortschreitenden Verdrängung von Studierenden aus der Stadt. Diesem Trend entgegenzuwirken und damit studentisches Leben zu erhalten und zu fördern, sollte laut dem Frankfurter Asta "höchste Priorität kommunaler und hessischer Wohnraumpolitik" sein. enz

Wohnen in Frankfurt: Nicht nur Studenten leiden 

Nicht nur Studenten mit ihrem zu geringen Bafög* und ihren sonstigen Job-Einkünften leiden unter dem verknappten und überteuerten Wohnungsmarkt in der Stadt. Ein durchschnittlich verdienender Frankfurter Single zum Beispiel hat ebenfalls so gut wie keine Chance, in der Stadt eine Wohnung zu finden, deren Miete er sich leisten kann. Denn die Wohnkosten in Frankfurt sind im Verhältnis zu den durchschnittlichen Einkommen aller Erwerbstätiger überproportional hoch.

Das zeigt eine Wohnungsmarkt-Studie, die das Frankfurter Immobilien- und Beratungsunternehmen Immoconcept am Mittwoch vorgestellt hat. Das Unternehmen hat untersucht, wie hoch die Einkommen eines Singles und eines Haushaltes aus zwei Erwerbstätigen und einem Kind sein müssen, die eine Wohnung suchen und höchstens 30 Prozent ihres monatlichen Verdienstes für Warmmiete ausgeben wollen. Für Familien rechnete Immoconcept die Kosten für eine mindestens 90 Quadratmeter große Wohnung, für Alleinlebende die für eine mindestens 40 Quadratmeter große Wohnung ein.

Frankfurt: Mieten steigen, Einkommen nicht genug 

Singles müssen der Studie nach netto mindestens 2000 Euro pro Monat, in teureren Stadtteilen mindestens 3000 Euro pro Monat verdienen, um sich solch eine Wohnung leisten zu können. Dabei lag das zugrunde gelegte durchschnittliche Nettomonatseinkommen der Frankfurter im Jahr 2016 gerade einmal bei 1807 Euro. Und die Einkommen sind seitdem nicht besonders stark gestiegen. 2017 lagen sie nach neuen Zahlen des statistischen Landesamts in Frankfurt bei 1845 Euro pro Monat. Damit liegen die verfügbaren Einkommen weiter unter dem hessischen Durchschnitt.

Nicht viel bessere Chancen, eine halbwegs bezahlbare Wohnung zu finden als Singles, haben Familien. Sie müssen der Studie nach über ein Netto-Haushaltseinkommen von mindestens 4200 Euro im Monat verfügen, um in Frankfurt eine ihren Ansprüchen genügende Wohnung zu finden. In teureren Lagen müssten sie dafür sogar mehr als 6000 Euro pro Monat verdienen.

Teure Mieten: Kauf einer Wohnung keine Alternative 

Wohnungen zu kaufen ist für Menschen, die in Frankfurt etwas suchen, allerdings auch keine echte Alternative. Denn die Preise sind in den vergangenen Jahren noch stärker gestiegen als die Mieten, haben sich in noch höherem Maß von der Einkommensentwicklung abgekoppelt. Von 2007 bis 2019 sind die Kaufpreise pro Quadratmeter nach Angaben von Immoconcept um 135 Prozent gestiegen. Die Mieten wuchsen in diesem Zeitraum um 48 Prozent. Für die Bruttolohneinkommen nennt das Unternehmen einen Anstieg von 25 Prozent.

Die Folge: Immer mehr Frankfurter ziehen ins Umland - und sorgen damit für einen Dominoeffekt: Denn auch dort steigen die Mieten und Preise stark an. So kosten laut Immoconcept nun auch im lange sehr günstigen Offenbach Bestandswohnungen im Schnitt mehr als zehn Euro Miete pro Quadratmeter. Die Mieten sind innerhalb von zehn Jahren um fast 50 Prozent gestiegen. Für neue Wohnungen werden im Schnitt bereits 12,60 Euro pro Quadratmeter verlangt. Noch gravierender ist die Entwicklung bei den Kaufpreisen. Die sind im selben Zeitraum sogar um 118 Prozent gestiegen. Bestandswohnungen kosten in Offenbach inzwischen 3070 Euro pro Quadratmeter, neue Wohnungen 4320 Euro.

Prognose: Mieten in Frankfurt werden weiter steigen 

Und der Anstieg der Preise und Mieten in Frankfurt - und dann auch im Umland - dürfte sich fortsetzen. Dafür spricht für Immoconcept etwa, dass die Zinsen für Baukredite immer noch sehr niedrig sind und die Nachfrage stark ist. Die ist zu einem inzwischen großen Teil von internationalen Kapitalanlegern getrieben, die sich etwa Hochhauswohnungen kaufen. Alleine im Grand Tower seien 200 Einheiten von ausländischen Käufern erworben worden, hieß es gestern. enz/cm


*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare