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Die Baustelle stellt das Leben der Bewohner der Fritz-Kissel-Siedlung gehörig auf den Kopf: Sie berichten von Baulärm und schlechter Kommunikation mit der Nassauischen Heimstätte.

Nassauische Heimstätte (NH)

Miet-Albtraum in Frankfurt: Bewohner frieren in Baustellen-Chaos

  • vonStefanie Wehr
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Die Aufstockung von Mehrfamilienhäusern der Nassauischen Heimstätten in Frankfurt wird mehr und mehr zum Chaos. Die Mieter frieren und leiden unter massiven Baulärm. 

Frankfurt - Die Aufstockung der Fritz-Kissel-Siedlung in Frankfurt-Sachsenhausen ist weiterhin ein Albtraum für viele Mieter an der Breslauer Straße. „Die Zustände auf der Baustelle sind völlig chaotisch, es wird immer schlimmer“, sagt ein Anwohner, der nicht mit Namen genannt werden will. Der Baulärm sei durchgehend von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends zu hören, auch samstags seien Bauarbeiter am Werk oder arbeiteten in den Kellern, schildert der Mieter.

Zudem gebe es Probleme, die nicht schnell genug behoben würden. Das Dach des Hauses Breslauer Straße 6 und 8 etwa, hat als einziges der 14 Gebäude, die mit Holzmodulen aufgestockt werden, ein Betondach. Bei den anderen Häusern blieb nur eine dünne Schicht des Dachs erhalten. In diesen Gebäuden gab es im Herbst aber auch Probleme: Die Planen auf dem Dach waren undicht und es regnete in dem Gebäudekomplex in Frankfurt Sachsenhausen hinein. Die Bewohner der obersten Wohnungen sollen sich aus Sicherheitsgründen tagsüber während der Bauphase nicht zu Hause aufhalten sollen. Sie bekommen Hotelzimmer gestellt.

Mieter in Frankfurt am Limit: Nassauische Heimstätten sehen nicht den Ernst der Lage

Nicht so bei den Mietern in der Hausnummer 6 und 8. Wegen des dickeren Betondachs kündete die Nassauische Heimstätte (NH) an, eine Ausquartierung ins Hotel sei nicht nötig. Seit das Dach aber abgetragen wurde, frieren die Bewohner in ihren Wohnungen, die sich auf höchster Heizstufe nicht wärmer als auf 21 Grad heizen lassen, schildert der Anwohner.

„Nachts war es noch schlimmer, da die Heizung im Schlafzimmer so klein ist. Vergangene Woche war es nachts 15 Grad kalt. Wir sind mit Kopfschmerzen von der Kälte aufgewacht.“ Ärgerlich daran sei, dass zu dem Zeitpunkt unklar war, wie lange der Zustand andauern würde. „Eine Mitarbeiterin auf der Baustelle hat gesagt, die Lieferung der Holzmodule erfolgt nicht nach Plan“, so der Mieter. „Wenn das bekannt ist, warum reißen sie dann den Leuten schon jetzt das Dach über dem Kopf weg? Das ist doch planlos und chaotisch.“

Miet-Albtraum in Frankfurt: Bauschutt, Geräte und Müll versperren den Weg

Eine telefonische Anfrage der Anwohner bei der NH blieb tagelang unbeantwortet. Am fünften Tag nach der Anfrage schrieb er nochmals an die Verwaltung. Daraufhin kam der Bauleiter vorbei und brachte drei mobile Heizgeräte. „Er war zerknirscht, dass alles so holprig verläuft“, erinnert sich der Anwohner, der jetzt hofft, nicht auf den Heiz- und Stromkosten sitzen zu bleiben. Denn für Nebenkosten sei keine Mietminderung vorgesehen.

Die Bauleitung habe zuvor bei Nachbarn auf Fragen oder Kritik an der Baustelle meist unfreundlich reagiert. „Man wird für dumm verkauft und fühlt sich behandelt wie ein Mensch zweiter Klasse“, sagt der Anwohner. Die Kommunikation mit der NH laufe generell seit Beginn der Aufstockungsarbeiten in der Fritz-Kissel-Siedlung in der Fritz-Kissel-Siedlung schlecht.

Ein weiteres Ärgernis sei es, dass die Wege und Grünflächen wochenlang voller Bauschutt, Geräte, Müll auch von den Bauarbeitern lagen, die Bauzäune standen ungeordnet herum. Ältere Bewohner wagten sich kaum noch vors Haus, aus Angst, über etwas zu stürzen. „Wenn ich morgens bei Dunkelheit das Haus verlasse, taste ich mich nach draußen, weil man nie wissen kann, wo Gegenstände im Weg herumstehen.“

Mieter der Nassauischen Heimstätten am Limit: Baulärm von morgens bis abends

„Die Baustelle in der Fritz-Kissel-Siedlung ist anspruchsvoll und eine außergewöhnliche Situation für unsere Mieter, das ist uns bewusst“, räumt auf Anfrage ein Sprecher der NH ein. „Wir achten gerade deshalb besonders auf Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung auf der Baustelle. Alle Zugangswege zu den Gebäuden sind begehbar, mit Bauzäunen abgesichert.“ Die Mitarbeiter hätten „ein offenes Ohr für die Anliegen der Mieter und können jeden Tag von 7 bis 18 Uhr persönlich vor Ort angesprochen werden.“

Temporär könne es „zu Verschmutzungen kommen, die wir routinemäßig mit einer von uns beauftragten Firma beseitigen“. Auf die Frage, warum entgegen der Ankündigung auch nach 18 Uhr noch gearbeitet werde, heißt es: „Die Arbeiten finden zwischen 7 und 18 Uhr statt, in Randbereichen erfolgen vor- und nachbereitende Arbeiten, etwa um die Dächer abzudichten oder die Baustelle aufzuräumen. Der Samstag wird üblicherweise zur Arbeitsvorbereitung der nächsten Woche genutzt.“ Der Zeitplan habe sich wegen anfänglicher Schwierigkeiten insgesamt nach hinten verschoben. „Derzeit liegen die Bauarbeiten im Zeitplan.“ Ab dem 11. Januar sollen die Arbeiten im Ziegelhüttenweg beginnen. (Stefanie Wehr)

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