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So sieht es in der Coventrystraße 55-57 in Frankfurt immer wieder aus. Schuld ist natürlich, wer den Sperrmüll hinwirft. Aber: Bei möglichen Lösungen werden sich die Vertreter der Ämter nicht einig.

Frankfurt-Nied

Müll-Chaos im Viertel: „Ganze Wohnungseinrichtung“ auf der Straße

In Frankfurt hat eine Bürgerin genug. Der Grund: Die Straße in Nied, in der sie lebt, ist völlig zugemüllt. Ihr Vermieter sieht keinen Handlungsbedarf.

  • In Frankfurt gibt es Ärger über den Zustand der Dürkheimer Straße.
  • Eine Mieterin erhebt schwere Vorwürfe gegen den Vermieter.
  • Ein Sprecher der Wohnbaugesellschaft ABG Frankfurt sieht das anders.

Frankfurt - "Es darf nicht sein, dass die Dürkheimer Straße zu einem Ghetto verkommt!" Es sind drastische Worte, die Mirjana Massieu für die Situation in ihrer Nachbarschaft findet. Seit knapp 40 Jahren wohnt die 55-jährige Frau hier. Müllhaufen vor den Häusern und auf den Gehwegen ihrer Wohnstraße in Frankfurt-Nied sind nach ihren Worten seit langem ein vertrauter Anblick, aber in letzter Zeit, hat sie beobachtet, ist es noch schlimmer geworden. 

Schon, wenn man in die benachbarte Alzeyer Straße einbiege, sagt sie, beginne das Chaos. Besonderer Dorn im Auge sind ihr die regelmäßigen Abfallansammlungen auf einer Fläche vor ihrem achtstöckigen Hochhaus. "Legt da einer etwas hin", schildert sie, "kann man sicher sein: Am nächsten Tag liegt da schon eine ganze Wohnungseinrichtung."

Frankfurt: Fotos dokumentieren die Schandflecke - und den Müll

In vielen Fotos hat sie die Schandflecke vor dem Haus und in der Straße dokumentiert: Zu erkennen sind auseinandergenommene Betten, Schränke, ausrangierte Telefonanlagen, Farbeimer und eine Kinderwippe. Mieter des Hauses, aber auch Menschen aus der Umgebung seien es, die ihr Gerümpel einfach abstellen. Mit ihren Hinweisen auf den Missstand stoße sie bei den Vermietern, der Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding, auf taube Ohren. Da sie auf Kommunikation setze, habe sie das Wohnheim gebeten, einen mehrsprachigen Aushang zu machen. Dort habe sie nur zu hören bekommen, der FES sei in der Pflicht - der städtische Müllentsorger wiederum habe sie an den Vermieter verwiesen.

Der Kleidercontainer ist aufgebrochen, der Inhalt verstreut.

Frankfurt: Müll wird laut ABG-Sprecher monatlich entfernt

"Für die Dürkheimer Straße 39", erklärt ABG-Sprecher Klaus Oehm, gelte die sogenannte "Siedlungsabfuhr". Das bedeute, das Objekt werde monatlich zu feststehenden Terminen von der FES angefahren. Individuelle Termine per Mieter-Anruf würden von dem FES deshalb dort nicht angeboten. Der Müllplatz, berichtet Oehm, befinde sich direkt an der Grundstücksgrenze zum öffentlichen Gehweg. "Wir können nur Ablagerungen entfernen lassen, die sich auf unserem Eigentum befinden." Ansonsten müsse man den Müll der Stadt melden.

Die ABG habe dennoch mehrfach auch Sperrmüll auf eigene Kosten entfernt, der auf dem Gehweg, also in städtischer Zuständigkeit gelegen habe. Der habe, wie ein ABG-Mitarbeiter in einer E-Mail am 19. März gegenüber der Stabsstelle "Sauberes Frankkurt" beklagte, sogar die Feuerwehr-Einfahrt zum Wohnhaus versperrt.

Müll auf der Straße in Frankfurt: „Unsere Mieter sind informiert“

Das Versäumnis, seine Mieter nicht genügend über die Regeln der Müllentsorgung zu informieren, bestreitet Klaus Oehm: "Unsere Mieter werden über den Modus der Siedlungsabfuhr und die anstehenden Termine per Aushang im Eingangsbereich des Hauses informiert", sagt er. Auch hätten alle im Haus das mehrsprachige Faltblatt der FES zur Siedlungsabfuhr erhalten.

Am Donnerstag (16.04.2020) sollen die Müllberge in der Dürkheimer nach Auskunft von FES-Sprecher Stefan Röttele beseitigt sein - dann ist der reguläre Abfuhrtermin der FES. "Das ist nur von kurzer Dauer", fürchtet indes Mirjana Massieu und kündigt an: "Ich werde das im Auge behalten." 

Von Michael Forst


Frankfurter Entsorgungsbetriebe (FES) sehen trotz Kontaktbeschränkungen weiterhin viel Dreck im öffentlichen Raum. Viele nutzen die Corona-Krise zum Frühjahrsputz und Entrümpeln. Social-Media-Idee soll Aufklärung bringen. 

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Ein ähnliches Problem mit Müll hat der Hochtaunuskreis: In der Corona-Krise sind viele Menschen in der Natur unterwegs – und hinterlassen mehr Müll an beliebten Ausflugszielen. Aber auch Sperrmüll und Bauschutt werden illegal entsorgt.

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