+
25 Millionen statt 16,3 Millionen Euro kosteten die U-Bahn-Stationen in der Eckenheimer Landstraße.

Nicht nur das städtische Klinikum wird viel teurer als ursprünglich geplant

Wo Frankfurt die Millionen vergräbt

Im Römer gibt es ein geflügeltes Wort: Immer wenn die Stadt Frankfurt baut, wird es besonders teuer. Und meist kostet es auch viel mehr als geplant. Jüngstes Beispiel: Der Neubau des städtischen Klinikums Höchst, dessen Kosten von 173 Millionen Euro auf 286 Millionen Euro steigen. Doch das Budget wurde in jüngster Zeit auch bei vielen anderen Projekten überschritten.

Frankfurt. Es lebe der Sport! Besonders teuer ist uns Deutschen der Fußball. Das Stadion am Bornheimer Hang hat mit einer Kostensteigerung um 566 Prozent die größte Kostenexplosion der jüngeren Frankfurter Baugeschichte zu verzeichnen. Als die Planungen begannen, spielte der FSV Frankfurt viertklassig in der Oberliga Hessen. Entstehen sollte ein regionalligataugliches Stadion für 4,5 Millionen Euro. Der kometenhafte sportliche Erfolg des FSV, der bis in die zweite Bundesliga führte, überholte alle Planungen. Die Auflagen der Deutschen Fußball-Liga wurden von Liga zu Liga höher und damit wurde das Stadion teurer. Beim Bau wurden Altlasten entdeckt, wegen der nahen Autobahn gab es Problem mit dem Flutlicht und anderes mehr. Am Ende standen 30 Millionen Euro Kosten. Dafür ist das Stadion noch nicht einmal komplett überdacht.

Ein anderes Beispiel: Für die neue Altstadt wurden im Jahre 2010 noch 104 Millionen Euro veranschlagt. Der aktuelle Kostenstand beträgt 196 Millionen Euro – eine Kostensteigerung um 88 Prozent. Ein Grund dafür waren unter anderem Umplanungen.

Das trifft auch für den Neubau des Historischen Museums zu, der jetzt 52,8 Millionen Euro statt der veranschlagten 46 Millionen Euro kostet. Ursache für die Steigerung um 15 Prozent, sind die Reste des alten Hafens, die bei den Arbeiten gefunden wurden und die in das Museum integriert werden.

Besonders anfällig für Mehrkosten ist der öffentliche Nahverkehr: Die Hochbahnsteige an der Eckenheimer Landstraße wurden nicht nur nicht rechtzeitig fertig, sondern auch deutlich teuer. Auf rund 25 Millionen Euro summieren sich am Ende die Rechnungen – 8,7 Millionen Euro oder 50 Prozent mehr als zuletzt kalkuliert. In der Folge musste der langjährige VGF-Geschäftsführer Michael Budig vorzeitig gehen. Die Kosten für den barrierefreien Umbau von drei Straßenbahnhaltestellen in der Hanauer Landstraße verdoppeln sich auf drei Millionen Euro.

Um wesentlich mehr Geld geht es bei Großprojekten. Die U-Bahn ins Europaviertel kostet voraussichtlich 281 Millionen Euro – 73 Prozent mehr als noch vor einigen Jahren angenommen. Grund dafür ist vor allem das aufwendige Bauverfahren, für das eine eigenen Tunnelbohrmaschine konstruiert werden muss.

In einer ähnlichen Größenordnung bewegt sich die Kostensteigerung bei der S-Bahn-Station Gateway Gardens . Rund 260 Euro soll das Projekt mittlerweile kosten, für das die gesamte Strecke zwischen Stadion und Flughafen verlegt werden muss. Vor einigen Jahren lag die Schätzung noch bei 146 Millionen Euro.

Vor Überraschungen ist man auch bei Straßentunneln nicht sicher: Die Sanierung des Theatertunnels kostete 9,2 Millionen Euro statt 5,7 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg um 61 Prozent.

Schulsanierungen werden in Frankfurt regelmäßig teurer als geplant. Besonders drastisch war es vor einigen Jahren beim Goethe-Gymnasium : Von 6,9 Millionen auf 12,3 Millionen Euro kletterten die Kosten – eine Steigerung um satte 78 Prozent.

Zu viel Geld ausgeben kann die Stadt aber auch bei kleineren Projekten: In keiner Kita in Frankfurt waren die Baukosten pro Platz so teuer wie in der zweigruppigen Kita Hexenhäuschen im Nordend. 50 000 Euro kostete ein Kita-Platz am Ende. Normalerweise veranschlagt das Baudezernat zwischen 36 000 und 45 000 Euro pro Platz 2,1 Millionen Euro kostete das Gebäude insgesamt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare