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Vom Rockstar zum Designer: Frankfurter Profimusiker entwirft Mode mit regionalem Bezug

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Von: Michelle Spillner

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ÄPLWOI und GRISOß: Frankfurter Kultur bringt Daniel Arncken auf T-Shirts, Pullover sowie Flip Flops und präsentiert sie hier auf dem Römerberg.
ÄPLWOI und GRISOß: Frankfurter Kultur bringt Daniel Arncken auf T-Shirts, Pullover sowie Flip Flops und präsentiert sie hier auf dem Römerberg. © Michelle Spillner

Profimusiker Daniel Arncken entwirft und vertreibt Shirts, Pullover, Kappen und Flip Flops mit Frankfurt-Motiven.

Frankfurt – Handkäse, Grüne Soße, Äppelwoi, Bembel, der Ginnheimer Spargel - all das gehört zu Frankfurt, und all das schmückt auch die Kollektion von Daniel Arncken. Eigentlich ist der 42-Jährige hauptberuflicher, professioneller Schlagzeuger und Sänger in der erfolgreichen Tote-Hosen- und Ärzte-Cover-Band "Alex im Westerland". Doch während der Pandemie wurde er zum Designer von "Gude Klamodde", um nicht im "Corona-Hartz" hängen zu bleiben, wie er die Pandemie-Unterstützung des Staates für Künstler bezeichnet.

Normalerweise wäre er jetzt gerade in den Proben und Vorbereitungen für einen Auftritt in Koblenz. Abgesagt, wie die meisten der jährlich etwa 70 Auftritte seit zwei Jahren. Erst kamen die Lockdowns, dann Zuschauerbeschränkungen. Und jetzt lässt sich selbst die erlaubte reduzierte Anzahl der Plätze unter 2G-Regeln nicht füllen, weil die Leute nicht kommen, aus Angst vor Ansteckung. Ein faktischer Lockdown.

Bis zum Beginn der Pandemie waren Arncken und seine drei Bandkollegen deutschlandweit unterwegs, in Frankfurt haben sie das "Nachtleben" und die "Batschkapp" gefüllt und sogar vor 20.000 Fans im Stadion gespielt. Seit Beginn der Corona-Pandemie lassen sich die Konzerte eines Jahres an zwei Händen abzählen.

Profimusiker aus Frankfurt setzt auf lokale Motive: Ein Ladengeschäft braucht Daniel Arncken nicht

In der Pandemie hilft es auch nicht, euphorisch gefeierter Finalist des größten deutschen Coverbandcontests "Hessen rockt" gewesen zu sein. Keine Auftritte, kein Geld, aber auch Entschleunigung und ein bisschen mehr Zeit. "Was ich wirklich sagen muss: Es tut gut, nach zehn Jahren mal auf 20 Prozent runterzufahren, das ist gut für die mentale Gesundheit. Jeder, der eine Firma zehn Jahre lang durchgeboxt hat, wie wir, sollte mal runterfahren. Aber freiwillig macht man das ja nicht", sagt Daniel Arncken.

Und jetzt, mit dem Kostendruck im Rücken und einer unklaren Zukunft mit Existenzsorgen vor Augen, lässt sich die unfreiwillige Untätigkeit nicht wirklich genießen.

Deshalb blieb Daniel Arncken nicht untätig, sondern überlegte sich: "Was geht?" Und das ging: Kleidung, Kappen und Flip Flops selbst designen, produzieren und zum Verkauf anbieten. Und zwar am besten mit einem minimalen eigenen wirtschaftlichen Aufwand, ohne finanzielles Risiko, ohne Ladengeschäft und Lager.

Das funktioniert über das Kölner Startup "Shirtee", eine weltweite Online-Kreativplattform für selbstgemachte Kleidung und Accessoires. Shirtee bietet eine Auswahl an neutralen, unbedruckten Produkten. Jeder kann sich dort seine individuellen Stücke designen und bestellen, oder eben auch dort eingebettet einen eigenen Shop eröffnen und die eigenen Kreationen über die Plattform vertreiben.

Profimusiker aus Frankfurt designt nun T-Shirts: Am Anfang stehen die Idee, das Design und die Umsetzung

Produziert werden die Designerstücke als "Print on demand" erst nach Bestellung und dann innerhalb weniger Tage von Köln aus verschickt. Arncken muss nur noch Werbung in Social Media machen, am Ende des Monats die Verkaufszahlen seines Shops www.frankfurt-shirts.de checken und sich seine Marge ausbezahlen lassen.

Wobei: "Nur noch" trifft es nicht ganz. Am Anfang stehen die Idee, das Design und die Umsetzung der Gestaltung. Mehr als 100 Designs hat Daniel Arncken entwickelt, alleine jeweils drei für 25 Frankfurter Stadtteile und dazu Frankfurt-Designs. Er setzt aufs Lokale, will Frankfurter Kultur abbilden mit ihrem ein wenig hemdsärmeligen Charme.

Einen großen Wiederkennungswert haben die reduzierten Schriftzüge auf Shirts, Pullovern, Kappen wie "ÄPLWOI", "GRISOß", "SXNHSN" für Sachsenhausen oder auch "HDRNHM" für Heddernheim. Arncken lässt auf die Oberteile blaue Bembel und Abbildungen von Handkäs', den Ginnheimer Spargel, das Frankfurt-Wappen, Rippchen in verschiedenen Ausführungen drucken oder auch typische Frankfurter Sprüche wie "EIGUDEWIE" und "Babbel mich net voll". " EFF EFF EM" oder "069", "das ist doch schon mal ein Statement, mehr braucht es nicht", sagt er lachend.

Profimusiker aus Frankfurt setzt auf lokale Motive: Daniel Arncken schaut entspannt in die Zukunft

Eine Fangemeinde haben bereits seine Bembeletten oder die Spargiletten: Flip Flops mit Bembel-und Fernsehturmaufdruck. "Ich bin hier in Frankfurt geboren, ich lebe hier und ich kenne die Frankfurter und ihre Mentalität. Und das, woran einem am meisten liegt, wofür man eine Leidenschaft hat, das funktioniert auch", sagt er.

Man muss also kein Star-Designer sein, um Mode zu machen. Man muss ja auch nicht unbedingt Musik studieren oder Rockstar sein, um Profimusiker zu werden. "Das dachte ich aber lange", gesteht er. Mit 14 hat er angefangen Schlagzeug zu spielen, nach der Schule eine Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien gemacht, dann Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert, Erst mit 29 hat er sich für den Hauptberuf des Musikers entschieden.

Und er ist zuversichtlich: "Meine Zukunft sehe ich entspannt. Früher oder später wird es wieder mit der Musik losgehen." Über originelle Bühnenoutfits brauchen sich Arncken und Bandkollegen dann zumindest keine Gedanken zu machen. (Michelle Spillner)

Auch die Frankfurter Society-Lady Ayfer Arslan suchte durch die Corona-Pandemie nach Veränderung im Leben und hat sie gefunden: Sie hat ihren Laden im Reuterweg, ein Geschäft über zwei Stockwerke mit mehreren Hundert Quadratmetern Fläche, verlassen und ist nach Seckbach gezogen.

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