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Der Moderator, Sprecher und Blogger Daniel R. Schmidt (37) aus Frankfurt legt täglich 10.000 Schritte zurück. Damit tut er sich etwas Gutes und will der Krankheit Depression den Makel nehmen. 

#5MSchritte

Mit einer Challenge gegen Depression: Moderator aus Frankfurt macht anderen Betroffenen Mut

Moderator Daniel R. Schmidt aus Frankfurt leidet an Depressionen. Er kämpft gegen die Stigmatisierung der Erkrankung – mit der Challenge #5MSchritte. 

  • 2016 macht Daniel R. Schmidt seine Erkrankung öffentlich: Depression 
  • Jetzt hat der Medienmacher aus Frankfurt-Dornbusch eine besondere Aktion gestartet
  • Er will in 500 Tagen fünf Millionen Schritte laufen, um ein Zeichen zu setzen

Frankfurt – Wenn Daniel R. Schmidt (37) die U-Bahn nutzen will, geht er von seiner Wohnung im Dornbusch normalerweise 650 Meter zur Station in der Hügelstraße. Seit einigen Wochen nimmt er einen längeren Weg - etwa zur Station Am Lindenbaum. Das hängt mit seinem Projekt "#5MSchritte" zusammen, über das der Moderator, Sprecher und Blogger täglich im sozialen Netzwerk Twitter schreibt: Seit 12. November 2019 macht er täglich mindestens 10 000 Schritte. 500 Tage will er das durchhalten. Macht fünf Millionen Schritte. Und zwar nicht zum Spaß, sondern um ein Zeichen zu setzen - gegen die Stigmatisierung von Depression.

Frankfurt: Moderator Daniel R. Schmidt fordert sich selbst heraus

Von der Erkrankung ist der 37-Jährige selbst betroffen, was er vor vier Jahren in einem Zeitungsartikel öffentlich machte. Ein mutiger Schritt, der sich für ihn nicht nur positiv auswirkte. Einige Bekannte hätten sich zurückgezogen, wohl aus Unsicherheit und Überforderung. Auch manche beruflichen Verbindungen seien auf der Strecke geblieben. Dennoch bereue er seine Offenheit nicht: "Irgendwo muss der Anfang gemacht werden, damit sich etwas ändert." Auch wenn's wehtut. 

Sein jetziges Projekt der 10.000 Schritte behielt der gebürtige Frankfurter erst einmal trotzdem für sich. Zumal es sich eher zufällig ergeben habe, sagt er. Das hängt mit dem Smartphone zusammen, das er sich im vergangenen Jahr zugelegt hatte. Irgendwann entdeckte er, dass auf dem Gerät ein Schrittzähler installiert ist. Und erschrak, als er feststellte, dass er pro Tag höchstens auf 2500 bis 3000 Schritte kam.

Aus seinem Sportbusiness-Management-Studium weiß er, dass Gesundheits-Experten mindestens doppelt so viele empfehlen. "Das muss sich ändern", beschloss er. Dabei entsann er sich einer Hausarbeit, die er vor Jahren geschrieben hatte: über die Frage, ob 10.000 Schritte pro Tag das Stressempfinden von Studenten senken. Warum das nicht einfach selbst ausprobieren?

Moderator aus Frankfurt berichtet über Thema Depression 

Um sich eine langfristige Perspektive zu geben, legte er für sich fest, dass das nicht nach Lust und Laune geschehen sollte, sondern täglich - 500 Tage lang. So marschierte er an jenem 12. November los. Mal in der Mittagspause durch die Straßen nahe des Zoos, wo sein Büro liegt. Mal abends, nach der Arbeit, ziellos durch irgendwelche Straßen. Oder an der Nidda entlang. Immer dabei: ein Fitnesstracker an seinem Arm, der die Zahl seiner Schritte misst. Vor einigen Wochen schrieb er erstmals auf seinem Twitter-Account von seinem Vorhaben und erhielt jede Menge Zuspruch.

Seitdem berichtet er täglich über das Projekt. Teilt mit seinen Followern seine Gedanken über das Thema Depression. Erzählt davon, welche Disziplin es erfordert, sein Ziel jeden Tag aufs Neue zu erreichen. Auch dann, wenn es stürmt und ihm der Regen ins Gesicht peitscht. Oder wenn er sich müde und kaputt fühlt und sich eigentlich nur aufs Sofa verkriechen möchte. Doch er beißt sich durch.

Selbst durch einen E-Scooter-Unfall im Dezember, in dessen Folge ihn eine schmerzhafte Schleimbeutelentzündung am linken Knie plagte, ließ er sich nicht aus dem Konzept bringen. In kleinen Trippelschritten schleppte er sich damals durch seine Tages-Etappen - und ist stolz darauf, dass seine Serie immer noch hält: "Das gibt mir ein gutes Gefühl." Zumal er sich durch die tägliche Bewegung ausgeglichener fühlt als früher. "Mir persönlich hilft das sehr".

Frankfurt: Daniel R. Schmidt will anderen Leuten Mut machen

Mittlerweile sind die ersten 100 Tage vorbei, und die erste Schritte-Million ist geschafft. Auch erste Nachahmer hat er gefunden, die ähnliche Vorhaben verfolgen und darüber ebenfalls in sozialen Netzwerken berichten. Eine Frau habe ihm geschrieben, dass sie ihren Arbeitskollegen von seinem Projekt erzählt habe - und dass sie mit diesen nun am J.-P.-Morgan-Lauf in Frankfurt teilnehmen wolle: "Das ist doch toll, wenn ich anderen Leuten Mut machen kann." In Sachen Schritt-Menge liegt er sogar 25 Prozent über seinem Soll. Ob er die Zahl von fünf Millionen am Ende tatsächlich erreicht? Eigentlich sei das egal, sagt er: "Wichtig ist, dass ich was für mich getan habe." Und: "Jeder Schritt ist ein Erfolg."

Immer mehr Menschen in Deutschland sind von Depressionen betroffen. Doch wann ist  eine generelle Niedergeschlagenheit tatsächlich eine Krankheit.

Um an Depression erkrankten Patienten zu helfen, will die Psychiatrie  der Uniklinik Frankfurt ihre Inneneinrichtung ändern. 

Von Brigitte Degelmann

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