Der Mönch will, dass Reiner Schad, der als Obdachloser in Frankfurt lebt, nachts seinen Platz verlässt. (Archivbild)
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Der Mönch will, dass Reiner Schad, der als Obdachloser in Frankfurt lebt, nachts seinen Platz verlässt. (Archivbild)

Obdachlosigkeit

Mönch aus Frankfurt will stadtbekannten Bettler vertreiben

  • Vincent Büssow
    VonVincent Büssow
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Ein Mönch aus Frankfurt kämpft dafür, dass ein bekannter Obdachloser seinen Platz räumen muss. Die Hintergründe des Streits im Überblick.

Frankfurt – Wer sich öfter im Stadtzentrum Frankfurt aufhält, kennt ihn mit Sicherheit schon. Er sitzt auf der Liebfrauenstraße und hat ein Arrangement aus Spielzeugen um sich herum aufgebaut, das jeden Blick auf sich zieht. Der Obdachlose „Eisenbahn-Reiner“ hat eine Sondergenehmigung für seinen Standort, und das schon seit fünf Jahren. Doch jetzt wird ihm genau dieser streitig gemacht, und das ausgerechnet von einem Mönch der anliegenden Liebfrauenkirche, wie fr.de berichtete.

Die Rede ist von Bruder Paulus Terwitte. Schon seit 1998 setzt sich der Mönch für Obdachlose in Frankfurt ein, trotzdem will er, dass Reiner seinen Platz verlässt. Die Debatte ist keineswegs neu. Schon im Jahr 2016 ging die Stadt Frankfurt, auf Betreiben von Terwitte, gegen den Obdachlosen vor. Nach einer Welle an Protesten wurde das Verfahren allerdings eingestellt und stattdessen eine Sondergenehmigung ausgestellt. Laut dieser darf „Eisenbahn-Reiner“, der eigentlich Reiner Schad heißt, tagsüber mit seiner Ausstellung im Miniaturformat in der Liebfrauenstraße bleiben. Abends muss er den Platz allerdings räumen.

Bruder Paulus ist Mönch in der Liebfrauenkirche und setzt sich für Obdachlose in Frankfurt ein. (Archivbild)

Frankfurter Mönch gegen Verbleib von Obdachlosem: „Ungerecht und entwürdigend“

So die offizielle Regelung, auf die sich auch der Mönch Terwitte bezieht. Die Verantwortlichen in der Stadt Frankfurt sehen das Ganze aber nicht so eng: „Ich wundere mich schon, dass ein Frankfurter Pater nichts Besseres zu tun hat, als einem Obdachlosen ständig die Ordnungspolizei auf den Hals zu hetzen“, sagt der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Der Kapuzinermönch selbst hingegen sagt fnp.de auf Nachfrage, dass die Ausnahmeregelung der Stadt zum eigentlichen Problem für Reiner Schad sowie andere Obdachlose werden kann: „Wie soll denn dieser Mann merken, dass er Mitglied der Gesellschaft ist? Das ist ungerecht und entwürdigend.“

„Liebe braucht Ordnung, nur dann kann sich jemand entwickeln.“ So beschreibt Terwitte seinen Grundsatz, nach dem er auch bei der Debatte um Reiner Schad agiere. Der Mönch erhält im Übrigen am Freitag (16.07.2021) das Bundesverdienstkreuz für seine Arbeit mit Obdachlosen. Dennoch setzen sich andere in der Szene engagierte gegen die Beschwerden von Bruder Paulus ein: Schon jetzt sind weitere Aktionen geplant, um für den Verbleib von „Eisenbahn-Reiner“ vor der Liebfrauenkirche zu demonstrieren. (vbu)

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