Der Wahl-Frankfurter Tim Boltz macht einen sehr erfolgreichen Podcast über Mordfälle in Fulda. foto: sauda
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Der Wahl-Frankfurter Tim Boltz macht einen sehr erfolgreichen Podcast über Mordfälle in Fulda.

Krimi-Autor

Frankfurt: Mord ist sein Hobby

  • vonEnrico Sauda
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Alte Kriminalfälle haben es dem Frankfurter Schriftsteller Tim Boltz angetan. In seinem Podcast berichtet er mal von Hexenverbrennung, mal vom Kannibalen von Rotenburg - und immer von Mord und Totschlag.

Seit mehr als 20 Jahren lebt und arbeitet Schriftsteller Tim Boltz in Frankfurt. Mehr als ein Dutzend Romane und Sachbücher entspringen der Feder des Bestsellerautors. Nun stammt der 46-Jährige aus Fulda und in seine Heimat zieht es ihn immer wieder. Dort traf er Shaggy, der in Wahrheit Michael Schwarz heißt, der fürs Kulturzentrum arbeitet, die Veranstaltungen dort plant. "Da hatte ich natürlich öfter mit ihm zu tun, weil er mich gebucht hat", so Tim Boltz, der mit bürgerlichem Namen Zeno Dengelmann heißt.

Shaggy macht Podcasts - unter anderem über Wrestling, aber auch über Kultur. "Nach einem Interview mit mir fragte er, ob ich nicht Bock hätte, mit ihm einen Podcast zu machen." Boltz hatte Bock. Und nach kurzer Suche fanden sie ein Thema, das einen Bezug zu Fulda hatte: einen Podcast über alte Fuldaer Kriminalfälle. Krimi-Autor Boltz recherchiert die Fälle. Manchmal verfolgen sie ihn bis in seine Träume. Etwa der des Kannibalen von Rotenburg. "Da habe ich geträumt, dass er neben mir im Auto saß. Ich habe ihn interviewt und er sagte: So, das Interview ist jetzt dann wohl zu Ende."

Der Podcast, der zwischen einer halben und einer Stunde dauert, geht durch die Decke. Dabei reicht die Bandbreite von der Hexenverbrennung bis zu Taten aus den 1950er bis 1980er Jahren. "Da gibt es erschreckend viele - nicht nur, aber hauptsächlich Morde", so Boltz. "Wir haben uns auch mit der Entführung des Tegut-Chefs Wolfgang Gutberlet in der 70er Jahre befasst, die für viele andere Entführungen eine Blaupause war", erzählt Boltz. Ebenfalls zu hören: Der Doppelmord an Melanie und Karola, die von ihrer Mutter Monika Weimar umgebracht wurden, die dafür 15 Jahre im Gefängnis saß.

"Ungefähr ein Drittel der Fälle, mit denen wir uns befassen, sind ungelöst." Wie etwa der aktuellste Fall, bei dem eine Frau einfach verschwunden ist, und keiner weiß, wohin. "Eines morgens ist ihr Mann aufgewacht und sie lag nicht mehr neben ihm im Bett", so Boltz. Ihre Infos erhalten sie aus verschiedenen Quellen - "dabei hält sich die Polizei allerdings ziemlich zurück. Nur von ehemaligen Polizisten oder Richtern und Journalisten erfährst du etwas". Aber auch vom Publikum kommen Hinweise. "Wir werden angeschrieben und wir sind dadurch auch auf ein paar Fälle gestoßen, die wir gar nicht kannten." Doch damit nicht genug: "Sie stellten uns Zeitungsausschnitte, Fotos, Gerichtsakten zur Verfügung und gaben uns Tipps, wen wir ansprechen könnten", so Boltz. Detektivarbeit sei dies aber nicht - "wir ermitteln nicht, wir vermitteln", stellt er klar. "Das ist richtig aufwendig", so Boltz, der pro Fall ungefähr eine Woche benötigt.

Der Aufwand lohnt sich. Der Podcast des Wahl-Frankfurters kommt so gut an, "dass wir jetzt mit der dritten Staffel an den Start gehen". Klar, dass die meisten Hörer aus der näheren Umgebung stammen. Aber für viele ist die Fuldaer Gegend ein Ausflugsgebiet und deshalb vermehrt sich die Hörerschaft stetig. "Mittlerweile haben wir Hörer aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland - sogar aus dem Vatikan", weiß Boltz. "Wir sind in den Podcastcharts in Österreich und der Schweiz", berichtet Boltz von mehr als 80 000 Abrufen. "Und es nimmt zu. Extrem. Allein die Ankündigung, dass es weitergeht hatte 6000."

Wegen des großen Erfolgs haben sie auch schon darüber nachgedacht, ihren "Aktionsradius" auszuweiten. Bis nach Frankfurt, der Hauptstadt des Verbrechens. Aber das ist Zukunftsmusik. "Das Tolle ist doch der gute alte Eduard-Zimmermann-Aktenzeichen XY-Charakter", sagt Boltz. "Wenn du merkst, dass es wirklich wahr ist, so richtig zum Anfassen." es

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