Illegale Müllberge in Frankfurt: Situation teilweise dramatisch, Boden vergiftet
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Illegale Müllberge in Frankfurt: Situation teilweise dramatisch, Boden vergiftet

Niemand fühlt sich zuständig

Illegale Müllberge in Frankfurt: Situation teilweise dramatisch, Boden verseucht

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Ein Kompetenz-Wirrwarr erschwert die Müllentsorgung in Frankfurt-Nied. Die Behörde spricht sogar von "kontaminiertem Boden".

Beim Gassigehen mit ihren beiden Hunden Cena und Bambu wechselt die Sossenheimerin Astrid Haentschel gerne mal die Strecken rund um ihren Wohnort in der Straße Im Mittleren Sand - doch die Route auf dem Feldweg parallel zu den Bahngleisen von der Nidda zur verlängerten Holzlachstraße will sie künftig eher meiden. Denn was ihr auf dieser Strecke immer wieder die Laune verdirbt, ist eine riesige wilde Müllablagerung. "So einen schlimmen Abfallhaufen habe ich noch nie gesehen", klagt sie.

Der ist ein Ärgernis nicht nur für sie, sondern auch für andere Nachbarn, wie die Reaktionen auf Bilder zeigen, die eine Bewohnerin in der lokalen Nieder Facebookgruppe veröffentlicht hat. "Der Weg an den Kleingärten lang ist immer voll mit Hundekot und Scherben", schreibt die Frau auf Anfrage dieser Zeitung.

Frankfurt-Nied: Müll-Schandfleck wächst im Schutze der Dunkelheit

Zum Schandfleck gehören aber auch Bauschuttsäcke und viele, noch brauchbare Gegenstände, die von einer Wohnungsentrümpelung oder Hausauflösung stammen könnten. Bettwäsche, Spielsachen, etwa ein neues Puzzle mit Motiven des amerikanischen Künstlers James Rizzi hat Astrid Haentsch dort schon gefunden.

Übler Anblick beim Gassigehen: Astrid Haentsch kommt mit ihrer Hündin Cena und dem Rüden Bambu immer wieder an diesem Müllberg vorbei. Der eingezäunte Bereich gehört dem Land Hessen und soll kontaminiert sein.

Ein Bewohner, dessen Garten an das Areal angrenzt, berichtete ihr von Lieferwagen, deren Insassen im Schutze der Dunkelheit ihren Müll ablüden. Weshalb sich die Frau zwei Poller wünscht, die derlei Missbrauch erschweren würden. Gemeldet habe sie den wilden Müllberg schon vor vier Wochen bei der Stadt - getan habe sich bislang noch nichts. Auch die Bürgerin, die die Müll-Fotos auf Facebook veröffentlichte, schaltete den städtischen Müllentsorger FES ein - und erhielt eine Antwort, die beunruhigt: Das betreffende Flurstück gehöre zur Domänenverwaltung des Landes Hessen und sei - kontaminiert.

Müll-Ärger in Frankfurt-Nied: Zuständigkeiten kompliziert Umweltamt lehnt Zuständigkeit ab

Das bestätigte auch Michael Eickenboom vom Sachgebiet Abfallwirtschaft beim Umweltamt auf unsere Nachfrage. Aber: "Uns liegen keine näheren Informationen zur Art der Kontaminationen vor", erklärt er. Die zuständige Kollegin im Umweltamt habe diese Auskunft von der Domänenverwaltung erhalten, "nachdem wir zur Beseitigung der Ablagerungen aufgefordert haben".

Also fragten wir selbst nach: Bei der "Hessischen Landgesellschaft mbH, Staatliche Treuhandstelle für ländliche Bodenordnung, Fachbereich Domänen und Liegenschaften". Eine Antwort blieb die Behörde jedoch bis jetzt schuldig. Eine schnelle Lösung scheint sich in Sachen des Müllbergs jedenfalls nicht abzuzeichnen, wie Eickenboom andeutet. Als Grund dafür nennt er gleich drei verschiedene Zuständigkeiten für das verdreckte Areal. "Die Zuordnung von Ablagerungen stellt uns immer wieder vor Herausforderungen", räumt er ein. Dann berichtet er, was seine Nachforschungen ergeben haben: "Ein schmaler Streifen zwischen Einzäunung und Weg gehört dort der DB Netz AG. Der Weg selbst fällt in die Zuständigkeit des städtischen Amtes für Bauen und Immobilien (ABI)".

Müll in Frankfurt-Nied: Einer muss Beseitigung beauftragen

Das Umweltamt der Stadt werde daher nach jetzigem Sachstand keine Beseitigung des Mülls nahe des Bahndamms selbst in Auftrag geben, sagt Michael Eickenboom.

Die Mitarbeiter der Domänenverwaltung hätten vorgeschlagen, dass sich die Verantwortlichen darauf einigten, dass einer - zum Beispiel die Bahn - die Beseitigung in Auftrag gebe - und die anderen sich an den Kosten beteiligen. (Michael Forst)

Zuletzt gab es in Frankfurt-Nied viel Ärger um einen umstrittenen Bahnübergang. Im Dezember hatten Unbekannte sogar einen Schrankenwärter attackiert.

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