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Zur Halde verkommt der Platz vor der Staufenmauer. Die VGF lagert hier Baumaterial, Müllsünder laden ihre Säcke ab.

Ortsbeirat macht seinem Ärger Luft

Frankfurt: Müll an der Staufenmauer soll weg

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Einst sollte die historische Staufenmauer ein neuer Hingucker werden. Derzeit ist sie vor allem eine Dreckecke. Der Ortsbeirat1 möchte das ändern. Doch wann werden die Pläne umgesetzt?

Frankfurt - Manch einer war etwas enttäuscht, als sich bei der Restaurierung vor sechs Jahren herausstellte, dass die Staufenmauer deutlich jünger ist als angenommen. Denn in ihrer heutigen Form wurde sie nach dem Großen Judenbrand 1711 von der jüdischen Gemeinde wiederaufgebaut.

Doch die Nachbarschaft zum früheren Judenghetto, von dem nur wenige Mauerreste im Museum Judengasse konserviert sind, macht die Reste der zweiten Frankfurter Stadtmauer, die ursprünglich im 12. Jahrhundert errichtet wurde, historisch wertvoll. Deshalb sollte der Platz um die Staufenmauer bereits im Programm „Schöneres Frankfurt- Maßnahmen bis 2014“ als historische Gedenkstätte hergerichtet werden.

Historische Staufenmauer: Müll und Autos geben kein schönes Bild ab

Doch trotz mehrerer Nachfragen seitens des Ortsbeirats 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) ist bis heute nichts passiert. Und derzeit bietet das Umfeld der Mauer kein besonders schönes Farbenspiel: Das Rot der Sandsteinmauer kontrastiert mit dem Weiß der umliegenden Häuser und den blauen Müllsäcken, die zusammen mit Pappkartons und anderen Abfällen ein unschönes Bild abgeben, zu dem auch die dort geparkten Autos gehören. 

Historische Staufenmauer: Wohnungsbau soll entwickelt werden

Daher hat der Ortsbeirat einen Antrag der Grünen an den Magistrat verabschiedet, dass die Autos und der Abfall an der Staufenmauer dauerhaft entfernt werden sollen. Außerdem soll der Magistrat erklären, wann der Platz aufgewertet wird. Zudem soll das Areal für den Fall, dass die Stadt hier in nächster Zeit kein dauerhaftes Konzept für eine Aufwertung vorlegen kann, an eine Wohnbaugesellschaft abgegeben werden, die wiederum eine Wohnbebauung mit mindestens 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau umsetzen soll.

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Wobei letztere Maßnahme eher als Druckmittel verstanden werden soll, wie Andreas Laeuen von den Grünen einräumte. „Es ist eine Schande, dass der Magistrat nun seit vielen Jahren die Mindernutzung und Vermüllung dieses Platzes sehenden Auges duldet und durch die Herausgabe von Schlüsseln sogar duldet“, heißt es weiter in der Vorlage. Wobei auch auf eine Anfrage vom vergangenen Oktober verwiesen wird, warum der Ortsbeirat und die Anwohner immer weiter hingehalten werden, obwohl der Baubeginn zuletzt in der zweiten Jahreshälfte 2018 sein sollte.

Eine mittels Stufen gepflasterte Fläche des Platzes mit Sitzbänken waren im ursprünglichen Konzept ebenso vorgesehen wie eine passende nächtliche Illumination der Staufenmauer. Es sollten Vitrinen und sogenannte Medien-Viewer aufgestellt werden, um Einblicke in die Geschichte des jüdischen Ghettos seit dem späten Mittelalter zu geben. Durch die Umgestaltung soll neben der Aufenthaltsqualität auch die soziale Kontrolle des Platzes verbessert werden. 

Stadt Frankfurt bittet um Geduld bei der Aufwertung der historischen Staufenmauer

Doch nach Auskunft des Planungsdezernats ist derzeit mit der Umgestaltung der Staufenmauer nicht vor der ersten Jahreshälfte 2020 zu rechnen. „Es gibt mehrere Gründe für die Verzögerungen, unter anderem die Planungs- und Umsetzungsabläufe zu den Zeil-Nebenstraßen“, erklärt der Sprecher des Planungsdezernats Mark Gellert. Denn um die Zugänglichkeit zur Zeil nicht zu beeinträchtigen, konnten die Große Friedberger Straße, die Schäfergasse, die Reineckstraße und die Fahrgasse nur nacheinander umgestaltet werden. Doch diese Maßnahmen dauerten ebenso länger wie die Sanierung der Mauer und die Festlegung der Gestaltungselemente, während es durch Wegfall eines Planers zu Neuausschreibungen kam. Das Baudezernat teilt weiter mit, dass der Platz so lange von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) zur Zwischenlagerung von Baumaterialien genutzt werde.

„Die VGF wird Mitte März einen Großteil der zwischengelagerten Baustoffe entsorgen lassen und dabei auch eine Räumung des Geländes von den durch Passanten hinterlassenen Abfälle veranlassen“, teilt VGF-Sprecher Bernd Conrads mit. Das Problem sei nicht die Nutzung und Zwischenlagerung durch die VGF, sondern jene Mitmenschen, die ein solches Grundstück als Müllabladeflächen betrachten.

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