So hätte sie aussehen können, die Multifunktionsarena am Kaiserlei Kreisel, doch daraus wird nichts.	Visualisierung: Ballcom
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So hätte sie aussehen können, die Multifunktionsarena am Kaiserlei Kreisel, doch daraus wird nichts. Visualisierung: Ballcom

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Frankfurt: Aus für Multifunktionsarena am Kaiserlei – Bittere Nachricht für Profi-Sport

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Das Vorzeigeprojekt an der Stadtgrenze zu Offenbach ist endgültig vom Tisch. Die Stadt Frankfurt wird sich auch mit dem verbliebenem Bieter nicht einig. Zuvor war bereits der bevorzugte Bieter ausgestiegen. Bittere Nachrichten für die Spitzensportvereine Löwen, Skyliners und United Volleys.

  • Der Investorenwettbewerb für die Multifunktionsarena in Frankfurt geht zu Ende.
  • Der letzte potentielle Bieter plante eine Art Entertainment-Park - was die Stadt Frankfurt ablehnt.
  • Für den Eishockey- und Basketball-Verein in Frankfurt ein herber Schlag.

Frankfurt - Eine Multifunktionshalle am Kaiserlei wird es nicht geben. Das Großprojekt ist gescheitert. Endgültig.

Der im Dezember 2015 gestartete, ungewöhnlich und quälend lange Investorenwettbewerb fand gestern sein Ende. Offiziell läuft die Ausschreibungsfrist heute ab. Der letzte verbliebene Bieter, die Anschutz Entertainment Group (AEG), hat die Aufforderung der Stadt abgelehnt, ihr ursprüngliches Vorhaben einer Art Entertainment-Park am Kaiserlei auf eine Veranstaltungs-Arena zu beschränken. Damit ist der Wettbewerb nach fast fünf Jahren beendet. Für die drei Spitzensportvereine, den Eishockey-Club "Löwen", den Basketball-Verein "Skyliners" und den Volleyball-Club "United Volleys", geht somit eine Perspektive verloren. Sie hatten auf die für etwa 13 000 Zuschauer geplante Arena vor allem als Austragungsort für ihre Heimspiele gehofft.

Multifunktionsarena Frankfurt: In dem Verfahren gab es lediglich zwei Bewerber

Er sei traurig, dass der "lange Prozess" nicht zum Erfolg geführt habe, sagte gestern Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) auf Anfrage dieser Zeitung. "Am Ende hat es nicht gereicht."

Frank hatte praktisch bis zum Schluss an der Idee der Veranstaltungshalle an der Stadtgrenze zu Offenbach festgehalten. In dem Verfahren gab es ohnehin nur zwei Bewerber: das rasch zum bevorzugten Bieter ("preferred bidder") erklärte Konsortium Langano und AEG. In die Vorzugsposition hatte Langano der Umstand gebracht, gemäß Ausschreibung nur eine Veranstaltungs-Arena bauen zu wollen, während AEG darüber hinaus noch ein Musicaltheater und ein Bürohaus errichten wollte, um das Projekt rentabel betreiben zu können. Anstatt diesem Bewerber mitzuteilen, dass seine Vorstellungen nicht die der Stadt sind, ließ man ihn im Rennen. Wobei der Begriff Rennen in diesem Zusammenhang irreführend ist. Es war ein Hindernislauf im Zeitlupen-Tempo.

Ganze 22 Monate statt geplanter sechs Wochen hatte sich der Wirtschaftsdezernent Zeit genommen, um mit Langano exklusiv zu verhandeln, während er AEG in der Warteschleife beließ. Trotzdem stand er im Mai mit leeren Händen da: Langano hatte die letzte Frist einfach verstreichen lassen, ohne sich zu erklären. Frank war tief enttäuscht und fest entschlossen, das Verfahren, dem schon lange jeglicher Elan fehlte, noch zu einem guten Ende bringen.

Multifunktionsarena in Frankfurt: Grünen hielten sich aus den Plänen raus

Ob Frank nicht mitbekommen hat, dass man bei AEG verstimmt darüber ist, so lange hingehalten und in der endlos langen Warteschleife belassen zu werden, oder ob er es in Kauf genommen hat, mag kaum noch erheblich sein. In seinem in dieser Angelegenheit wohl finalen Schreiben hat ein Spitzenmanager von AEG Deutschland dem Fachdezernenten sein Missfallen allerdings noch ins Stammbuch geschrieben: "Die ursprünglich für sechs Wochen angesetzten Exklusivverhandlungen mit dem "Preferred Bidder" haben sich dann bis Mai 2020 hingezogen. Auf unsere vielfachen Nachfragen zum Stand des Verfahrens wurde stets nur geantwortet, dass die Gespräche mit dem anderen Bieter andauerten und ein Dialog mit uns derzeit nicht als zielführend erachtet wurde." und weiter: "Die uns gegenüber in den letzten Wochen erfolgten Fristsetzungen für ein "vorläufig finales Angebot" - zunächst gut zwei Wochen und nun vier Wochen - sind offensichtlich unrealistisch." Solche Fristsetzungen empfindet man offenbar als taktisches Manöver, die "nicht wirklich auf ein ernsthaftes Interesse an einem weiteren Angebot unseres Konsortiums" schließen ließen.

"Die Stadt kann es sich nicht leisten, dass Investoren sich als zweite Wahl oder sonst wie schlecht behandelt fühlen", sagte gestern Ursula Busch, Fraktionsvorsitzende der SPD im Römer, auf Anfrage dieser Zeitung. Ihre Fraktion wolle sich weiterhin darauf konzentrieren, "den Prozess der Realisierung einer Halle weiter zu begleiten." Die Vereine brauchten schließlich eine Alternative. Erst kürzlich hatte Busch sich für die Unterstützung des Vorhabens am Flughafen, Projektname "The Dome", stark gemacht.

Die Grünen als dritter Koalitionspartner hatten sich zum Thema Multifunktionshalle stets weitgehend zurückgehalten. Dieser Haltung bleiben sie nach dem Scheitern des Wettbewerbs treu. "Wir warten mal ab", so Vorstandssprecher Bastian Bergerhoff. Zu Corona-Zeiten einen Investor für eine Veranstaltungsarena zu finden, sei wohl schwierig. Er schloss nicht aus, alsbald Gespräche mit den Repräsentanten der Katz-Group zu führen, die The Dome bauen wollen. sylvia a. Menzdorf

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