So könnte sie aussehen, wenn sie denn gebaut würde: die Multifunktionsarena am Kaiserlei in Frankfurt.
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So könnte sie aussehen, wenn sie denn gebaut würde: die Multifunktionsarena am Kaiserlei in Frankfurt.

Multifunktionsarena für Frankfurt

Luftschloss statt Multifunktionshalle am Kaiserlei?

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Der zweite Investor für die Multifunktionshalle am Kaiserlei in Frankfurt zögert. Ohne feste Zusagen aus der Politik will die Anschutz-Gruppe das Projekt nicht weiterverfolgen.

  • Wieder steht die Multifunktionshalle am Kaiserlei in Frankfurt auf wackeligen Beinen.
  • Ein Investor zögert.
  • Für die SPD bedeutet das Projekt „zu viele Probleme, zu viele Unwägbarkeiten, zu hohe Belastungen“.

Frankfurt – Die geplante Multifunktionshalle am Kaiserlei könnte sich am Ende als Luftschloss der Frankfurter Politik entpuppen. Nachdem vor Wochen nach einem zähen Bewerbungsprozess das von Sport- und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) als "bevorzugter Bieter" qualifizierte und mit größter Nachsicht behandelte französische Konsortium Langano kein verbindliches Gebot abgab, könnte nun auch der zweite Bewerber in dem Ausschreibungsverfahren, die US-amerikanische Anschutz-Entertainment-Group (AEG), für gehörigen Verdruss sorgen.

Multifunktionshalle für Frankfurt: "Wachsender Mangel an Unterstützung"

Die Aufforderung der Stadt Frankfurt zur Abgabe eines "vorläufigen finalen Angebots" beantwortet AEG mit dem Hinweis, einem bereits für die bisherigen Planungen investierten "sechsstelligen Betrag" nur unter zwei Bedingungen weitere Aufwendungen folgen zu lassen, die notwendig würden, unter anderem für die Erarbeitung eines Entwurfes für die Arena, die "den gewünschten internationalen Anforderungen entspricht", so schreibt AEG in einem Brief, der dieser Zeitung vorliegt. Anschutz gibt unmissverständlich zu Protokoll, kein weiteres Geld ausgeben zu wollen für Planungen einer Arena, deren Realisierung "aktuell in Frage stehen dürfte".

AEG beklagt einen "stetig wachsenden Mangel an Unterstützung für das Arena-Projekt am Kaiserlei in der Frankfurter Politik" und den Umstand, dass "eine der Parteien der Frankfurter Regierungskoalition nunmehr offiziell beantragt, dass das Gelände am Kaiserlei für das Projekt der Europäischen Schule zur Verfügung gestellt werden soll". Um am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen, fordert AEG die ausdrückliche Bestätigung von CDU und SPD im Römer, dass das Arena-Projekt am Kaiserlei "weiterhin vollumfänglich" unterstützt werde und "die Regierungskoalition keine anderen Pläne für die Verwendung des Areals hat oder unterstützen wird".

Frankfurt: Multifunktionshalle am Kaiserlei – „Zu viele Probleme, zu viele Unwägbarkeiten“

Markus Frank klammert sich derzeit daran, dass der Arena-Bau am Kaiserlei Bestandteil des Koalitionsvertrages sei. Die Grünen im Römer, da ist sich Frank sicher, seien vertragstreu. Mit "dem anderen Koalitionspartner" indessen sei es "nicht so einfach". Die SPD hat nach der Hängepartie mit Langano offensichtlich gründlich die Nase voll und klar gemacht, für Arena-Planungen am Kaiserlei nicht länger zur Verfügung zu stehen. "Zu viele Probleme, zu viele Unwägbarkeiten, zu hohe Belastungen für die Stadt", fasst Fraktionsgeschäftsführer Holger Tschierschke die Bauchschmerzen der Sozialdemokraten zusammen.

Auf dem Grundstück am Kaiserlei in Frankfurt, im Besitz der Stiftung Allgemeiner Almosenkasten, konzentrieren sich aktuell mehrere, miteinander unvereinbare Interessen: Markus Frank sieht dort den idealen Standort für eine Multifunktionshalle. Die Deutsche Bahn prüft im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, ob auf dem Areal der geplante Fernbahntunnel münden könnte. Das Ergebnis wird frühestens im Frühjahr kommenden Jahres vorgestellt. Auch das Bundesbildungsministerium hat ein Auge auf das Grundstück geworfen: für den Neubau der Europäischen Schule.

Multifunktionshalle für Frankfurt: Blauer Brief aus Berlin

Seit 2017 pocht Berlin auf Erfüllung der vertraglichen Verpflichtung der Stadt Frankfurt, für den Neubau der Europäischen Schule ein Grundstück zur Verfügung zu stellen. "Der Bund möchte das so nicht länger hinnehmen", schreibt nun das Bundesbildungsministerium und macht gleich Vorschläge für den möglichen Standort eines Schulneubaus: "Sowohl die Mainwasen als auch das Grundstück der Stiftung Almosenkasten sind aus der Perspektive des Bundes ... geeignet."

Der Bund will keine Geschenke von Frankfurt. Er würde für das Grundstück für den Bau der Europäischen Schule den Marktwert zahlen. Das entspräche im übrigen auch den Forderungen der Stiftungssatzung. Würde auf dem Grundstück am Kaiserlei eine Multifunktionshalle gebaut, bekäme die Stadt für das Grundstück nichts. Der Koalitionsvertrag sieht nämlich vor, dem Investor einer Arena kostenlos ein Grundstück zur Verfügung zu stellen. Weil der Allgemeine Almosenkasten nicht verschenken darf, müsste die Stadt der Stiftung das Grundstück zum marktüblichen Preis abkaufen, um es dem Investor für die Halle kostenlos zur Verfügung zu stellen. "Das könnten wir wirtschaftlich gar nicht mehr rechtfertigen", sagt Holger Tschierschke.

Frankfurt: SPD begeistert von Hallenprojekt „The Dome“ am Flughafen Frankfurt

Markus Frank sagte auf Anfrage, er wolle nun für ein Bekenntnis zur Arena am Kaiserlei bei der SPD werben. Ob er deren Bedenken wegmoderieren und neuen Schwung für eine alte Idee entfachen kann, darf bezweifelt werden. Die SPD hat sich, daraus macht Holger Tschierschke kein Hehl, längst begeistern lassen für das Hallen-Projekt "The Dome" der kanadischen Katz-Group am Flughafen Frankfurt. Konzeption und Machbarkeit des 300-Millionen-Euro-Vorhabens haben sich SPD-Stadtverordnete in dieser Woche an Ort und Stelle detailliert erläutern lassen. Sämtliche Nachfragen, vor allem zum Verkehrskonzept, seien "schlüssig" beantwortet worden, sagt Tschierschke. "Total transparente Planung." Sogar die Kontoauszüge hätten zur Einsicht bereitgelegen, als Nachweis der Liquidität. Katz will "The Dome" aus eigener Finanzkraft, ohne öffentliche Mittel bauen.

Markus Frank kann sich erkennbar für das Projekt am Flughafen Frankfurt nicht erwärmen. "Man findet da ganz viele Probleme", sagt er gegenüber dieser Zeitung. Konkret wird er nicht, verweist auf ein "Gutachten zu den Problemen", das der frühere Frankfurter Planungsdezernent und heute selbstständig arbeitende Planer Martin Wentz im Auftrag der Fraport erstellt haben soll. Auf Nachfrage antwortet Wentz, er könne "nicht mit Angaben zum Vorhaben ,The Dome' dienen. Wir haben zu diesem Projekt kein Gutachten erarbeitet". (Von Sylvia A. Menzdorf)

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