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Dauer-Ärgernis: Seit Jahrzehnten fordern die Bürger die Beseitigung des Bahnübergangs an der Oeserstraße. Die SPD ruft nun mal wieder zu einem „Schranken-Fest“ auf und will einmal mehr Unterschriften sammeln

Bahnschranke in Nied 

Nach jahrelanger Verzögerung – SPD lädt zum „Schrankenfest“ 

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Um gegen die jahre- und jahrzehntelange Verzögerung bei der Beseitigung des Bahnübergangs in der Oeserstraße zu protestieren, lädt die Nieder SPD zum "Schrankenfest". Zuständig ist auf Seite der Stadt ihr eigener Verkehrsdezernent, der SPD-Mann Klaus Oesterling.

Frankfurt – Die SPD in Nied lädt wieder zu einem "Schrankenfest", um gegen den Bahnübergang an der Oeserstraße und die unendliche Geschichte zu protestieren, in der es nicht gelingt, ihn durch eine Unterführung zu ersetzen: "104 Jahre - es reicht! Wir wollen nicht länger warten!" heißt es am Donnerstag, 17. Oktober, von 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr vor der Schranke an der Oeserstraße, über deren Beseitigung das erste Mal im Jahr 1915 gesprochen worden war. Deswegen hatte die SPD Nied bereits vor vier Jahren, 2015, zum ersten Schrankenfest eingeladen, um ihren Protest an Ort und Stelle kundzutun.

1915 wurde zum ersten Mal darüber nachgedacht, den Bahnübergang zu beseitigen. So richtig darüber diskutiert wird allerdings seit Mitte der 80er Jahre. Als 1988 die Bahnunterführung an der Nieder S-Bahn-Station einige hundert Meter weiter südwestlich eingeweiht wurde, sollte die zweite Unterführung auf dem Fuß folgen - nichts passierte.

Frankfurt: Schranken beseitigen 

2005 nahm dann die Stadtverordnetenversammlung den Antrag des Nieder CDU-Manns Karlheinz Bührmann an, die Schranken zu beseitigen. Von der Stadt Frankfurt wurde ein Ingenieurbüro beauftragt, Pläne zu erstellen, doch es zeigte sich bald: Das Vorhaben hat für die Bahn keine Priorität. Das zumindest sagte der Bahn-Konzernbevollmächtigte für Hessen, Klaus Vornhusen.

Keine Priorität - das sehen die Nieder anders: Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger, Anwohner leiden unter dem Verkehrshindernis. Manchmal bleiben die Schranken bis zu 20 Minuten geschlossen, schimpfen die Nieder. Die täglichen Staus sind eine Plage. Die Schranke zerschneide den Stadtteil, hemme den Verkehr; Abgase belasten die Menschen, die dort wohnen, und immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, wenn Autofahrer noch schnell unter den sich bereits senkenden Schranken durchwitschen wollen.

Einladende zum "Schrankenfest" sind die SPD-Stadtverordneten Milli Romic und Hubert Schmitt. Zuständig in der Stadtregierung ist für die Verhandlungen um die Beseitigung des Bahnübergangs der Verkehrsdezernent. Der heißt seit einigen Jahren Klaus Oesterling und ist selbst SPD-Mitglied. Und auch Oesterling weiß: Es wird noch Jahre dauern.

Nied: Bauliche Bedenken

Der 2018 verstorbene Nieder Ortslandwirt Georg Diehl, der seinen Hof nur einen Steinwurf von der Schranke entfernt hatte, hat die seit Jahren diskutierten Pläne als undurchführbar angesehen: Vorgesehen ist, die Bahntrasse mit einem "Trog-Bauwerk" zu untergraben. Dafür, hatte Diehl immer gewarnt, sei der Untergrund nicht geeignet; es würden Wasseradern durchschnitten, die von alten Nidda-Mäandern herrührten. Wenn die Ingenieure diese Wasserläufe kappten, käme es zu Schäden an den Häusern südlich der Bahnlinie, hatte Diehl stets gewarnt. Diese Probleme seien schon beim Bau der Panoramaschule in der Werner-Bockelmann-Straße aufgetreten. Deswegen habe die Schule keinen Keller bekommen.

Die Planungen für die Unterführung schleppen sich seit Jahren dahin. Grundwasserfragen würden im Zuge der Planfeststellung geklärt, hatte Oesterlings Referent noch vor zwei Jahren erklärt. Und gleichzeitig erklärt, dass sich die Realisierung "um einige Jahre" verzögern werde - die Abstimmung mit der Deutschen Bahn sei kompliziert. Es geht um Leit- und Sicherheitstechnik, und auch der Ausbau des Homburger Damms im Gallus - wegen nun vom 25. auf den 26. Oktober die S-Bahn-Anbindung des Hauptbahnhofs komplett gesperrt wird - spiele eine Rolle. Der Homburger Damm stellt auf der Strecke Hauptbahnhof-Höchst die Verbindung zwischen dem Abzweig Mainzer Landstraße und der Nordseite des Hauptbahnhofs dar - bislang eingleisig, derzeit wird auf zweigleisig erweitert.

Oesterling hatte deshalb schon darauf gesetzt, den geplanten bau einer zweiten Bahnstation für Nied vom Bau der Unterführung an der Oeserstraße abzukoppeln: Planung und Bau des komplett neuen Haltepunkts Nied-Ost waren deutlich wahrscheinlicher umzusetzen als die Unterführung an der Oeserstraße. Zuvor hatte man es besonders in der SPD befürwortet, beide Vorhaben in einem Aufwasch umzusetzen und die Station dorthin zu bauen, wo heute der Bahnübergang ist. Inzwischen soll sie etwas weiter stadteinwärts entstehen.

Achtung, Sperrung!

Zumindest tut sich etwas am Homburger Damm: Die S-Bahn-Strecken rund um den Hauptbahnhof werden wegen Bauarbeiten von Samstag, 26. Oktober, 2.30 Uhr, bis 9.30 Uhr komplett gesperrt; zwischen Hauptbahnhof und Höchst sollen an dem Tag bis 14.30 Uhr keine S-Bahnen fahren. Fernzüge werden umgeleitet, der öffentliche Nahverkehr auf der Schiene fällt zwischen Höchst und dem Hauptbahnhof aus.

Zum "Schrankenfest" am Donnerstag, 17. Oktober, kann man sich in eine Unterschriftenliste für den Bau der Unterführung eintragen. Es gibt es Gegrilltes und Schoppen an der Schranke (mit Unterstützung der Gaststätte "Niddakampfbahn") sowie - ganz poetisch - "meine schönste Schranken-Story" über Last und Lust beim Warten.

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