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Trauer: Ein Teddy, Blumen und Kerzen sind rund um ein Foto von Antonjo aufgebaut. Foto: Leonhard Hamerski

Kita hatte wohl genügend Personal

Nach tragischem Tod eines Sechsjährigen: Dezernentin widerspricht Vorwürfen

In Frankfurt-Seckbach stirbt ein sechsjähriges Kind. Bildungsdezernentin Sylvia Weber von der SPD widerspricht den Vorwürfen von zu wenig Personal.

Frankfurt - Nach dem Tod des sechs Jahre alten Antonjo in einer Seckbacher Kindertagesstätte hat Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) am Montag Behauptungen widersprochen, nach denen die städtische Einrichtung am Atzelberg personell unzureichend ausgestattet gewesen sei. Alle Stellen in der Kita seien besetzt. Auch am Unglückstag, dem vergangenen Dienstag, seien genügend Beschäftigte anwesend gewesen, sagte Weber auf Anfrage der FNP.

Die Dezernentin sagte am Nachmittag, sie sehe es als ihren Auftrag an, so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen, wie das tragische Unglück passieren konnte. Wohl das gesamte Mitgefühl der Stadt sei nun bei der Familie des gestorbenen Jungen.

Auch auf Facebook zeigte sich Weber "schockiert und unfassbar traurig über den tödlichen Unfall des kleinen Antonjo". Das eigene Kind zu verlieren, sei das Schlimmste, was Eltern passieren könne. "Für diesen großen Schmerz gibt es keinen Trost." Weber wünschte der Familie des Jungen "viel Kraft und dass sie die Hoffnung nicht verlieren". Sie versprach, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, "damit so etwas nie wieder passiert".

Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt nach Kita-Tod wegen fahrlässiger Tötung

Die Staatsanwaltschaft, die wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt, hatte am Freitag mitgeteilt, dass nach dem Ergebnis der Obduktion alles auf einen tödlichen Stromschlag hindeute. Im Rahmen ihrer Ermittlungen will sie, wie Staatsanwältin Nadja Niesen bestätigte, unter anderem prüfen lassen, ob etwas an den Steckdosen in der Kita nicht in Ordnung war.

Augenzeugen hatten berichtet, dass eine Steckdose in der Kita am Kabel aus der Wand hing. Entsprechende Beobachtungen haben auch zwei Mitarbeiter der Unfallkasse festgehalten - unter anderem auf Fotografien. Die Unfallkasse hatte am Freitag dieser Zeitung auch berichtet, dass sich die Steckdose in der Garderobe in Reichweite der Kinder befinde.

Sechsjähriger in Kindergarten tödlich verletzt

Kita in Frankfurt-Seckbach bleibt weiter geschlossen

Die Einrichtung am Atzelberg war auch am Montag noch geschlossen. Auf Anraten der Unfallkasse Hessen soll die im Fokus der Ermittlungen und Untersuchungen stehende Steckdose fachgerecht gesichert und von einem Elektro-Sachverständigen abgenommen werden.

Beim Bildungsdezernat hieß es auf Anfrage, man könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wann sie wieder öffnet. Zunächst soll noch ein Elektrosachverständiger die elektrischen Anlagen in der Kita inspizieren. Erst wenn dieser deren Unbedenklichkeit bescheinigt, soll die Einrichtung wieder öffnen.

Frankfurt: Elternbeirat der Kita eröffnet Spendenkonto

Die sonst in der Kindertagesstätte am Atzelberg betreuten Kinder sind, wie das Dezernat auf Anfrage berichtet, vorübergehend in anderen Einrichtungen untergekommen. Vor der Wiedereröffnung des Kinderzentrums will die Stadt die Eltern der Kinder zu einem Gespräch mit der Bildungsdezernentin einladen. Dabei wird Weber den Sachstand erläutern und Fragen der Eltern beantworten.

In der Zwischenzeit hat der Elternbeirat der Kita ein Spendenkonto eröffnet, um die aus Italien stammende Familie zu unterstützen. Dem Wunsch der Eltern gemäß soll Antonjo in seiner Heimat beerdigt werden. Mit dem gespendeten Geld soll unter anderem die Überführung des Leichnams finanziert werden.

Für die Eltern eines Kindes, das in einer städtischen Einrichtung ums Leben kommt, gibt es keine Hinterbliebenenleistung, der Versicherungsträger - in diesem Fall die Unfallkasse Hessen - zahlt die Beerdigung und ein Sterbegeld. Die Stadt hat der Familie bislang keine spezielle Hilfe oder finanzielle Unterstützung angeboten.

Spendenkonto

Bei dem Spendenkonto für Antonjos Familie handelt es sich um ein Paypal-Konto. Man kann es im Internet unter www.kiiz94-frankfurt.de/spenden aufrufen. Bis zum gestrigen Abend waren 1596,38 Euro eingegangen.

Von Christoph Manus und Mark Obert

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