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Proteste in Frankfurt: Nächtliche Demonstration nach Brand im Ewin-Gefängnis im Iran

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Von: Sabine Schramek

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Nachts kommt es in Frankfurt zu einer spontanen Demonstration gegen das Regime im Iran.
Nachts kommt es in Frankfurt zu einer spontanen Demonstration gegen das Regime im Iran. © Sabine Schramek

Proteste gegen das Regime im Iran: 200 Menschen versammeln sich in Frankfurt mit Kerzen von 23 Uhr bis 2.30 Uhr vor dem Generalkonsulat.

Frankfurt - Kerzen und Teelichter leuchten in der Raimundstraße gegenüber dem iranischen Generalkonsulat. Das Lied „Baraye Azadi“ klingt aus Lautsprechern. „Für die Freiheit“. Sichtlich entsetzt versammeln sich spontan gut 200 Männer und Frauen. „Weg, weg, weg. Mullahs müssen weg“, „Fürchtet Euch nicht, wir halten zusammen“ und „Frauen, Leben, Freiheit“ rufen sie. Immer wieder „Freiheit“.

Sahar Sanaie hat zur Spontandemo aufgerufen. „Wir sind hier, weil das Ewin-Gefängnis brennt. Wir haben auf Videos Schüsse gehört und Granaten gesehen, die explodieren. Es gibt sichere Berichte, dass es viele Tote gibt“, sagt die junge Frau, die als Kinder-Psychotherapeutin arbeitet und Frauenrecht-Aktivistin ist. „Wir fürchten, dass das Feuer im Gefängnis ein Racheakt des iranischen Regimes ist, um ein Symbol gegen die internationalen Proteste zu setzen“, sagt sie. „Die Regierung spürt, dass ihr Ende naht. Es ist wie 1988 bei den Massenhinrichtungen politischer Gefangener.“ Nicht nur sie hat Tränen in den Augen.

Drei Demonstrationen in Frankfurt für Freiheit im Iran

„Wir fordern ein sofortiges Einschreiten der Bundesregierung und dass sie alle iranischen Botschaften in Deutschland sofort schließt“, wird laut. Am Abend wurde bekannt, dass es in dem berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran brennt. Mehrere Tausend politische Gefangene sollen dort einsitzen und eine nicht bekannte Anzahl Demonstranten, die wegen der Teilnahme an Protesten im vergangenen Monat inhaftiert wurden.

Seit dem Tod der iranischen Kurdin Mahsa Amini (22) am 16. September wird dort wie hier massiv gegen das Regime protestiert. Die Sittenpolizei hatte Amini verhaftet, weil sie das in der Öffentlichkeit vorgeschriebene Kopftuch zu locker getragen haben soll. Sie soll geschlagen worden sein, fiel ins Koma und starb.

In Frankfurt gehen die Menschen gegen das Mullah-Regime im Iran auf die Straße.
In Frankfurt gehen die Menschen gegen das Mullah-Regime im Iran auf die Straße. © Sabine Schramek

Seither reißen die Proteste gegen das Mullah-Regime auch in Frankfurt nicht ab. Am Nachmittag sind 200 Kurden und 1400 Iraner durch Frankfurt gezogen, um sich für Freiheit und gegen das Regime einzusetzen. Während am Nachmittag viele Flaggen und Plakate zu sehen waren, sind es in der Nacht nur wenige. Laut sind die Rufe und die Musik. Alle drei Demonstrationen verlaufen laut Polizei friedlich.

„Stoppr Mullahs“: Menschen in Frankfurt protestieren gegen Regime im Iran

Gegen 1 Uhr nachts kommt eine Frau mit einem Plakat vor das iranische Generalkonsulat, auf dem „Stoppt Mullahs“ steht. Ein Foto des Obersten Führers des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, ist zu sehen. Auf seinem Turban ist ein Hakenkreuz gezeichnet. Die Polizei konfisziert das Plakat und erklärt der Frau ruhig, dass das Hakenkreuz in keiner Form gezeigt werden darf. Es ist ihr peinlich. Der Gedanke, dass ein Gefängnis in Flammen steht, vergleicht sie mit den Gaskammern des Dritten Reiches. „Es ist so furchtbar, was dort passiert“, sagt sie und händigt ohne Widerstand das Plakat aus. „Baraye Azadi“ singt sie kurz danach mit. „Für die Freiheit“. „Für die Freiheit aller politisch Gefangener“, „Frauen, Leben, Freiheit“, rufen sie.

Als sich eine halbe Stunde später Nachbarn wegen der Lautstärke bei der Polizei melden, schalten die Protestierenden auf leise Bitte hin die Lautsprecher und Megafone ab und erheben ihre Stimmen ohne technische Unterstützung. „Niemand hier will stören. Wir wollen aber unsere Stimme gegen die Gewalt des Regimes im Iran erheben. Wir wollen gehört und verstanden werden. Fast jeder, der hier ist, hat brutale Gewalt im Iran an sich oder in der eigenen Familie erlebt“, erklärt ein junger Mann.

Sima Shams zu Beispiel. Sie ist vor 38 Jahren mit ihrer damals vierjährigen Tochter aus dem Iran geflohen. Die Krankenschwester, die einen Pflegedienst betreibt, ist mit ihrem Kind zu Fuß geflohen. „Einen Monat lang sind wir gelaufen, bis wir in der Türkei waren“, erzählt sie. „Mein Bruder wurde mit 21 Jahren gehenkt, meine Schwester mit 30 Jahren getötet. Wären wir nicht geflohen, wären wir auch gehenkt worden, weil wir gegen den Shah waren“, sagt sie mit sanftem traurigen Blick. „Das, was jetzt im Iran passiert, geschieht nicht zum ersten Mal. Wer nicht ins System passt, wird verhaftet, gefoltert, getötet. Damals und heute. Und jetzt bei lebendigem Leib verbrannt. Die Welt darf nicht zulassen, dass Menschenrechte so brutal mit Füßen getreten werden. Darum bin ich hier, darum sind wir alle hier. Für Menschenrechte, die es im Iran nicht gibt.“ (Sabine Schramek)

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