Streit um den Altbau-"Turm" der Gruneliusschule: Er soll erhalten bleiben, weil es in Oberrad nur wenige öffentliche Gebäude aus der Vorkriegszeit gibt.
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Streit um den Altbau-"Turm" der Gruneliusschule: Er soll erhalten bleiben, weil es in Oberrad nur wenige öffentliche Gebäude aus der Vorkriegszeit gibt.

Schulbau

Ärger um Schul-Neubau - Stadt zieht alle Pläne zurück

Der Gründerzeit-Turm soll erhalten bleiben - das ist politischer Wille. Die Gruneliusschule ging aber nach einer Zukunftswerkstatt davon aus, dass ein bereits entworfener Neubau kommt. Die Schulgemeinde ist enttäuscht.

  • Jahrelang wartet die Gruneliusschule in Frankfurt auf einen Umbau, um den Kindern ein geeignete Lernumgebung ermöglichen zu können.
  • Jetzt hat die Stadt alle Pläne zum Schul-Neubau zurückgezogen.
  • Anstatt eines kompletten Neubaus sollen lediglich kleinere Änderungen vorgenommen werden.

Frankfurt - Wer die Gruneliusschule in Frankfurt betritt, findet sich in einem altmodischen Gebäude wieder: Der Gang ist dunkel, die Türen sind verschlossen. Wenn Kinder über den Flur laufen, hallen die Geräusche an den nackten, hohen Wänden wider. Es ist ein altes Schulgebäude, gebaut in den 50ern. Die Grundschule ist eine Ganztags- und Inklusionsschule, es gibt hör- und sehgeschädigte Kinder, Kinder im Rollstuhl sowie viele, die bei Schulbeginn kaum Deutsch können. Spezielle Förderräume aber sind rar. Die einzigen Toiletten sind im Schulkeller und hochgradig sanierungsbedürftig. Im Keller des Turms sei Schimmel, der Schall in den hohen Räumen mache den Unterricht schwierig, ist zu hören.

Frankfurt: Schul-Neubau der Gruneliusschule seit Jahren beschlossen

Umso ungeduldiger wartet die Schule in Frankfurt seit Jahren darauf, dass endlich der Neubau beginnt, der längst beschlossene Sache ist. Von November 2016 bis September 2017 lief die Planungsphase null, es gab eine Zukunftswerkstatt, ein "sehr intensiver Prozess", wie die Schulelternbeiratsvorsitzende Melanie Roth beschreibt, an dem Kinder, Eltern, Lehrer, Architekten, der Ortsbeirat, Vereine, Kirche sowie sämtliche an der Schule agierenden Personen bis hin zum Hausmeister beteiligt waren.

Das Ergebnis, auf das sich die Beteiligten einigten, war ein dreigeschossiger Terrassenbau mit Staffelgeschoss, die bestehenden Gebäude sollten ersetzt werden. Eine moderne Grundschule mit einer luftigen und hellen "zentralen Mitte" als Herzstück, von wo aus vier Jahrgangscluster auf zwei Stockwerken verteilt leicht erreichbar sind, sollte entstehen. Im Erdgeschoss war eine Aula angedacht, im Untergeschoss die Turnhalle. "Das Kollegium hat sich so gefreut - endlich könnten wir unsere Arbeit so gestalten, wie es für die Kinder am besten ist", berichtet Konrektorin Anne Gernoth.

Frankfurt: Neuer Entwurf traf Schule überraschend

Zwei Tage vor den Sommerferien erfuhren Schulleitung und Elternbeirat, dass der Bau nicht mehr zur Debatte steht. Präsentiert wurde ihnen und Mitgliedern des Ortsbeirats 5 von Baudezernent Jan Schneider (CDU) und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) ein neuer Entwurf. Der "Turm", der älteste Gebäudeteil von 1907, soll saniert werden und im verkleinerten Neubau alles komprimiert werden, was der ursprüngliche Bau auf großzügigem Raum hätte bieten sollen. Weil der Schulhof nur noch sehr klein ausfällt, sollen die Kinder in der Pause auf dem Dach spielen.

In einer Stellungnahme sprechen Schulleitung, Elternbeirat und Förderverein jetzt deutliche Worte: Der neue Entwurf "traf unsere Schulgemeinde völlig überraschend, hatten wir doch in den letzten Jahren keinerlei Informationen zum weiteren Verlauf der Bauplanung erhalten." Der neue Entwurf biete weniger Platz, weniger Orientierung, weniger Licht. Alles zum Nachteil der Schüler.

Becker über geplanten Neubau der Gruneliusschule: "Sehr unglücklich gelaufen"

Das Kollegium war verwundert: "Warum wird eine aufwendige Zukunftswerkstatt veranstaltet, wenn die Ergebnisse nicht umgesetzt werden?" Alle im Stadtteil seien beteiligt gewesen, keiner habe Bedenken geäußert.

Das weist Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) auf Anfrage zurück: "Ich habe damals gesagt, mir fehlt der Altbau." Zuvor sei überdies längst beschlossen worden, dass die Gruneliusschule saniert und erweitert werden soll. Auf der Basis von Beschlüssen aus dem Jahr 2011 sei auch der politische Prozess weitergegangen. "Leider ist das alles kommunikativ sehr schlecht und sehr unglücklich gelaufen", sagt Becker. Aber es sei wiederholt klargestellt worden, dass nur der 50er-Jahre-Bau abgerissen wird. "Die Bildungsdezernentin Sylvia Weber war zwei Mal beim Ortsbeirat und hat es bestätigt", sagt er.

Frankfurt: Statt Schul-Neubau kommt es anders als erwartet

Tatsächlich sagte die Dezernentin auf einer Sitzung in Niederrad im November 2018: "Der Altbau bleibt erhalten." Zuvor hatte der Ortsbeirat beantragt, dass überprüft wird, ob er saniert werden kann. In der Bevölkerung werde der Abriss "negativ beurteilt, da dieser als wichtiges und prägendes Bauwerk Oberrads angesehen wird". Im Januar 2019 gab der Magistrat jedoch bekannt, Abriss und Neubau sowie die Sanierung des Altbaus seien geprüft worden. "Aus wirtschaftlichen Gründen fiel die Entscheidung auf die Variante Neubau." Die pädagogischen Ansätze wie offene Lernlandschaften ließen sich "im bestehenden Altbau nicht ohne unverhältnismäßig hohen Aufwand abbilden."

Wenige Wochen später wiederum wurden 1,8 Millionen Euro für eine "Sanierung und Erweiterung von vier auf fünf Züge" der Gruneliusschule im Haupt- und Finanzausschuss beschlossen.

Gruneliusschule in Frankfurt: Meinungen über Neubau-Pläne gehen auseinander

Der Entwurf mit der Variante Sanierung würde um einiges teurer ausfallen. Die Entscheidung treffen die Stadtverordneten.

In Oberrad ist die Meinung indes geteilt. Der Altbau muss erhalten bleiben, sagt auch SPD-Ortsbeirätin Rosita Jany. Dem Bürgerverein ist der Turm indes nicht wichtig. "Das war bei uns kein Thema", sagt der Vorsitzende Eugen Müller. "Mir persönlich ist wichtiger, dass die Schule modern ist und gut funktioniert." Die Zweite Vorsitzende des Fördervereins der Gruneliusschule, Nicole Fontaine, ist enttäuscht: "Alle haben seit der Zukunftswerkstatt auf die neue Schule gewartet. Was die Kinder von Oberrad brauchen, spielt aber offenbar keine Rolle." Aber noch sei nicht alles entschieden. (Von Stefanie Wehr)

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