+
Die Heimatsiedlung an der Mörfelder Landstraße, der Stresemannallee und den Bahngleisen in Sachsenhausen soll ebenfalls saniert werden. 

Neues Frankfurt von Ernst May

Römerstadt, Riederwald und Heimatsiedlung: Viele alte Häuser in Frankfurt werden saniert

  • schließen

Er schrieb Baugeschichte: Mit einfachen Häuschen im Grünen schuf Ernst May von 1925 bis 1930 das Neue Frankfurt. Jetzt steht die Sanierung vieler Häuser an. Der Bund beteiligt sich, und vielleicht werden Siedlungen des Städteplaners gar Unesco-Weltkulturerbe.

Frankfurt - 40 Millionen Euro sind im Topf, um denkmalgeschützte Ernst-May-Siedlungen in Frankfurt zu sanieren. Dies sagte Dr. Marcus Gwechenberger, Referent bei Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Mehr als 100 Interessierte waren am Donnerstag (24.10.2019) ins Forum Neues Frankfurt in der Römerstadt gekommen, um sich über die Pläne der Stadt zu informieren. 

Viele fanden keinen Platz mehr in dem kleinen Raum in der Hadrianstraße. Sie standen auf dem Bürgersteig. "Diese Info-Veranstaltung ist ein Auftakt, wir wollen noch öfter mit den Bewohnern sprechen", sagte Gwechenberger.

Frankfurt: Sanierung von alten Häusern

Im April ist das Neue Frankfurt ins Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" aufgenommen worden. Fünf Millionen Euro gibt Berlin, um die May-Siedlungen zu sanieren. Sie müssen bis 2023 ausgegeben werden. Fünf Millionen Euro gibt die Stadt hinzu. "Eigentümer gibt es zwei, die ABG und die Nassauische Heimstätte. Beide sind Partner", so Gwechenberger. Die ABG wolle weitere etwa 30 Millionen Euro investieren.

"Der Schwerpunkt liegt auf drei Siedlungen: der Römerstadt, dem Riederwald und der Heimatsiedlung", so Gwechenberger. Mehrere Schwerpunkte habe die Förderung: Es sind die Gebäude selbst, es ist das Umfeld sprich die Grünanlagen, gegebenenfalls die Straßen. 

Frankfurt: Einheitliches Bild durch Sanierung von Häusern

Zudem wird in die Öffentlichkeitsarbeit investiert. Beispielsweise auch in Form von Führungen, die über den besonderen städtebaulichen Rang der Ernst-May-Siedlungen in Frankfurt informieren sollen. "Wir bewerben uns als Unesco-Weltkulturerbe", sagte Gwechenberger. Deswegen sollten auch die anstehenden Sanierungsarbeiten für ein einheitliches Bild sorgen.

Dieser Punkt traf auf viel Zustimmung bei den Zuhörern: "Wenn eine langjährig vermietete Wohnung frei wird, nimmt der Vermieter bei der Renovierung die alten Türen und Fenster heraus und setzt billige neue ein. Das geht doch nicht!", empörte sich ein Frankfurter.

Was genau saniert werden soll, müsse von Haus zu Haus, von Straße zu Straße, von Siedlung zu Siedlung entschieden werden, sagte Gwechenberger. "Gutachter schauen sich alles an und machen dann Vorschläge." Bei der Frage, was realisiert wird, werden die Mieter wieder gefragt. "Typisch wäre etwa, dass die Fassaden erneuert werden, neue Fenster und Türen eingebaut werden."

Frankfurt: Mieten sollen nach Sanierung von Häusern nicht steigen

Eine wichtige Frage war die nach den Kosten: "Die ABG hat zugesagt, dass die Mieten nicht wegen der Sanierung erhöht werden", sagte der Referent des Planungsdezernenten. Schließlich handele es sich zuerst um eine Werterhaltung und nicht um eine Mietwertsteigerung.

Eine Mieterin aus der Siedlung Riederwald beschwerte sich: "Viele Nachbarn haben nasse Keller. Überall ist Schimmel. Keiner interessiert sich dafür." Ehe man die Fassaden streiche, müsse doch zuerst das Mauerwerk vor dem Verfall gerettet werden. 

Und wie werden die Häuser und Gärten gestaltet, wenn die Vorschläge der Gutachter angenommen sind? "Werden wir noch kleine Wintergärten bauen können, die Terrasse überdachen, den Kellereingang überdachen?", fragte eine Mieterin. Nicht zuletzt stehe in den Kellern das Wasser, deren Außeneingänge nicht überdacht sind.

Frankfurter Stadtwald: Entsetzen über Waldschäden

Frankfurt: Sanierung - 40 Millionen reichen nicht

Nicht alle diese Fragen konnte Gwechenberger bei diesem ersten Termin beantworten. Klar schien, es ist viel zu tun und 40 Millionen Euro dürften wohl sehr knapp bemessen sein. Dabei steigen die Mieten nicht. Günstige Mieten und viel grünes Umfeld, das war schon der Ehrgeiz des Planungsdezernenten Ernst May.

Frankfurt: B-Ebene am Eschenheimer Tor ist wieder Nachtquartier für Obdachlose

Sein Nachfolger Mike Josef steht in einer schnell wachsenden Stadt vor ähnlichen Herausforderungen - mit weniger Möglichkeiten.

Info zum Stadtplaner Ernst May in Frankfurt

Ernst May(1886-1970) war Architekt und Stadtplaner. Von 1925 bis 1930 war May Baudezernent im aufstrebenden, wachsenden Frankfurt. In seinem Wohnungsbauprogramm entwickelte er ein aktualisiertes Generalplan-Schema mit dem Ziel, die Wohnungsnot binnen Jahren zu beseitigen.

Ernst May hatte seine Sache immer fest im Blick und wird häufig als spaßbefreit beschrieben. In seinem Büro stand an der Wand im großen Lettern: "Fass Dich kurz!"

Beeinflusst vom Bauhaus, schuf er moderne, das heißt einfache, schnörkellose, rationale Wohnanlagen. Binnen fünf Jahren entstanden 12.000 Wohnungen. Insgesamt gibt es über 20 Siedlungen. Die berühmteste ist die Römerstadt. Dort unterhält die Ernst-May-Gesellschaft im Burgfeld 136 ein Musterhaus. Darin gibt es auch eine originale Frankfurter Küche zu bestaunen. Öffnungszeiten, Führungsangebote und Veranstaltungen unter ernst-may-gesellschaft.de

May nahm 1930 ein Angebot als Städteplaner in der Sowjetunion an. Danach arbeitete er von 1934 bis 1954 in Ostafrika. Zurück in Deutschland siedelte er sich in Hamburg an, wo er auch starb. Beerdigt wurde er auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

Von Thomas J. Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare