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Frankfurt: Neues aus der Waschküche

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Von: Alexandra Flieth

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Roland Sautner mit der ersten Ausgabe von "Rund um die Waschküche", die vor kurzem erschienen ist. Sie hat eine Auflage von 1000 Exemplaren, ist auf Recycling-Papier gedruckt und trägt den Titel "Die Wiedergeburt einer Siedlungszeitung". FOTO: leonhard hamerski
Roland Sautner mit der ersten Ausgabe von "Rund um die Waschküche", die vor kurzem erschienen ist. Sie hat eine Auflage von 1000 Exemplaren, ist auf Recycling-Papier gedruckt und trägt den Titel "Die Wiedergeburt einer Siedlungszeitung". © HAmerski

Neuauflage der Siedlungszeitung informiert die Nachbarn

Der Schornstein der einstigen Zentralwäscherei mit ihrer Fassade aus roten Klinkersteinen ist der markanteste Punkt in der Siedlung Westhausen - von ihren Bewohnern wird dieser einfach nur "die Waschküche" genannt. "Rund um die Waschküche" - so hieß auch in den 1980er Jahren eine Siedlungszeitung. "Herausgegeben wurde sie in der Zeit zwischen 1984 und 1989", erzählt es Roland Sautner vom Kulturkreis Westhausen. "Dieser gründete sich zum 50-jährigen Bestehen der Siedlung", fügt er hinzu. Das war im Jahr 1980.

Rückblickend hätte im Jahr 2020 das 90-jährige Siedlungsbestehen gefeiert werden sollen. Die Corona-Pandemie hat diesem Ansinnen aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Dennoch", sagt Sautner, "soll der runde Siedlungsgeburtstag nachgefeiert werden, wenn möglich." Der Kulturkreis Westhausen hat die vergangenen Monate nun dazu genutzt und zusammen mit der örtlichen evangelischen und katholischen Kirchengemeinde sowie der SPD und der Arbeiterwohlfahrt eine Neuauflage der Siedlungszeitung "Rund um die Waschküche" herausgebracht - mit Themen rund um das Wohnen und Leben in Westhausen.

Geplant wurde die Siedlung einst durch den Stadtplaner und Architekten Ernst May (1886 - 1970) und seinem Team. May war zwischen 1925 und 1930 Siedlungsdezernent und legte in dieser Zeit das Wohnungsbauprogramm "Das Neue Frankfurt" auf, mit dem stadtweit rund 12 000 neue Wohneinheiten geschaffen wurden. Die Siedlung Westhausen gilt als die letzte, deren Baustart 1929 noch in die Amtszeit von May fiel.

Die erste Ausgabe von "Rund um die Waschküche" ist vor kurzem erschienen. Sie hat eine Auflage von 1000 Exemplaren, ist auf Recycling-Papier gedruckt und trägt den Titel "Die Wiedergeburt einer Siedlungszeitung". "Wir wollten die Menschen trotz der Corona-bedingten Einschränkungen über das, was in der Siedlung passiert, informieren und damit auch ein wenig den Austausch, der ja in den vergangenen zwei Jahren in gewohnter Form nicht mehr möglich war, weiter aufrechterhalten", formuliert Sautner die Idee. Künftig solle die Publikation zweimal jährlich herausgebracht werden - das nächste Mal vor Weihnachten. "Wir haben Leute angesprochen und sie eingeladen, sich mit Texten an der ersten Ausgabe zu beteiligen", so Sautner. Entstanden sei ein Produkt, das Ausdruck für Partizipation sei.

Natürlich gibt es große Unterschiede zu den Ausgaben aus den 1980er Jahren: Die Siedlungszeitung von heute erscheint in einem ganz neuen Gewand mit Referenzen an die Entstehungszeit von Westhausen 1930. Es ist vor allem die ausgewählte Schrifttype der insgesamt 16 Seiten umfassenden Publikation, die an diese Zeit erinnert. "Wir haben Futura gewählt, die 1927 von Paul Renner entworfen wurde", erzählt Sautner. Renner, der Grafik- und Schriftdesigner war, lehrte 1925 und 1926 unter anderem an der Frankfurter Kunstschule Werbegrafik und Typographie und wurde in dieser Zeit auch für das "Neue Frankfurt" tätig.

Und natürlich hat sich in den vergangenen mehr als drei Jahrzehnten auch technisch so einiges verändert: "Früher wurden die Texte der Siedlungszeitung noch mit Schreibmaschine getippt", weiß Sautner und präsentiert alte Ausgaben, die er in einem Schnellhefter abgeheftet hat. Zum Abheften seien die früheren Ausgaben von "Rund um die Waschküche" konzipiert gewesen.

In der aktuellen Ausgabe steht vor allem die Frage nach der Nutzung des alten Gemeindehauses in der Kollwitzstraße 5, das seit Jahren das Dasein eines leerstehenden Gebäudes fristet. "Die Stadt hat es vom Evangelischen Regionalverband gekauft und prüft derzeit wohl, ob dort eine Kita errichtet werden kann", sagt Sautner. Doch genau das wünschen sich die Bewohner von Westhausen eigentlich nicht. "Es hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die dort ein soziales und medizinisches Nachbarschaftszentrum umgesetzt sehen möchte", erzählt er weiter. Eine Informationsveranstaltung hierzu gebe es am heutigen Samstag, 14. Mai, von 13 bis 15 Uhr auf dem Gelände des alten Gemeindehauses.

In der Ausgabe thematisiert werden außerdem auch "Elterntaxis" vor den Schulen, die notwendige Sanierung der Kollwitzstraße oder Veranstaltungen wie das Kindertheater, das im Oktober vom Kulturkreis im Saal der katholischen Kirchengemeinde Christ-König organisiert wird. Alexandra Flieth

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