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Eigener Nachfolger fürs 9-Euro-Ticket: Frankfurt präsentiert neue Fahrkarten-Optionen

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Die Koalition schichtet Fahrkarten-Subventionen um: Ärmere Menschen fahren in Frankfurt günstiger, Wenigfahrer zahlen mehr.

Frankfurt – Arme Frankfurter sollen vom neuen Jahr an erheblich günstiger mobil sein. Die Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt will die Fahrkartenpreise für Inhaber des Frankfurt-Passes drastisch reduzieren – für einige von ihnen gibt es sogar ein neues 9-Euro-Ticket.

„Die aktuelle Lage mit massiv steigenden Lebenshaltungskosten stellen Menschen und ganz besonders Familien mit geringem Einkommen vor riesige Herausforderungen“, erklärt Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne). Sie und Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) schlagen deshalb vor, dass Frankfurt-Pass-Inhaber die RMV-Zeitkarten für Frankfurt für nur noch rund 30 Prozent des normalen Preises kaufen können.

Schüler und Senioren fahren in Frankfurt günstiger

Konkret sollen Schüler und Senioren pro Jahr im Hessenticket zu 109,50 Euro mobil sein, also 9,13 Euro im Monat - statt bisher 365 Euro im Jahr. Für erwachsene Frankfurt-Pass-Inhaber sinkt der Preis der 9-Uhr-Monatskarte für das Stadtgebiet im Abo von 56,50 auf 16,95 Euro. „So stellen wir sicher, dass auch finanziell nicht so gut gestellte Frankfurter in der Stadt - ob zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Freunden - mobil sein können“, erklärt Elke Voitl. „Mobilität muss für alle bezahlbar sein“, betont Stefan Majer. Die Preissenkung bedeute „eine nachhaltige finanzielle Entlastung der Nutzerinnen und Nutzer des Frankfurt-Passes“.

Hauptbahnhof Frankfurt
Damit Bahnfahren auch für jene erschwinglich bleibt, die wenig haben, will die Stadt Frankfurt Fahrkarten für Bezieher des Frankfurt-Passes künftig günstiger anbieten. Gelegenheitsfahrer zahlen dafür bald mehr. © Sebastian Gollnow/dpa

Den Frankfurt-Pass kann erhalten, wer ein Monatseinkommen von weniger als 976 Euro hat. Mit ihm gibt es oft stark rabattierten Eintritt in Bäder, Zoo, Theater und Museen, für Kinder sogar teilweise gänzlich kostenlos. 5,7 Millionen Euro lässt sich die Stadt das bisher im Jahr kosten, davon 3,2 Millionen für die rabattierten Fahrkarten. Laut Voitl und Majer steigt dieser Anteil mit dem neuen Rabatt auf voraussichtlich 9,8 Millionen Euro ab 2023.

Frankfurt: Mit rabattierten Einzeltickets soll bald Schluss sein

Um das zu refinanzieren, will die Koalition Schluss machen mit den rabattierten Einzeltickets und Tageskarten für Frankfurt. So kostet die Einzelfahrt in der Stadt bisher 2,85 Euro, während der Regeltarif des Rhein-Main-Verkehrverbundes (RMV) ab 2023 bei 3,40 Euro liegt. Tageskarten verkauft die Stadt bisher zu 5,50 Euro, während der RMV ab 2023 dafür 6,65 Euro kassiert.

Diese Subventionierung hatte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der sowohl den Aufsichtsrat der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq wie auch des RMV führt, vorangetrieben und beworben. Sie kommt aber bei Stammkunden nicht gut an: „Jeder bekommt Rabatte, Rabatte, Rabatte und ich zahle voll“, hatte sich ein verärgerter Jahreskarten-Vollzahler erst im Januar in dieser Zeitung beschwert.

Neue Rabattkarte für Gelegenheitsfahrer in Frankfurt

Auch in der Fachwelt wird die Subventionierung von Gelegenheitsfahrgästen statt Stammkunden als wenig zielführend angesehen, um Fahrgäste anzulocken und zu halten. So plädiert etwa der Verkehrsclub VCD dafür, besser die Grundpreise im Nahverkehr zu senken. Im Dezernat von Stefan Majer stellte man seinerzeit klar, dass die Stadt „besonders treuen Kunden entgegenkommen“ wolle, wofür man „besonders auf die Zeitkarten schauen“ müsse.

Zugleich kommt der vom OB eingeführte Rabatt für die Wenigfahrer die Stadt teuer. Laut OB-Büro musste die Kommune für den Frankfurt-Rabatt bei Einzel- und Tagestickets 2,9 Millionen Euro allein im Jahr 2020 extra an den RMV zahlen. Nach Angaben aus der Stadtverwaltung ist die Summe längst auf acht Millionen angestiegen. Inzwischen kalkuliert man im Römer für 2023 sogar mit satten zehn Millionen Euro Zusatzzahlung an den RMV. Diese Subvention will die Koalition nun umlenken zugunsten der Frankfurter mit geringen Einkommen. Eine Rabattoption für die Gelegenheitsfahrgäste soll es dennoch auch nach dem Jahreswechsel weiterhin geben, erläutert Mobilitätsdezernent Majer: über die neue Rabattkarte des RMV, die zum 1. Januar 2023 eingeführt werden soll.

Eine „Bahncard für Frankfurter“ – So soll sie funktionieren

Sie funktioniert genauso wie die Bahncard: Für 10 Euro im Monat gekauft, erhalten Inhaber Einzel- und Tageskarten zu deutlich rabattierten Preisen. Mit der RMV-„Basiskarte“ koste die Einzelfahrt in Frankfurt zukünftig sogar nur noch 2,55 Euro und die Tageskarte 5 Euro, rechnet Majer vor. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Das erfolgreiche 9-Euro-Ticket ist bereits seit zwei Monaten passé – ein vorgeschlagenes 365-Euro-Angebot hat Frankfurt abgelehnt.

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