Zahlreiche Menschen - die Polizei sprach von jeweils 150 am Freitag, Samstag und Sonntag - badeten verbotenerweise im Fluss.
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Zahlreiche Menschen - die Polizei sprach von jeweils 150 am Freitag, Samstag und Sonntag - badeten verbotenerweise im Fluss.

Umweltsünder

„Sprachlos und wütend“: An der Nidda wird weiter gefeiert und geschwommen

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Am Wochenende zog es die Massen wieder in das Landschaftsschutzgebiet. Oft spielten die Besucher Katz- und Maus mit der Polizei.

  • An der Nidda in Frankfurt geht das Problem mit der Verschmutzung und Feiernden weiter.
  • Die Polizei ist gegen die Massen an der Nidda machtlos.
  • Die Anwohner an der Nidda sind sauer.

Frankfurt - Die Probleme mit Umweltfrevlern, wilden Campern und rücksichtslosen Feierwütigen im Landschaftsschutzgebiet am Niddaufer im Bereich der alten Höchster Wehr reißen nicht ab: Am Wochenende strömten meist ab der Mittagszeit viele hundert Menschen an die Nidda und die angrenzenden Grünflächen, suchten verbotenerweise in den Fluten des Flusses Abkühlung vor der Hochsommerhitze, fuhren mit Autos und Quads direkt ans Ufer und hinterließen wie schon in den vergangenen Tagen jede Menge Müll.

Im Unterschied zu den vergangenen Wochenenden allerdings versuchten Ordnungshüter von Freitag bis Sonntag, dem illegalen Treiben Einhalt zu gebieten. "Wir waren diesmal mit einigen Kollegen der Stadtpolizei am Freitag, Samstag und Sonntag vor Ort", berichtete Polizeisprecher Marc Draschl auf Anfrage. Jeweils etwa 150 illegal badenden Besuchern hätten die Beamten aufgefordert, die Nidda zu verlassen. "Dem kamen alle, meist waren es Familien mit Kindern, auch sofort nach", betonte Draschl. Am Sonntag wiederum hätten Kollegen vor allem "aus Brandschutzgründen Personen ermahnt, die grillen wollten".

Feiernde an der Nidda in Frankfurt: "Wir kämpfen gegen Windmühlen"

Allerdings waren die Polizisten mit ihrem Appell an die Verantwortung nicht annähernd so erfolgreich wie der Wolkenbruch am Sonntagabend, der viele in Scharen nach Hause trieb. Denn meist spielten sich an der Nidda Szenen eines Katz- und Mausspiels ab, das ein Facebook-Nutzer so beschrieb. "Viele Leute warten in der Nähe solange, bis die Beamten weg sind, kommen dann wieder und baden oder grillen einfach weiter."

Das räumte auch Marc Draschl ein: "Uns ist klar, dass wir hier gegen Windmühlen kämpfen". Doch sofern keine Körperverletzung oder Sachbeschädigung vorliege, fehle den Polizisten schlicht die Handhabe. Außerdem habe man nicht das Personal, um das Naturschutzgebiet ständig zu überwachen. "Es gibt in Frankfurt ja noch andere Orte, um die wir uns kümmern müssen", gab er zu bedenken. Wolle man wirklich den ganzen Bereich an der Nidda kontrollieren, müsse man "sich etwas anderes einfallen lassen - aber das ist dann Sache der Stadt, nicht unsere".

Feiernde an der Nidda in Frankfurt: Widerstand regt sich

Unterdessen formiert sich in den sozialen Netzwerken weiter Widerstand gegen die Natursünder. "Party, wildes Zelten und offene Feuer" prangerte etwa Rainer Jung auf der lokalen Nieder Facebookgruppe an. Am Samstag beobachtete er beispielsweise noch bis "mindestens Mitternacht Autos, die an der Wiese unterwegs sind." Insgesamt stellte der Naturfreund eine Eskalation des Problems "seit diesem Sommer" fest. "Davor gab es nur Gelegenheits-Schweinereien."

Einige umweltbewusste Bürger wie er dokumentieren nicht nur die Verstöße, sondern versuchen auch, die Übeltäter auf ihre Verstöße aufmerksam zu machen. Allerdings meist ohne Erfolg - dafür mit dem Risiko, selber zur Zielscheibe der Umweltfrevler zu werden. "Ich bin entsetzt, sprachlos und wütend", schrieb eine Nutzerin etwa angesichts der Müllberge an der Nidda. Sie klagt: "Beim Bildermachen bin ich auch noch bedroht worden."

michael forst

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