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Jan M. mit Rechtsanwältin Gabriele Bender-Paukens und Rechtsanwalt Wolfgang Euler.

Ex-Gastronom vor Gericht

Niddapark-Prozess: Fragliche Spuren im Mordfall Irina A.

Ex-Gastronom Jan M. soll im Mai 2018 seine Geschäftspartnerin Irina A. im Niddapark in Frankfurt getötet haben. Beim Prozess zweifelt sein Verteidiger jedoch an Spuren. 

Frankfurt - Der Mann, der den voll besetzten Gerichtssaal in Handschellen betritt, wirkt schmal und blass. Kammer und Zuschauer sind gespannt auf das, was der wegen heimtückischen Mordes angeklagte ehemalige Szene-Gastronom Jan M. (51) von seinem Anwalt verlesen lässt. 

Um seine finanziellen Verhältnisse soll es gehen. Zum zweiten Mal verschiebt der Anwalt die Einlassung. "Wir warten noch auf Gutachten-Ergebnisse", so die Begründung. Gleichzeitig steht die luxuriöse Penthaus-Wohnung im Westend von M. zum Verkauf. 

Frankfurt: Mord im Niddapark - Zeugen sagen vor Gericht aus

191 m² Wohnraum mit 3,50 Meter hohen Decken als Maisonette, zwei Dachterrassen à 60m² für 1,75 Millionen Euro. Top saniert und mit edlen Fliesen, die in der Zeit verlegt wurden, als der grauenhafte Mord im Niddapark geschah.

Die Handwerker mussten als Zeugen vor Gericht aussagen. Ebenso wie Dutzende Bekannte, Mitarbeiter, Geschäftspartner, Familienangehörige der Toten und Geliebten von Jan M. Mit 21 Messerstichen soll er die junge Frau im Nidda-Park in Frankfurt getötet haben, der er Geld geschuldet haben soll. 

Niddapark-Mord in Frankfurt: Konnte Angeklagter Wohnung verlassen?

Der Gastronom gelangte erstmals in Negativ-Schlagzeilen, als er einen Sexmob an Silvester 2016 in seinem ehemaligen Lokal "First Inn" auf der Freßgass erfunden hatte. Irina A. soll daran beteiligt gewesen sein, befand sich zu der Zeit allerdings im Ausland.

Die Bar ist längst verkauft, der Edel-Italiener Garibaldi geschlossen. Sein Anwalt hält M. für unschuldig. Er fordert eine Ortsbegehung der Luxuswohnung im Penthaus, um zu beweisen, dass M. die Wohnung nicht verlassen konnte, ohne von den Handwerkern bemerkt zu werden. 

Frankfurt: Prozess um Niddapark-Mord - Spürhunde im Einsatz

Wie bei diversen weiteren Anträgen des Anwalts gibt das Gericht dem Termin nicht statt. "Ich bin dafür, einen Polizeibeamten zur Ortsbegehung in die Wohnung zu schicken, um die Richtigkeit Aussage einer der Handwerker zu verifizieren", entscheidet der Vorsitzende Richter.

Der Verteidiger ist auch der Meinung, dass die Spuren, die speziell ausgebildete Hunde erschnüffelt haben, nicht richtig sein können. Vier beteiligte Hundeführerinnen erscheinen vor Gericht. Ebenso wie ein Sachverständiger, den die Verteidigung bestellt hat. Als Irina A. im tiefen Gras im Niddapark entdeckt wurde, konnte die Leiche nicht identifiziert werden. 

Spurensuche im Niddapark: "Der Einsatz war ungewöhnlich"

Um herauszufinden, wer sie war, wurden von den Hundeteams, sogenannten Mantrailern, angefordert. Sie sollten herausfinden, ob die Frau mit einem Fahrzeug zum Park kam und welche Wege sie gegangen war.

"Normalerweise suchen wir verschwundene Personen", erklärte Zeugin Nicole O. (38). "Der Einsatz war ungewöhnlich, da die Hunde im Prinzip rückwärts suchen mussten. Wir hatten die Leiche, wussten aber nicht, wer es ist." 

Prozess in Frankfurt: Wie zuverlässig sind Ergebnisse?

Die Hundeführerinnen hatten ihren Suchhunden Blut vom Fundort und etwas vom Schuh zum Schnüffeln gegeben. Schuhe und Strümpfe hatte sich Irina A. von einer Freundin geliehen. An manchen Stellen haben die Hunde dennoch angeschlagen.

Wie zuverlässig die Ergebnisse sind, erklärt der Sachverständige so. "Bei einem Drittel der Spurensuche ist es Erfolg, bei einem Drittel Indifferenz und bei einem Drittel Totalversagen. Was stimmt, kann der Hund nicht sagen. Hunde reden nicht." Der Prozess wird am 21. Oktober fortgesetzt.

Von Sabine Schramek

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