Daumen runter für diesen Schandfleck in Frankfurt: Immer wieder wächst mitten auf der Zufahrt für Rettungsdienste vor dem Wohnhaus in der Mumm-von-Schwarzenstein-Straße ein Müllberg. 
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Daumen runter für diesen Schandfleck in Frankfurt: Immer wieder wächst mitten auf der Zufahrt für Rettungsdienste vor dem Wohnhaus in der Mumm-von-Schwarzenstein-Straße ein Müllberg. 

Schandflecken in Frankfurt-Nied

Eklige Verwahrlosung: Anwohner in Nied ärgern sich über Ratten und Müllberge

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Ein großer Müllberg mitten in einer Einfahrt für Feuerwehr und Rettungsdienste erregt den Unmut vieler Anwohner der Mumm-von-Schwarzenstein-Straße in Frankfurt-Nied. Doch das ist längst nicht das einzige Ärgernis für die leidgeplagten Menschen der Siedlung.

  • Anwohner in Frankfurt ärgern sich über Dreck
  • Im Stadtteil Nied lagern große Müllberge
  • Auch Ratten sind ein Problem

Frankfurt - Der Frust ist fast greifbar, als sich ein Dutzend Anwohner der Mumm-von-Schwarzenstein-Straße in Frankfurt-Nied zum Ortstermin mit dieser Zeitung treffen. Die Frauen und Männer, die nur mit ihren Vornamen genannt werden wollen, weil sie Aggressionen anderer Bewohner fürchten, führen den Besuch von einem Schandfleck in ihrer Straße zum nächsten. 

Da ist an der Ecke zur Birminghamstraße der demolierte Altkleider-Container vom Deutschen Roten Kreuz. Unbekannte haben Böller hineingeworfen, die Feuerwehr musste den Behälter aufbrechen. Überall um den Container herum liegt die Kleidung verteilt. "Das erleben wir jedes Jahr", sagt Karin, die ein Foto davon in der Nieder Facebook-Gruppe gepostet hat, versehen mit dem ironischen Kommentar: "Nied ist schön!".

Frankfurt-Nied als Deponie - Fremde laden Elektroschrott ab

Nur ein paar Meter straßeneinwärts zeigt die Gruppe das nächste Dauerärgernis: In der Einfahrt vor der Hausnummer 2 stapelt sich ein Müllberg, der eher an eine Deponie erinnert. "Eigentlich soll das hier ein Sperrmüllhaufen sein", verraten die Bewohner. Stattdessen liegen hier hochgestapelt ein riesiger Kühlschrank, offenbar aus der Gastronomie, alte Autoreifen, Restmüll und Bauschutt. So verwundert nicht, dass dieser Müll seit Weihnachten nicht abgeholt worden ist.

Wer so was macht? Die Anwohner beobachten oft Autos, etwa aus dem Main-Taunus-Kreis, die hier ihren Elektroschrott einfach abladen. Aber auch andere Hausbewohner, ob unwissend oder skrupellos, seien für die illegalen Ablagerungen verantwortlich, sagen sie.

Frankfurt: Müll und Dreck rauben Lebensqualität - Rattenplage

"Eigentlich wohne ich gerne hier", sagt Karin, die vor 30 Jahren ins Quartier gezogen ist. Der schöne Park in der Nähe, die tolle Anbindung mit den Verkehrsmitteln nach Frankfurt - all das gefällt ihr. Doch der allgegenwärtige Müll und Dreck raube die Lebensqualität. Perfekt sauber müsse es ja nicht sein - "aber doch auch nicht so, dass man sich schämen muss." Die anderen nicken bestätigend. Einer fügt hinzu: "Mir ist es peinlich, wenn ich Besuch bekomme."

Wenige hundert Meter zeigen die Anwohner einen eingezäunten Sammelplatz für Mülltonnen. Hier tummelten sich in den wärmeren Monaten die Ratten. Der umgebende Erdwall sei komplett mit Rattentunnel untergraben. "Mancher Dackel ist kleiner als so ein Tier", sagt Zeynep. Die junge Mutter ist mit ihrem kleinen Sohn Jan im Kinderwagen zur Gruppe gestoßen.

Frankfurt: Müll ist Gefahr für Kinder - Glasscherben und Kippen im Sandkasten 

Sie berichtet von einem anderen Problem: "Als Jan mit sieben Monaten seine ersten Schritte auf dem kleinen Spielplatz da drüben machen wollte" - sie zeigt die Straße herunter - "war das erste, was er im Sandkasten aufhob, Glasscherben und Zigarettenstummel."

Auf dem großen Spielplatz hinter den Wohnhäusern, der der Stadt Frankfurt gehört, machen die Bewohner ein anderes Problem geltend: Im Sommer sitzen da große Menschengruppen. "Sie feiern bis spät in die Nacht", berichtet eine Frau namens Therese. "Sie rauben den Anwohnern, die anderntags früh arbeiten müssen, den Schlaf."

Frankfurt: Immer wieder Müll auf der Straße

Doch zumindest kurzfristig gibt es für die leidgeplagten Anwohner der Mumm-von-Schwarzenstein-Straße Erfreuliches zu melden: Von dieser Zeitung und der ebenfalls informierten Stabsstelle Sauberes Frankfurt auf den wachsenden und illegalen Müllberg angesprochen, reagierte die zuständige Wohnungsbaugesellschaft Vonovia umgehend und ließ den "Berg der Schande" entfernen. 

Sprecherin Katja Mazurek räumt ein, dass es in dieser Liegenschaft immer wieder zu Müllansammlungen komme. "Wir können gut nachvollziehen, dass die für unsere Mieter ein großes Ärgernis sind." Um das von vorneherein zu vermeiden, informiere die Vonovia per Aushang in den Treppenhäusern immer über die kostenfreien Sperrmüll-Abholtermine in ihrer Siedlung, so Katja Mazurek.

Frankfurt: Probleme mit Müll müssen gemeinsam behoben werden

Das macht im Übrigen auch die Stadt, wie sowohl Dagmar Schöne von "Sauberes Frankfurt" als auch Stefan Röttele vom städtischen Müllentsorger FES betonen. "Wir verteilen dabei auch Flyer mit Piktogrammen, um mögliche Sprachbarrieren zu überwinden", sagt er. Auch Marja Glage vom Quartiersmanagement Nied sind die Klagen der Anwohner nicht fremd. Ihre Botschaft an die Betroffenen: "Diese Probleme sind nur gemeinsam mit den Bewohnern zu lösen. Und dafür haben wir ein geeignetes Forum, etwa in Form des Bewohner-Treffs." Der nächste für Nied-Mitte sei am 29. Januar im Jugendhaus in der Birminghamstraße.

Entwarnung in Sachen Ratten kommt derweil von der ABG Frankfurt Holding - in den Zuständigkeitsbereich ihrer Tochter Wohnheim GmbH fällt der Tonnen-Sammelplatz: Im Februar 2019 habe der Hausmeister das Problem gemeldet. Sofort darauf und noch ein zweites Mal im April seien Kammerjäger den Tieren mit Fressködern zu Leibe gerückt. Die Maßnahmen hätten gut angeschlagen. Doch um ganz sicherzugehen, laufe noch bis zum Mai eine einjährige Überwachung der Situation am Sammelplatz.

Von Michael Forst

Eine Bürgerin hat genug. Der Grund: Die Straße in Frankfurt-Nied, in der sie lebt, ist voller Müll. Ihr Vermieter sieht keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.

Auch nicht vorhandene Parkplätze stellen in Frankfurt-Nied ein Problem dar. AmFrankfurter Hauptbahnhof sorgt hingegen ein Dieselaggregat für Ärger, das seit Monaten ununterbrochen läuft. 

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