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In der AWO-Affäre in Frankfurt droht der neue Vorstand zu einer Farce zu werden.

„Wir brauchen einen neuen Vorstand“

Von wegen Läuterung: Neuer AWO-Vorstand droht zu einer Farce zu werden

In der AWO-Affäre in Frankfurt droht der neue Vorstand zu einer Farce zu werden. Klemens Mielke vom Ortsverein Nied fordert: „Wir brauchen einen neuen Vorstand!“

Frankfurt - Den 18. Januar hat Klemens Mielke (49) sich in den Kalender eingetragen. Mielke ist sicher: „Wir brauchen ein neues Präsidium und einen neuen Vorstand!“ Er leitet den Ortsverein Nied der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt, einer Organisation, für die 2019 ein ganz schwarzes Jahr war. Die „FNP“ hatte den AWO-Skandal aufgedeckt. Inzwischen sind das ehrenamtliche Präsidium der AWO und der langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter zurückgetreten.

„Wir brauchen ein neues Präsidium, wir brauchen einen neuen Vorstand“, sagt Mielke. „Die seitherigen haben jedes Vertrauen verloren. Das Vertrauen der Mitglieder, das Vertrauen der Partner - es muss alles neu aufgebaut werden“, so der Nieder AWO-Chef. Es sei entscheidend, dass der Wille zur Erneuerung bei der Wahl des ehrenamtlichen Präsidiums zum Ausdruck komme. 

Die Vertreter der 34 Ortsverbände der AWO Frankfurt wählen am 18. Januar aus ihrer Mitte ein neues Präsidium, dessen Aufgabe die Kontrolle des Vorstands ist. In den vergangenen Jahren, so das harsche Urteil des AWO-Bundesvorsitzenden Wolfgang Stadler, habe diese Kontrolle „absolut versagt“. Nur so konnten sich in Frankfurt Strukturen bilden, die die AWO an den Abgrund geführt haben.

Frankfurt: Der AWO-Skandal weitet sich aus

Schon im Sommer, nach den ersten Veröffentlichungen der „FNP“, wollte der langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter zurücktreten. Dennoch wurde er Vorsitzender des neuen, dreiköpfigen Vorstandes. Seine Stellvertreter: Jasmin Kasperkowitz und Panagiotis Triantafillidis. Das ehrenamtliche Präsidium bestimmte später die 37-jährige Jasmin Kasperkowitz zur Nachfolgerin, wenn Jürgen Richter zum Jahresende in den Ruhestand geht. 

In der Awo-Affäre in Frankfurt droht der neue Vorstand zu einer Farce zu werden. Klemens Mielke (3.v.r.) vom Ortsverein Nied fordert: „Wir brauchen einen neuen Vorstand!“

Vor zwei Wochen ist Richter zurückgetreten, am 1. Januar soll Kasperkowitz Vorstandsvorsitzende werden. Auf ihren dann frei werdenden Posten des stellvertretenden Vorstands rückt, so der Beschluss des Präsidiums, Klaus Roth nach. Dies erklärte AWO-Sprecher Johannes Frass dieser Zeitung vor einigen Tagen.

Läuterung im AWO-Skandal in Frankfurt? Vonwegen!

Nach Erneuerung sieht das noch nicht aus. Vielmehr sind Kasperkowitz, Triantafillidis und vor allem Klaus Roth eng im System der AWO verbunden. Kasperkowitz ist den berühmt gewordenen Dienstwagen im Wert von 80.000 Euro gefahren, einen Audi RS mit 450 PS.

Triantafillidis und Roth (Dienstwagen: Mercedes AMG, 55.000 Euro) sind zwei schillernde Erscheinungen, die bei der Stadt aufgefallen sind im Zusammenhang mit der AWO-Betreuung zweier Flüchtlingsheime. Als Rechtsanwalt hat Triantafillidis für die beiden Heime und die Awo Verträge ausgehandelt - und dafür 195.402,52 Euro in Rechnung gestellt, wie die „FNP“ berichtete. Tatsächlich erstattet habe die Stadt nur 26.641,90 Euro.

Frankfurt: Ominöses Spiel im AWO-Skandal um Roth

Klaus Roth schließlich ist die Hauptfigur im ominösen Spiel um ausgelagerte Gesellschaften, welches die AWO Frankfurt - und auch die in Wiesbaden - ins Gerede gebracht hat. Roth, bei der AWO Leiter des Geschäftsfelds Kindertagesstätten, war zugleich auch Geschäftsführer der ausgegründeten gemeinnützigen „Awo Protect GmbH“. Diese AWO Protect sorgte in den beiden Flüchtlingheimen der AWO für Sicherheit - ohne eigenes Personal, dafür mit Subunternehmen. 

Die Rechnungen, die die AWO Protect an die AWO Frankfurt stellte - mithin jener Klaus Roth an den damaligen AWO-Geschäftsführer Jürgen Richter und die dieser weiterreichte an die Stadt Frankfurt -, hatten es in sich. Sie waren es, die die städtischen Rechnungsprüfer auf die Spur führten, mit dem Ergebnis, dass die AWO den städtischen Auftrag zur Flüchtlingsbetreuung Ende 2018 verloren hat. Die Gesamthöhe dieser Rechnungen soll sich auf sieben Millionen Euro belaufen haben. Alleine im August 2018 waren es nach der „FNP“ vorliegenden Unterlagen rund 360.000 Euro.

Frankfurt und der AWO-Skandal: „Wir brauchen einen neuen Vorstand“

Das Trio Kasperkowitz, Triantafillidis und Roth soll also im neuen Jahr den AWO-Komplex aufklären, das neu zu wählende ehrenamtliche Präsidium soll sie dabei kontrollieren.

Dagegen protestiert Klemens Mielke, Vorsitzender des mit 300 Mitgliedern stärksten AWO-Ortsvereins Nied. „Wir brauchen einen neuen Vorstand!“, fordert er. Der neue Vorstand dürfe nichts mit den alten Seilschaften zu tun haben. Mielke hat sich schon früh auf die Seite der Aufklärer gestellt. Am 18. Januar entscheidet sich, ob die Aufklärer den alten Vorstand feuern werden. 

Von Thomas J. Schmidt

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