Die Schranke ist oben, der Zug der Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn in Richtung Hauptbahnhof fährt langsam durch: Dieses Szenario erlebten viele Menschen am Donnerstagabend gegen 19.30 Uhr am Bahnübergang in der Oeserstraße, wo erst am 7. Mai eine 16-Jährige tödlich verunglückt ist und zwei weitere Menschen von einem bei offener Schranke durchfahrenden Zug schwer verletzt worden sind.
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Die Schranke ist oben, der Zug der Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn in Richtung Hauptbahnhof fährt langsam durch: Dieses Szenario erlebten viele Menschen am Donnerstagabend gegen 19.30 Uhr am Bahnübergang in der Oeserstraße, wo erst am 7. Mai eine 16-Jährige tödlich verunglückt ist und zwei weitere Menschen von einem bei offener Schranke durchfahrenden Zug schwer verletzt worden sind.

Verkehr in Frankfurt

Lebensgefährlicher Bahnübergang: Schranke in der Oeserstraße schließt erneut nicht - Zug fährt durch

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Schon wieder kam es am Donnerstagabend (09.07.2020) zu einem gefährlichen Zwischenfall am Bahnübergang Oeserstraße, an genau der Stelle also, an der im Mai eine junge Frau ums Leben kam.

  • Erneut ist es zu einem gefährlichen Zwischenfall am Bahnübergang Oeserstraße in Frankfurt gekommen
  • Eine Schranke blieb offen und rührte sich nicht
  • Genau diese Schranke wurde bei einem tödlichen Unfall im Mai zerstört und dann ersetzt

Frankfurt - Der Vorfall hätte wieder Menschenleben kosten können: Gegen 19.35 Uhr haben sich am Donnerstagabend die Schranken des Bahnübergangs an der Oeserstraße geschlossen - bis auf eine: Die bei dem tödlichen Unfall zerstörte und danach ersetzte Schranke an der Ecke zur Birminghamstraße blieb offen und rührte sich nicht. „Dann passierte bei geöffneter Schranke ein Zug den Bahnübergang“, sagt Thorsten Deeg, als Anwohner einer der Zeugen des Zwischenfalls. Die Geschwindigkeit des Zuges der Königsteiner Kleinbahn, der in Richtung Hauptbahnhof unterwegs war, sei allerdings sehr gering gewesen. Andere Zeugen berichteten, der Lokführer habe sich geradezu in den Bahnübergang hineingetastet. Offenbar hatte er über den Funktionsausfall der Schranke noch rechtzeitig informiert werden können.

Gefährlicher Zwischenfall am Bahnübergang Oeserstraße: Strecke gesperrt

Noch am Donnerstagabend (09.07.2020) ist die erst vor Kurzem nach Reparatur und Sicherheitsüberprüfung freigegebene Bahnstrecke wieder gesperrt worden, und noch am Donnerstagabend mühten sich Techniker der Bahn damit, die Schranke wieder gangbar zu bekommen. „Was das Verwaltungsgericht Frankfurt nicht geschafft hat - die Sperrung der Bahnstrecke -, schafft nun die Bahn selber“, sagt Tobias Fechler, der Vorsitzende der CDU Nied - er war infolge des tödlichen Unfalls vom Mai mit seinem Antrag auf einstweilige Verfügung zur Sperrung der Strecke vor Gericht gescheitert.

Der Zwischenfall, bei dem niemand zu schaden kam, kochte noch am gleichen Abend in den sozialen Medien hoch - weil es genau dieselbe Situation war, die im Mai ein Menschenleben gekostet hatte. Damals war der Zug ungebremst durchgefahren. Das Verhalten des Lokführers am Donnerstagabend entspricht der Gesetzeslage: An einem mit Andreaskreuz kenntlich gemachten Bahnübergang hat der Zugverkehr Vorrang - auch wenn die Schranken oben sind. Die Missachtung dieser Vorfahrt kostet andere Verkehrsteilnehmer übrigens - auch wenn nichts passiert - 80 Euro und einen Punkt in Flensburg. Der Verstoß gegen die Wartepflicht, obwohl die Schranken sich senkten, ein Bahnbediensteter "Halt" gebietet oder ein hörbares Signal des herannahenden Zuges ertönt, schlägt mit 240 Euro und zwei Punkten zu Buche; dazu kommt ein Monat Fahrverbot. Die Überquerung eines Bahnübergangs bei geschlossener Schranke oder Halbschranke kostet motorisierte Verkehrsteilnehmer 700 Euro, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot; wer zu Fuß drüberläuft oder mit dem Rad drüberfährt, bezahlt immerhin noch 350 Euro.

Zwischenfall an Bahnübergang in Frankfurt: „Das ist natürlich alles andere als gut“

Auf ihrem Twitter-Konto antwortete die Deutsche Bahn noch am Donnerstagabend der Initiative Frankfurt-West auf ihre Anfrage, was denn schon wieder mit der Schranke sei: „Das ist natürlich alles andere als gut. Man steckt leider in der Technik nicht drin und es kann, wie überall, auch mal zu einer Störung kommen. Und dann muss sich so was erstmal ein Techniker anschauen.“

Die Techniker der Bahn waren auch gestern Vormittag noch zugange; am Mittag war die Störung dann behoben, der täglich von 265 Zügen genutzte Streckenabschnitt ist seitdem wieder freigegeben. Wie ein Sprecher der Bahn sagte, sei ein Schrankenantrieb blockiert gewesen.

Die Forderung nach Beseitigung dieses Bahnübergangs - des letzten von Hand betriebenen in ganz Frankfurt - besteht seit Jahrzehnten; nach dem Unglück vom 7. Mai hat sich eine Bürgerinitiative gebildet und bereits mehr als 4000 Unterschriften gesammelt. Mit der Fertigstellung einer Unterführung rechnet der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) in frühestens acht Jahren; zusammen mit der DB sei die Genehmigungsplanung beauftragt worden. Oesterling schließt Klagen von Anwohnern gegen die Unterführung nicht aus, weil Eingriffe in Grundstücke notwendig sind.

Gefährlicher Bahnübergang Oeserstraße in Frankfurt: Deutsche Bahn fällt mit überheblichem Ton auf

Zunehmend mehren sich auch Beschwerden über den Ton, den die Bahn gegenüber Bürgern an den Tag legt. "Ob es sich um den Bahnübergang in der Oeserstraße, den barrierefreien Umbau des Bahnhofs Griesheim und früher auch des Bahnhofs Höchst handelt, die Deutsche Bahn hat sich in keinem dieser Fälle als ,netter' Partner gezeigt, dafür aber meistens als überheblich. Diese Überheblichkeit bei öffentlichen Vorstellungen war mit Händen zu greifen. ", meint etwa Dominike Pauli, Vorsitzende der Linken-Fraktion im Römer wie auch im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen).

Ein Bahnsprecher hatte auf Kritik reagiert, die während der letzten Demo am Dienstagabend geäußert worden war und entgegnet, die Beseitigung des Bahnübergangs sei nicht Sache der Bahn, sondern der Stadt. Pauli spricht von einer "trotzig-beleidigten Reaktion"; die Bahn wolle der Stadt den Schwarzen Peter zuschieben. Tatsache sei, dass es bei allen genannten Projekten und vielen anderen zu "häufigen Verzögerungen, Verschiebungen und Änderungen" gekommen sei - deshalb hätten weder Bürger noch Politiker "noch viel Vertrauen in die Bahn". Die Stadt solle, um Druck zu machen, die an die Bahn zu zahlenden Stationsgebühren einbehalten, wie es aus dem Ortsbeirat schon einmal angeregt worden sei. (Von Holger Vonhof)

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