In diesem Haus im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach wohnt seit zwölf Jahren niemand mehr.
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In diesem Haus im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach wohnt seit zwölf Jahren niemand mehr.

Leerstand in Nieder-Eschbach

Frankfurt: Im Geisterhaus am Rübenacker wohnt schon lange niemand mehr

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Eine Wohneinheit im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach steht bereits seit zwölf Jahren leer. Das gefällt dem Ortsbeirat nicht.

Nieder-Eschbach - Alle Rollläden sind fest verschlossen. Vorne wie hinten. In dem kleinen Hof des langgestreckten Mehrfamilienhauses in der Weimarer Straße 22 und 24 sitzen zwei steinerne Löwen. Unbeweglich. Genauso still ist es in dem Gebäude, das sie bewachen. Denn dort wohnt seit zwölf Jahren niemand mehr. Sagt zumindest der für Frankfurt-Nieder-Eschbach zuständige Ortsbeirat 15, der sich jüngst mit dem Geisterhaus am Rübenacker beschäftigte. Das Feld beginnt direkt hinter dem Grundstück.

Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach: Geisterhaus mit 78 Appartments

Um 78 Appartements geht es insgesamt. Neben dem Geisterhaus noch um die Liegenschaften 25 und 28 und um die Anlage Unterer Kirchwiesenweg 16 und 18. Sie alle gehören einer älteren Dame, Tochter eines vormals in Nieder-Eschbach tätigen Unternehmers. Bis vor zwölf Jahren wurden die Gebäude im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach noch vermietet. Es gab einen Vertrag mit dem Anlagenbauer Lurgi, der dort Mitarbeiter auf Zeit unterbrachte. Seitdem stehen die Häuser leer. Mehrere Versuche des Ortsvorstehers Ernst Peter Müller, mit der Eigentümerin zu sprechen, seien fehlgeschlagen, sagte dieser.

Der SPD-Stadtverordnete Sieghard Pawlik erstellt seit geraumer Zeit eine Liste leerstehenden Wohnraums in ganz Frankfurt. Er hatte jüngst in der Stadtverordnetenversammlung nachgefragt: „Sind dem Magistrat Gründe für den jahrzehntelangen Leerstand in Nieder-Eschbach bekannt, und welche Möglichkeiten sieht er, mit Hilfe zum Beispiel stadtnaher Wohnungsgesellschaften, des Liegenschaftsamtes, der Wohnrauminitiative Frankfurt zu erreichen, dass die Wohnungen wieder bewohnt werden?“

Magistrat in Frankfurt hat keine Informationen zu den leerstehenden Wohnungen

Planungsdezernent Mike Josef antwortete, dass der Magistrat über keine Informationen zu den leerstehenden Wohnungen in der Weimarer Straße verfüge, aber der Sache nachgehen wolle mit dem Ziel, „die Wohnungen einer Vermietung zuzuführen beziehungsweise den Ankauf zu prüfen“. Dafür gibt es, wie Josefs Sprecher Mark Gellert bedauert, keine rechtlichen Hebel: „Aber wir können, wenn wir so etwas hören, auf die Besitzer zugehen und nachfragen.“ Eine Lösung setze aber immer die Kooperationsbereitschaft der Eigentümer voraus.

Thomas Budenz, der selbst lange beim Großunternehmen Lurgi gearbeitet hat, berichtet: „Lurgi hatte die Appartements zeitweise angemietet und dort Mitarbeiter aus dem Ausland untergebracht.“ Es seien kleine Ein-Zimmer-Küche-Bad-Wohnungen, die - sollte das Gebäude nicht zu sehr verfallen sein - sicher sehr gut in ein Studentenwohnheim umgewandelt werden könnten. Der Riedberg mit seinem Uni-Campus in Frankfurt ist in Fahrrad-Nähe. Ein anderer ehemaliger Lurgi-Mitarbeiter, der selbst im Stadtteil wohnt, glaubt: „In Nieder-Eschbach hat man kein Verständnis.“ Dort würden zwar ständig Böden versiegelt und Baugebiete erschlossen, andererseits stünden solche Häuser leer. „Kann die Stadt da wirklich nichts machen?“, fragt der Mann verständnislos.

Geisterhaus in Frankfurt: Vergeblicher Appell des Anwalts

Beim Ortsbeirat 15 und Ernst Peter Müller (CDU) rennt er damit offene Türen ein. „Ich bin schon oft darauf angesprochen worden.“ Aber die Möglichkeiten seien begrenzt. „Ich habe auch mit dem Anwalt der Eigentümerin gesprochen, und der findet das auch nicht gut, aber mehr als vergeblich appellieren kann niemand tun.“ Das Privateigentum verpflichte zwar, genieße aber einen hohen Schutz. Zu Recht, wie Müller findet. „In der DDR hat man gesehen, wie das geht: Ruinen schaffen ohne Waffen.“

Die Stadt Frankfurt, bedauert Pawlik, habe nach dem Wegfall des Wohnraumzweckentfremdungsgesetzes in Hessen nicht einmal mehr die Möglichkeit, ein Register zu führen, um solche Immobilien zu erfassen. „Ich schätze, es gibt mindestens 10.000 leerstehende Wohnungen.“ Im vorliegenden Fall in Nieder-Eschbach seien es mehrere benachbarte Häuser, gut erhalten, zum Teil gebe es Tiefgaragen, zum Teil einen Garagenhof, manchmal gar künstlerisch wertvolle Skulpturen im Vorgarten. „Es macht mich fassungslos, wenn ich sehe, dass das bei der derzeitigen Wohnungsnot seit Jahren leer steht. Das darf doch nicht wahr sein.“

Eigentümer des Geisterhauses in Frankfurt nicht zu erreichen

Die Eigentümerin war für diese Zeitung nicht zu erreichen. Ihr Anwalt Dr. Stefan von Holst sicherte zu: „Ich werde versuchen, mich mit meiner Mandantin in Verbindung zu setzen, um zu klären, was da gegebenenfalls unternommen werden kann oder muss.“ (Thomas J. Schmidt)

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