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Jochen Opitz ist die Entscheidung schwer gefallen, doch am Samstag ist Schluss. Dann schließt das Stammhaus Opitz. 

Niederrad

Ende einer Ära: Traditions-Konditorei Stammhaus Opitz in Niederrad schließt für Kunden

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Das Stammhaus der Konditorei Opitz in Frankfurt-Niederrad schließt. Auf die Waren der Kult-Konditorei müssen Frankfurter dennoch nicht verzichten. 

  • Seit 64 Jahren hat die Konditorei Opitz ihren Stammsitz in Frankfurt-Niederrad
  • Dort werdenKöstlichkeiten für das Café und die Chocolaterie in der Innenstadt produziert
  • Jetzt schließt der Standort in Niederrad für Kunden: „Das passiert schweren Herzens“

Frankfurt – Im Frankfurter Stadtteil Niederrad geht eine Ära zu Ende. Am Samstag schließt das Stammhaus Opitz seine Tore - für Kunden zumindest. Seit 64 Jahren wird an der Bruchfeldstraße für Café und Konditorei Opitz produziert. Verkauft werden die Köstlichkeiten in Niederrad aber in Zukunft nicht mehr.

"Wir machen hier alles selbst", erklärt Inhaber Jochen Opitz, der noch zwei andere Geschäfte in Frankfurt betreibt. "Aber die Zeiten haben sich geändert." Das Haus, in dem sich die Konditorei befindet, hat sein Großvater erbaut. Von ihm hat Jochen Opitz' eigener Vater das Geschäft übernommen, bevor der heutige Inhaber in seine Fußstapfen trat. "Wenn ich sehe, was mein Vater hier noch verkauft hat..."

Frankfurt: Preiskampf unter Konditoreien tobt – Opitz hat es schwer

Doch wie viele kleine Handwerksbetriebe heutzutage, steht auch die Konditorei von Opitz unter großem Konkurrenzdruck. Der Preiskampf tobt in Frankfurt. "Die großen Ketten machen einem das Geschäft kaputt." Den Bedarf der meisten Menschen deckten Discounter. Die Konkurrenz mit ihren vielen Läden könne über Masse gehen. Für Opitz, der in seinen drei Frankfurter Geschäften zwölf Mitarbeiter beschäftigt, ist das unmöglich. "Das sind große Räume, ich habe jeden Monat hohe Stromkosten. In Niederrad habe ich draufgelegt." Seit Jahren mache der Standort Miese. Nun muss Opitz eben agieren.

Es ist eine rationale Entscheidung, leicht fällt sie ihm nicht. "Das passiert natürlich schweren Herzens. Mein Opa hat dieses Haus erbaut, meine Kinder haben hier gespielt." Die Opitz' sind eine echte Frankfurter Bäckerfamilie, auch die Cousins des Vaters und Onkels seien Bäcker und Konditoren. Auch Jochen Opitz ist gelernter Konditormeister, er führt das Geschäft seit 15 Jahren. "Die Rezepte nach denen wir backen sind perfekt, sie sind altbewährt. Solche Produkte kann man nicht einfach irgendwo kaufen."

Konditoreien in Frankfurt: „Keine Mentalität“ für Luxus-Waren

Deshalb habe er auch solange gezögert, das Konditorei-Geschäft in Frankfurt-Niederrad zu schließen, aber die Entscheidung ist von langer Hand geplant. "Es gibt keine Mentalität dafür." Kuchen sei ein Luxusgut, bei großen amerikanischen Ketten bezahlten Leute vier Euro für ein Stück, ohne mit der Wimper zu zucken. "Die Leute schwören doch auf Regionales. Ich kann nur appellieren, sich mal etwas zu gönnen und dabei auch das regionale Kleingewerbe und den Fachhandel unterstützen."

Aber mutlos ist Opitz trotz des Endes in Niederrad bei weitem nicht. Er will nun die Produktion in Niederrad weiter stabilisieren und konzentriert sich auf seine beiden anderen Geschäfte in der Frankfurter Innenstadt. Die Chocolaterie ist wieder geöffnet, mit kürzeren Öffnungszeiten von 11 bis 16 Uhr. Dort kann man Pralinen und Kuchen mitnehmen. Auch das Café am Goethehaus soll in der kommenden Woche wieder öffnen. Dort gibt es auch warme Speisen und Mittagessen. 

Konditorei in Frankfurt: Opitz-Filiale in Niederrad schließt – Wie geht es weiter?

"Ich bleibe am Ball", sagt Opitz, gefragt nach seinen Zukunftsplänen. "Nach Corona werden wir das Geschäft erstmal wieder aufbauen müssen, das wird nicht so schnell gehen. Aber wir wollen mehr mit den neuen Medien arbeiten und auch Instagram pflegen." Und auch wenn das Geschäft in Niederrad nun seine Tore schließt - die Öffnung einer weiteren Filiale in Frankfurt ist in der Zukunft nicht ausgeschlossen.

Von Anna Grösch

Das Stammhaus Opitz ist nicht das einzige bekannte, alteingesessene Geschäft in Frankfurt, das in den vergangenen Monaten schließen musste. In Praunheim strich eine echte Traditionsmetzgerei die Segel, in Sachsenhausen schloss nach 35 Jahren ein Käse-Laden

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