Seit zwei Jahren steht der Bunker schon leer. Dort war einst das Explora Museum beheimatet.

Verdichtung

Glauburgbunker soll Neubauwohnungen weichen - das sorgt für Unmut

Der Glauburgbunker soll Neubauwohnungen weichen. Investor kann die Anwohner kaum friedlich stimmen. 

Frankfurt - Anwohner wollen keine laute Baustelle vor der HaustürDer Glauburgbunker soll einem Neubau mit 43 Wohnungen weichen. Anwohner fürchten Lärm, Schmutz und Verkehrsbeeinträchtigungen - über Jahre. Der Ankündigung des Investors, die Belästigung möglichst gering zu halten, glauben sie nicht.

Bunker am Glauburgplatz soll abgerissen werden

"Wie kommen Sie darauf, dass der Bunker abgerissen wird - der bleibt", ruft eine Besucherin, noch bevor die Informationsveranstaltung zum bevorstehenden Abriss des Bunkers am Rande des Glauburgplatzes beginnt. Spätestens da weiß Dominic Reinemer, Geschäftsführer der Delom Wohnbau GmbH, dass es für ihn ein heißer Abend wird. Das merken auch der beratende Architekt Eckart von Schwanenflug sowie Abrissunternehmer Robert Zeller. Und es kommt noch dicker: "Wir glauben Ihnen kein Wort", schleudert ihm eine empörte Anwohnerin entgegen. Die Emotionen kochen hoch bei den 100 Zuhörenden.

So soll der Neubau aussehen, der als Ersatz für den Bunker am Glauburgplatz entstehen wird. Zwischen den Schenkeln des u-förmigen Gebäudes entsteht ein kleiner Hof. Foto: Bittner

Sie erfahren am Mittwochabend, dass der Bunkerabriss neun Monate dauert, vorbereitende Maßnahmen schon im dritten Quartal 2019 starten und es Anfang 2020 richtig los- geht. Geschockt sind sie, dass kleinere Sprengungen, etwa zum Abtragen der Decken, erforderlich sind, kurz vor den Detonationen sogar Warnsignale ertönen. "Ein Bunkerabriss neben einer Schule und einer Kita ist beispiellos: Was ist, wenn der Betrieb nicht weitergehen kann?", fragt eine Bürgerin.

Das, so versichert Zeller, werde das Lärmschutzkonzept verhindern. 24 innerstädtische Bunker hat Spezialist Zeller schon zurückgebaut. Einer davon ist der Bunker in Eschersheim direkt neben der Ziehenschule. Auch um den Glauburgbunker werden Seecontainer dreistöckig übereinandergestapelt. Sie bilden eine sieben Meter hohe Lärmschutzwand. Zudem kommen sogenannte Layher-Lärmschutz-Wände an der Zu- und Ausfahrt zur Baustelle sowie auf der westlichen Seite zur Kita zum Einsatz.

Reinemer verspricht, die Kita-Leitung und die Schwarzburgschule zu kontaktieren, um lärmintensive Arbeiten abzustimmen. Und er ist grundsätzlich offen, die täglich angepeilte Arbeitszeit von acht Stunden zu verringern. Am Samstag wird nicht gearbeitet. Der Lärmpegel wird fortlaufend gemessen.

Anwohner haben Angst vor Baustellenlärm

Während der Abbruchphase rollen bis zu sechs Lastwagen täglich durch die Lortzing- und Schwarzburgstraße. 6000 Kubikmeter Bauschutt mit einem Gewicht von 12000 Tonnen ist abzutransportieren, sagt Zeller.

Nachbarn befürchten aber, dass durch Schwerlastverkehr und Abbrucharbeiten die umliegenden Häuser beschädigt werden könnten. Aus diesem Grund will die Delom Wohnbau GmbH vor dem Baustart den Ist-Stand aufnehmen und dazu ein Ingenieurbüro einschalten. Geplant ist, mit einem Laser 35 Gebäude außen wie innen punktgenau zu vermessen. "Das hilft später im Fall der Fälle uns und Ihnen", so Reinemer.

Nachdem bekannt wurde, dass der einstige Explora-Betreiber Gerhard O. Stief den Bunker verkaufen will, hatten sich vor zwei Jahren Nachbarn zur Bürgerinitiative gegen den Abbruch des Gebäudes (BI) zusammengeschlossen. Der Ortsbeirat unterstützte das und regte an, im Bunker einen Bürgertreff einzurichten, weil so etwas im Stadtteil noch fehlt.

Neubau ist 2021 fertig

600 Quadratmeter große Räume für eine kulturelle Nutzung sind vorgesehen im Neubau, der im Herbst 2021 fertig sein soll. "Es fehlt aber noch jemand, der die Räume bespielt. Wer Ideen hat, kann sich gerne melden", sagte Reinemer in die Runde. Die vergünstigte Miete kostet zehn Euro pro Quadratmeter. Damit ist laut einer Stellungnahme des Magistrats die Verpflichtung aus der Dienstbarkeit zugunsten einer kulturellen Nutzung aber noch nicht ausreichend erfüllt. Verständlicher ausgedrückt: Die Stadt hatte Stief Ende 1998 das Grundstück rund um den Bunker verkauft. Im Kontrakt wurde vereinbart, dass die Nutzung an den Betrieb eines Museums gebunden ist.

Laut von Schwanenflug sprachen unter anderem Belüftungssituation, Deckenhöhe, Rettungswege und der fehlende Nachweis von Stellplätzen gegen den Erhalt des Bunkers. Im Neubau entstehen 43 Wohnungen - 30 Prozent davon gefördert -, eine Schank- und Speisegaststätte sowie eine Tiefgarage. Die Traufhöhe des u-förmigen Neubaus an der Schwarzburg-/Ecke Lortzingstraße orientiert sich an den Traufhöhen der umliegenden Gebäude. Die vorhandene Mauer um den Bunker wird entfernt, sodass eine offene Atmosphäre entsteht. Der Spielplatz auf dem Glauburgplatz kann laut Reinemer während der Bauphase genutzt werden.

"Sie machen nur ihren Job. Das Problem ist eine verfehlte Stadtentwicklung. Wäre der Erhalt des Bunkers politisch gewollt gewesen, wäre es auch gegangen", kritisiert eine Bürgerin die Stadt. Die wollte das Gebäude nämlich nicht kaufen.

Der Glauburgbunker wird abgerissen, an seiner Stelle entsteht ein Neubau. Großen Wert legt die Delom Wohnbau GmbH mit Sitz in Frankfurt darauf, dass die Nachbarn fortlaufend über das Vorhaben und die Bauaktivitäten informiert sind. Deshalb wurde eine Baustellenkommunikation eingerichtet.

Fragen können gestellt werden, Anregungen und natürlich auch Kritik können geäußert werden. Dazu wurde eine Telefon-Hotline mit der Nummer (069) 9 00 28 88 26 geschaltet. Wer lieber schreibt, kann dies per Mail an info@baustelle-lortingstrasse tun oder die Internetseite www.baustelle-lortzing- strasse.de aufrufen.

bit

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