Kiosk und Platz sind das ganze Jahr über ein beliebter Treff. Kritisch wird es, wenn die Blase drückt.
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Kiosk und Platz sind das ganze Jahr über ein beliebter Treff. Kritisch wird es, wenn die Blase drückt.

Pinkel-Subvention für Kiosk-Pächter

Ärger über Wildpinkler in Frankfurt: Sind öffentliche Urinale die Lösung?

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Am Matthias-Beltz-Platz in Frankfurt werden öffentlich zugängliche Urinale installiert. Die Fertigstellung unterstützt der der Ortsbeirat 3 aus seinem Budget.

Frankfurt - Beim Thema öffentliche Toiletten hat Rüdiger Koch, Fraktionsvorsitzender der SPD im Ortsbeirat 3 (Nordend), eine klare Meinung: „Verlassen wir uns da auf die Stadt, können wir ewig warten. Auf ein WC-Konzept warten wir schon seit Jahren“, warb er in der jüngsten Sitzung des Gremiums für ein gemeinsames Papier von CDU, Grünen und SPD. 1500 Euro aus dem Ortsbeiratsbudget sollen deshalb für die Fertigstellung der öffentlich zugänglichen Urinale an den Kiosk-Pächter des „Gudes“ am Matthias-Beltz-Platz gezahlt werden.

Frankfurt: Öffentliche Toiletten am Matthias-Beltz-Platz - Hauruck-Aktion ohne Überlegung

Allerdings gegen den Widerstand von Manfred Zieran (ÖkoLinx), der die Ungleichbehandlung anprangerte. „Das ist nicht Gender-gerecht. Und die Urinale stinken zudem zum Himmel“, wetterte er. Er sprach von einer Hauruck-Aktion ohne Überlegung, denn in die Hinterhöfe in unmittelbarer Nähe zum Beltz-Platz pinkelten Frauen wie Männer, ein WC für Frauen sei also genauso notwendig. Dem stimmte der FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Fruwirth zu. „Urinale sind nur die halbe Lösung. Die zu bezahlen wäre falsch“, sagte er. Claudia Ehrhardt erklärte dazu: „Die Männer sind schon das größere Problem“.

Nicht deswegen enthielt sich ihr Partei-Kollege Nils-Christian Grafflage bei der Abstimmung. „Das ist ein riesengroßer Biergarten am Beltz-Platz. Der Betreiber verdient ein Schweinegeld, jeder andere muss auch Toiletten stellen. Ich habe echt Bauchschmerzen damit“, argumentierte er dafür, dass der Ortsbeirat keinen Zuschuss gewähren sollte. Nach Angaben von Koch stimme das allerdings so nicht. Das „Gudes“ sei ein Kiosk, es würden Getränke aus der Flasche verkauft - für diesen Fall müssten keine Toiletten vorgehalten werden.

Frankfurt: Wildpinkler und Lärmbelästigung am Matthias-Beltz-Platz sorgen für Unmut

So oder so: Willi Preßmar (Grüne) erinnerte nochmals an die äußerst brisante Situation für die Anwohner. Diese hatten hilfesuchend den Ortsbeirat kontaktiert, weil sich seit Jahren bis spät nachts Menschen auf dem Platz an der Friedberger Landstraße aufhielten.

Während der Corona-Pandemie habe sich die Lage nochmals deutlich verschärft. Sie hatten über beständige Lärmbelästigung geklagt und sich beschwert, dass die Feiernden sich mangels Toiletten in Hinterhöfen und Vorgärten erleichterten. „Das ist ein Party-Platz“, sagte Preßmar. Allerdings wolle der „Gudes“-Betreiber damit gar nicht das große Geschäft machen, obwohl er das könnte. Er schließe von sich aus seit jeher seinen Kiosk bereits um 21 Uhr. Gefeiert werde deutlich länger. Einen kleinen Zuschuss für die Urinale sieht Preßmar deshalb als vertretbare Gegenleistung.

Die Auszahlung des Geldes ist ohnehin an Bedingungen geknüpft. Es wird erst überwiesen, wenn der Gesamtumbau der WC-Anlage abgeschlossen sei. Außerdem muss der „Gudes“-Pächter die Urinale täglich reinigen und den Unterhalt auf eigene Kosten sicherstellen.

Frankfurt: Sind öffentliche Urinale die Lösung gegen Wildpinkler? Gute Erfahrungen gemacht

Ehrhardt betonte, dass die Urinale eine schnell zu realisierende Lösung seien. Und sie erinnerte daran, dass damit das gleiche Problem bei der Party nach dem Freitagsmarkt am Friedberger Platz gelöst worden sei.

Nachdem unmittelbar am Bäckerweg ein solches Urinal aufgestellt worden sei, hätten sich die Nachbarn nicht mehr über die vielen Wildpinkler beschwert. „Damals hätte niemand gedacht, dass jemand diese die Urinale auch wirklich benutzt“, glaubt sie an den gleichen Effekt am Matthias-Beltz-Platz. Seit zwei Wochen gibt es übrigens auch eine Lösung für das Toilettenproblem am Luisenplatz, der sich auch zum Treffpunkt entwickelt hat. Freitags werden dort nun zwei Dixi-Klos aufgestellt. (Von Matthias Bittner)

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