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Sirenen wie diese sucht man im Frankfurter Stadtgebiet jenseits der Industriegelände vergeblich. Dabei wären sie aus Sicht der Feuerwehr "unabdingbar" um die Bevölkerung im Ernstfall zu warnen.

„Sie sind laut und lassen niemanden kalt“

Kritik an Warntag: Darum war in Frankfurt kein Probe-Alarm zu hören

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Der bundesweite Warntag am 10. September hat gezeigt, dass in Frankfurt die Sirenen fehlen. Lediglich in Höchst und Fechenheim gab es Alarm. Aus Sicht der Feuerwehr sind die akustischen Warnsignale im Notfall unabdingbar.

Frankfurt - Nichts gehört, nichts gesehen in Frankfurt - mit diesem Ergebnis des bundesweiten Warntages am 10. September mögen sich die Fraktionsmitglieder von "Die Frankfurter" nicht zufriedengeben. "Sirenen konnten vielerorts nicht wahrgenommen werden", reklamiert Fraktionsgeschäftsführer Bernhard Ochs. Das sei auch kein Wunder, sagt Andreas Mohn, Sprecher der Branddirektion Frankfurt. "Im ganzen Stadtgebiet gibt es keine einzige Sirene mehr."

Ausgenommen seien die Industrieparks Höchst sowie der Chemiebetrieb Allessa in Fechenheim, die gesetzlich verpflichtet seien, Sirenen vorzuhalten, um im Falle eines Störfalls die Bevölkerung unmittelbar zu warnen. Präzise hätten am Warntag, Punkt 11 Uhr, alle Sirenen rund um den Industriepark Höchst und bei Allessa in Fechenheim geheult. Zu hören gewesen seien Dauerton, Heulton, Dauerton in den westlichen Stadtteilen und mit guten Ohren und entsprechender Windrichtung auch zum Teil darüber hinaus. Die Sirenengruppe rund um Griesheim (Nied, Schwanheim) sei seit einiger Zeit nicht mehr aktiv, weil dort kein Störfallbetrieb mehr laufe. Das erklärt, warum kein Probealarm zu hören war.

Frankfurt: Sirenen nach Kriegsende abgebaut - Laut Feuerwehr jedoch „unabdingbar“

Wie in vielen anderen Städten seien auch in Frankfurt die Heuler nach Ende des Kalten Krieges abgebaut worden. Ginge es nach Feuerwehr und Katastrophenschützern, würden in Frankfurt wieder Sirenen installiert. Weil sie "unabdingbar" seien, so Mohn, wegen ihrer Weckfunktion für die Bevölkerung. Heulten die Sirenen außerhalb bekannter oder angekündigter Probealarmzeiten, sei jeder Bürger aufgescheucht. "Auch wenn man dann noch nicht genau weiß, was los ist, wird man sich mit großer Sicherheit weitere Informationen beschaffen, etwa über Radio und Fernsehen", ist der Feuerwehrmann überzeugt.

Das sei der große Vorteil gegenüber den Warn-Apps Katwarn, Hessenwarn und Nina, die zwar präzise Auskunft über die Art und Ort der Gefährdung gäben, aber über eine sehr begrenzte Reichweite verfügten. "Weil "nicht jeder die App auf dem Handy hat. Und wer sie hat, hat womöglich den Signalton ausgeschaltet", so Mohn.

Frankfurt: Begrenzte Reichweite - Am bundesweiten Warntag haben Apps versagt

Mitbürger ohne weitreichende deutsche Sprachkenntnisse könnten mit der App eher wenig anfangen. Am schlimmsten aber ist, wenn die Warn-Apps nicht das tun, was sie sollen: Warnen. Sofort und ohne Zeitverzug. Am Warntag haben die Apps versagt. Sie blieben stumm, nicht nur in Frankfurt übrigens.

Die Probewarnung wurde von der nationalen Warnzentrale im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ausgelöst - eine halbe Stunde später. Laut Angaben des BBK lag die späte Zustellung der Warnung an der großflächigen, bundesweiten Auslösung.

"Sirenen wirken sofort", weiß Mohn. Schon deshalb seien sie ein absolutes Muss". Sie seien einfach in der Bedienung und belastungsresistent. Nachteilig sei, zwar dass sie, anders als die Apps, keinerlei Auskunft gäben über die Art der Gefährdung. "Aber sie sind laut und lassen niemanden kalt", unterstreicht Mohn. Den Impuls bei der Bevölkerung, sich weiter zu informieren, könne man als zwangsläufig ansehen. Kein technisches System habe einen vergleichbar hohen Erreichungsgrad wie jenen eines Sirenenalarms.

Sirenen im Frankfurter Stadtgebiet: Impuls, sich weiter zu informieren

Der Wunsch nach Sirenen im Stadtgebiet ist nicht neu. Schon vor drei Jahren hat sich der Magistrat mit dem Thema befasst und im Rahmen einer Machbarkeitsanalyse festgestellt, dass 152 Sirenenstandorte in der Stadt erforderlich für eine flächendeckende Alarmierung der Bevölkerung bei Gefahrenlagen notwendig seien.

Die Kosten bezifferte er damals mit 456 000 Euro für die Planung, weitere knapp 1,83 Millionen Euro für die Installation der Sirenen, schließlich alle zwei Jahre 38 000 Euro für deren Wartung. Für eine Aufklärungskampagne, welche die Bevölkerung informieren soll über das richtige Verhalten im Alarmfall, müsste die Stadt weitere 393 000 Euro ausgeben.

Das Konzept verschwand in der Schublade. Nun wollen die Stadtverordneten von Die Frankfurter es wieder aus der Mottenkiste holen. Sie wollen wissen, ob der Magistrat den Entwurf von 2017 noch als aktuell ansieht und was genau dessen Umsetzung blockiert.

Die professionellen Katastrophenschützer dürften interessiert verfolgen, welche politische Debatte sich in dieser Sache entwickelt.

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