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Bereit zum Einsatz: Dr. Stefan Buschbeck. 

Aufregende Nacht 

Oberarzt über Silvester in Frankfurt: „In der Notaufnahme ist dann richtig viel los“

Oberarzt Dr. Stefan Buschbeck spricht über die Silvesternacht in der BGU, als auch über die Notfälle und Gefahren. 

  • Oberarzt Dr. Stefan Buschbeck spricht im Interview über die Arbeit als Notarzt an Silvester
  • Insbesondere wegen Brandverletzungen und Alkohol ist er an Neujahr im Einsatz
  • Der Notarzt ist rund um die Uhr im Einsatz 

Frankfurt – Stefan Buschbeck hat an Silvester Dienst als Oberarzt in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) in Frankfurt. Er berichtet Redakteur Thomas J. Schmidt, was er für die Nacht erwartet.

Dr. Buschbeck, wie hoch ist an der BGU der Anteil der Notfallpatienten?

Bei uns in der Unfallklinik ist er immer noch erheblich. Aber das hängt auch mit der Definition zusammen. Wer ist ein Notfallpatient, etwa jemand der mit Schmerzen zu uns kommt?

Ich würde sagen, ja.

Dann sind die meisten unserer Einsätze Notfälle.

Sie sind hier eher chirurgisch als internistisch aufgestellt?

Fast ausschließlich chirurgisch. Knochen, Knochenbrüche. Das sind die typischen Fälle. Auch innere Verletzungen im Rahmen von Polytraumata.

Sie hatten schon öfter Dienst an Silvester?

Ja, insgesamt war ich schon häufiger im Einsatz. Ich bin auch schon mit dem Notarzteinsatzwagen, der an der BGU stationiert ist, durch Frankfurt gefahren... das war an Silvester besonders spannend.

Waren Sie da sehr beschäftigt?

In der Silvesternacht gibt es insgesamt mehr Einsätze. Im Bereitschaftsdienst kann man sich sonst eventuell auch mal kurz ausruhen, aber das kommt an Silvester kaum vor.

Silvester in Frankfurt: Alkohol und Verbrennungen 

Der Notarztwagen rollt pausenlos?

Dr. Stefan Buschbeck (35) ist seit etwas mehr als fünf Jahren an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik. Als Oberarzt leitet er die Notaufnahme in der Silvesternacht. Buschbeck ist verheiratet, hat zwei kleine Kinder und darf deshalb Weihnachten zu Hause verbringen. Die Silvesternacht verbringt er mit den Kollegen von der Notaufnahme in der BGU. 

Nein, da ist die Anzahl der Einsätze eigentlich fast wie immer. Notärzte werden ja nur zu schwerkranken Patienten gerufen. Die sind an Silvester nicht viel zahlreicher vertreten als sonst. An Silvester gibt es aber zum Beispiel mehr Fälle mit Alkohol und Verbrennungen, diese Patienten bringt der Rettungsdienst dann zu uns. In der Notaufnahme der BG Unfallklinik ist dann richtig viel los, weil wir natürlich auch Patienten bekommen, die sich zum Beispiel selbst einweisen. Aber der Notarzteinsatzwagen ist aus meiner Erfahrung nicht viel öfter im Einsatz als sonst.

Der Notarzt kommt, nachdem der Rettungsdienst ihn angefordert hat?

Ja, oder wenn das Bild von Anfang an so eindeutig ist, dass der Notarzt sofort angefordert wird.

Was ist denn in der Silvesternacht in Frankfurt das Typische?

Typisch sind Verbrennungen und Handverletzungen, auch Alkohol, der bis zur Bewusstlosigkeit führen kann. Da wird dann auch der Notarzt gerufen.

Was ist denn mit den Böllern? Stimmt meine Vermutung, dass mit den modernen Batteriefeuerwerken gar nichts mehr passiert? Die werden einmal angezündet und verschießen alles von selbst.

Nein, wir haben immer noch viele Fälle diesbezüglich. Die Anzahl der Verletzten hat aus meiner Erfahrung nicht abgenommen durch die Batterien. Einmal hatten wir sogar mehr zu tun, durch die sehr starken Knallkörper, die auf dem Markt waren.

Ist da oft auch Alkohol im Spiel?

Ja, meistens. Der Alkohol spielt in der Silvesternacht irgendwie oft eine Rolle.

Frankfurt: Selbstverletzungen am Feuerwerk 

Kommt es auch vor, dass die Leute Knaller irgendwo hinwerfen?

Ein geworfener Knaller kommt sicher auch mal vor... In der Regel sind es aber Selbstverletzungen würde ich sagen. So oder so geht es für uns hauptsächlich um eine gute Versorgung.

Wer ist alles involviert in der BGU?

In der Silvesternacht hat auch die Handchirurgie der BGU Hochsaison. In dieser Nacht kann es zu schweren Verletzungen kommen, bis hin zum Verlust von Fingern.

Freuen Sie sich auf den Dienst in Frankfurt?

Die Silvesternacht ist eine besondere Nacht. Ich freue mich darauf. Wir Kollegen bereiten uns darauf vor, bauen oft ein kleines Buffet auf, jeder bringt etwas mit. Es ist ein besonderer Dienst, den ich ganz gerne mache. Aber wir rechnen auch mit viel Arbeit.

Redakteur Thomas J. Schmidt im Gespräch mit Oberarzt Dr. Stefan Buschbeck.

Sie fahren in diesem Jahr im Notarzteinsatzwagen?

Nein, ich bin in der Klinik. In der Notaufnahme und gegebenenfalls auch im OP.

Also, Sie kriegen alles ab, nicht nur die schweren Fälle.

Ja, alle, die kommen. Ob Rettungswagen oder Notarzt oder ob sie selbst gekommen sind. Das gibt es ja auch.

Da haben Sie noch mehr zu tun als die Kollegen?

Dazu muss ich sagen, dass in der Silvesternacht die ganz schweren Unfälle zum Beispiel mit dem Auto eher nicht vorkommen. Es ist viel los, aber die Fälle sind in der Regel nicht ganz so schwer.

Silvester: Notarzt in Frankfurt arbeitet rund um die Uhr 

Wie viele Notärzte gibt es denn hier?

Es gibt rund um die Uhr einen Notarzteinsatzwagen. Einer von uns macht da immer 24 Stunden Dienst. Zwei Kollegen in der Notaufnahme und der Oberarzt der Unfallchirurgie. Dann gibt es insgesamt drei Kollegen von der Anästhesie und Kollegen von der Handchirurgie. Die Besetzung ist in der Silvesternacht wie sonst auch, wie in jeder Nacht.

Nehmen Sie die Alkoholfälle richtig ernst?

Ja schon, alleine, weil man sehr viel genauer schauen muss, was das Problem ist. Wenn der Patient sich nicht so richtig äußern kann, ist es oft schwierig.

Aber die Komasäufer in Frankfurt sind auch nicht ohne...

Ja, aber die gibt es leider nicht nur in der Silvesternacht.

Erlebt man im Auto etwas Besonderes in dieser Nacht?

Ja, es ist eine Herausforderung. Da viele Leute auf der Straße sind und alles voller Rauch beziehungsweise voller Feuerwerkskörper ist. Da muss man schon aufpassen.

Dauert es länger bis man da ist?

Das würde ich nicht sagen. Man muss umsichtig fahren... es sind vielleicht weniger Autos als sonst, dafür mehr Leute und Gegenstände auf der Straße. Es ist etwas unheimlicher.

Sind Sie gefährdet worden?

Nein, das ist mir nie passiert.

Notarztdienst an Silvester: Aufregende Nacht 

Gibt es Schwerpunkte in der Zeit?

Meist geht es nach Mitternacht los. Ab halb eins geht es dann bis gegen halb vier Uhr rund.

Und Sie müssen dann auch operieren?

Wenn das erforderlich wird, ja. Wir haben bis zu drei Assistenzärzte, die die Leute in der Zeit anschauen und gegebenenfalls auf die Operation vorbereiten. Ich operiere dann mit einem der Kollegen.

Sie stemmen das alleine, holen keine Hilfe?

Meist ist noch zusätzliche Hilfe nicht erforderlich. Das Krankenhaus schläft nie. Es sind rund um die Uhr Pflegekräfte da, im OP auch Reinigungskräfte, auch ein Mitarbeiter der Technik ist 24 Stunden im Haus. Die Stationen sind besetzt. Die Mitarbeiter der BGU sind an 365 Tagen an 24 Stunden für Ihre Patienten da.

Sie freuen sich auf eine aufregende Nacht, eine besondere Nacht mit dem Team?

Ja, wie in jedem Dienst hoffe ich natürlich, dass uns nicht zu viele schwere Verletzungen erwarten. Erfahrungsgemäß sind es an Silvester wie vorhin schon erwähnt Brandverletzungen, Handverletzungen und Alkoholunfälle.

Die Silvesternacht ist eine besondere Nacht. Es ist ein besonderer Dienst, den ich ganz gerne mache. Aber wir rechnen auch mit viel Arbeit.

Die Mitarbeiter der BGU sind an 365 Tagen an 24 Stunden für Ihre Patienten da.

Von Thomas J. Schmidt 

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