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Frankfurt: Linke nominiert Mehler-Würzbach als Kandidatin für OB-Wahl

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Von: Thomas Stillbauer

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„Uns brauchen diejenigen, die nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden.“ Daniela Mehler-Würzbach.
„Uns brauchen diejenigen, die nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden.“ Daniela Mehler-Würzbach. © peter-juelich.com

Daniela Mehler-Würzbach will Sprachrohr sein für jene, die wenig haben. In Frankfurt tritt sie als Kandidatin bei der OB-Wahl für die Linke an.

Frankfurt - Zwei Ansagen bekamen ein besonders dickes Ausrufezeichen, als Daniela Mehler-Würzbach am Samstag (19. November) ihre Ziele absteckte. Erstens: „Binding bleibt!“ Zweitens: „Fecher bleibt!“ Zu beiden Themen, dem angekündigten Exodus der Traditionsbrauerei und der Rodung eines Teils des Fechenheimer Walds für den Autobahnbau, hatten Vorredner Solidarität eingefordert. Die versprach die 38-jährige Stadtverordnete dann auch – und wurde wenige Minuten später zur Kandidatin gewählt. Die Linke geht mit Mehler-Würzbach in den Wahlkampf und möchte sie als neue Oberbürgermeisterin.

Von den 64 Parteimitgliedern, die im Saalbau Titus-Forum an der Kandidatinnenkür teilnahmen, gaben 55 der Uni-Referentin ihre Stimme, sechs votierten gegen sie, drei enthielten sich der Stimme. Zuvor hatte Vorsitzender Axel Gerntke keinen Zweifel daran gelassen, dass Mehler-Würzbach die Kandidatin des Kreisvorstands ist. „Wir sind einhellig der Meinung, dass sie es kann“, sagte Gerntke. Ein Kriterium: „Daniela hat ihre Bereitschaft erklärt, es zu machen.“ Und zwar als einzige – Gegenkandidaten gab es nicht.

OB-Wahl in Frankfurt: Linkspartei schickt Mehler-Würzbach ins Rennen

Daniela Mehler-Würzbach, in Fulda geboren, Erste in ihrer Familie, die Abitur machte und danach fürs Politikstudium wegging, unter anderem nach Slowenien und Serbien, ist Mutter zweier Kinder und arbeitet als Referentin an der Goethe-Uni. Den Beruf will sie für den OB-Wahlkampf aber von Januar an ruhen lassen.

„Ich bin nur ich“, sagte sie den Parteimitgliedern. Als sie vor zehn Jahre ins Gallus zog, sei ihr zwei Mal der Anspruch auf Hartz IV verweigert worden, und zwar jeweils zu Unrecht, wie sie betonte. Ihre Chefin an der Uni habe später über sie gesagt: „Frau Mehler widerspricht.“ Im Saal wurde es mit Anerkennung quittiert.

„Wir werden den anderen Parteien das Feld nicht einfach überlassen“, versprach Mehler-Würzbach. Die Spaltung zwischen Arm und Reich sei in nur wenigen Städten so spürbar wie in Frankfurt, wo 117 400 Vermögensmillionäre lebten. „Diese Menschen brauchen uns nicht“, sagte sie. „Uns brauchen diejenigen, die nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden.“

„Sprachrohr für alle, die vergessen worden sind“: Mehler-Würzbach will in den Römer

Die Stadt sei für alle da, nicht nur für die Interessen von einigen Wenigen: „Ich will Sprachrohr sein für alle, die von der Römer-Politik in den letzten Jahren vergessen worden sind. Wir müssen mehr lieben und weniger hassen, mehr zuhören und weniger reden.“ Aber eines stehe auch fest: Die Linke müsse „als Partei wieder besser werden“. Dabei könne der OB-Wahlkampf helfen: „Es wird der Partei guttun, wenn wir uns dafür zusammenraufen“, sagte Mehler-Würzbach. „Ich bitte Euch herzlich: Schmeißt euch da mit rein.“

Die meisten sind dazu offenbar bereit – sie quittierten das Wahlergebnis mit stehend dargebrachtem Applaus, auch wenn es sechs Gegenstimmen gab. Kritiker meldeten sich allerdings nicht zu Wort. Knut Dörfel lobte: „Daniela steht für einen politischen Feminismus, für Verkehrswende und System Change, für die richtige Politik angesichts des Klimawandels.“ Und Elke Große Vorholt sagte anerkennend: „Sie ist absolut zuverlässig, gefühlt auf allen Demos, und das mit zwei Kindern.“ (Thomas Stillbauer)

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