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Verführerisch und witzig: Stefanie Roesner (von links), Elena, Anne-Sophie, Emma Sass, Nicole, Brigitte Armbrust beim Burlesque-Kurs in der Turnhalle der TSG Oberrad. 

Burlesque in Oberrad

TSG Oberrad lehrt Burlesque-Tanz

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Lange, halterlose Strümpfe, High Heels und Korsetts: Unter der Leitung von Emma Sass treffen sich regelmäßig Frauen bei der TSG Oberrad, um den kecken Burlesque-Tanz zu üben.

Frankfurt - Emma Sass trägt ihre Haare als Pagenschnitt in Rot. Sie hat Augen wie eine Katze, die sie geschickt mit Kajal betont, sie ist beweglich wie eine Puppe und hat eine sanfte, ruhige Stimme. Und sie ist schnell. In Sekunden wuselt sie durch den Raum, tanzt und gibt leise Kommandos an die Damen in High-Heels. "Der Popo wackelt wie wild und am Schluss wird abgestochen", sagt sie lachend, während fünf Frauen mit Sicherheitsnadeln, Gummibändern und Luftballons an ihren Kostümen nesteln. 

Frankfurt: Burlesque beim TSG Oberrad

Als jede zwölf Ballons an Hüften, Schultern, Rücken und Dekolletees befestigt hat, klingt das Instrumental "Alley Cat" vom Band. Beine knicksen, Arme und Finger strecken sich lang, Hüften bewegen sich in sexy Posen im Gleichtakt. "Kick, Step, überkreuzen", gibt Sass den Takt vor und schmeißt ebenso wie ihre Schülerinnen die Beine. Nicht ganz im Gleichtakt knallen Ballons. "Wir sind alles andere als Profis, aber es macht halt total Spaß", sagt Stephanie Roesner leicht außer Atem. Ihre Ballons kann sie nicht rechtzeitig zum Platzen bringen. "Die Reißzwecke ist schief", meint sie staunend, als sie überprüft, warum das Platzenlassen so schwierig war.

Alle Frauen lachen laut. Paillettenshirts werden gerichtet, Stümpfe überprüft. Seit Ende Januar üben die Frauen den Burlesque-Tanz in Formation. Ende März wollen sie so gut sein, dass sie gemeinsam auftreten können. Am 19. April und am 6. Juni beim Martktfest auf dem Buchrainplatz und im August auf dem Sachsenhäuser Brunnenfest.

Burlesque in Frankfurt-Oberrad: Verführerisches Bühnenlächeln

"Wahrscheinlich treten wir auch bei ‚Frankfurt am Start‘ in Oberrad auf. Das wissen wir, sobald es einen Termin gibt", so Sass. Sie knickst kurz und legt ihr verführerischstes Bühnenlächeln auf. Die Floristin hat Burlesque 2011 für sich entdeckt. "Frankfurt ist ein bisschen hinterher und ziemlich konservativ, was diesen Tanz betrifft", meint sie und verweist auf Berlin, München und Wien. "Das sind die Hochburgen. Frankfurt ist erst im Kommen."

Ursprünglich war Burlesque eine Theaterform des 16. Jahrhunderts. Man nannte es "Theater für den kleinen Mann", weil es sich durch derbe Inhalte mit überzeichneten Charakteren auszeichnete. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Burlesque zur Show mit einem Schuss Erotik. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der Tanz mit seinen humoristischen Elementen zum eigenen Genre in Varietés. Zwar betonen aufwendige Kostüme mit Federboas, Netzstrümpfen, Fächern und Korsagen die Weiblichkeit. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch nicht beim Ausziehen, sondern ist eher in der humorvollen Inszenierung zu sehen. Es gilt: Erlaubt ist, was gefällt.

Frankfurt-Oberrad: Neue Form des Burlesque

Darum tanzen die Kursmitglieder von Sass auch zu Songs wie "New York, New York" von Frank Sinatra. Statt mit Ballons mit Zylindern. Ebenso lasziv wie mit Ballons bei den "Straßenkatzen" Alley Cat fallen Jacken sanft von den Schultern, werden keck über die Schulter geworfen. Getanzt wird die neue Form der Burlesque. Sie feiert die Weiblichkeit, unterhält und soll die erotische Fantasie anregen. Einige Tänzerinnen bei Sass haben bereits Erfahrung. 

Brigitte Armbrust ist im normalen Leben Buchhalterin und tanzt für ihr Leben gern. "Ich komme aus dem orientalischen Tanz mit Trainerschein", sagt sie. "Ich wollte Burlesque mal ausprobieren und finde es toll", erzählt sie. Stefanie Roesner kennt den Tanz aus Hamburg. "Ich habe es ausprobiert und es lässt mich nicht mehr los", sagt sie. "Die Kurse lasse ich mir am liebsten von meinem Freund zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken", sagt sie lachend. "Er hat ja auch was davon". Nicole Beck kommt aus dem lateinamerikanischen Tanzen. "Ich war von Anfang an von Burlesque begeistert."

Burlesque in Frankfurt-Oberrad: „Kleine, verruchte Welt“

Die Damen schwingen ihre Beine in High Heels, zeichnen mit den Armen den Sonnenaufgang, knicksen links und rechts. Auf die Frage, was man mitbringen muss, um sich auf Burlesque einzulassen, sind sie sich einig. "Frau braucht Selbstbewusstsein, sollte sich gerne in Szene und in Schale werfen und Humor haben", erklärt Emma Sass. "Es ist eine kleine, verruchte Welt. Wir reizen zwar ein bisschen auf, lassen Männer im Programm aber durchaus wie eine heiße Kartoffel fallen."

Von Sabine Schramek

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