Provisorische Lösung am Dom: Dort stehen zurzeit nur Dixie-Klos.
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Provisorische Lösung am Dom: Dort stehen zurzeit nur Dixie-Klos.

Trotz Touristen Hotspot

Dramatischer Mangel an öffentlichen WCs in Frankfurt: „Doch es passiert nichts“

  • Thomas Remlein
    vonThomas Remlein
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Immer wieder wird Kritik laut. Doch irgendwie passiert nichts. Auch nach zwei Jahren liegt noch kein Plan vor, wie Frankfurt dem Mangel an öffentlichen Toiletten entgegenwirken will.

  • Immer mehr Menschen strömen nach Frankfurt am Main - Die größte Stadt Hessens ist ein Besucher-Hotspot.
  • Doch die Mainmetropole hat ein großes Problem: Es herrscht ein Mangel an öffentlichen Toiletten.
  • Auch nach zwei Jahren liegt kein Plan von der Stadt vor das Problem in den Griff zu bekommen.

Frankfurt - Kerry Reddington stinkt‘s gewaltig. Es geht um die öffentlichen Bedürfnisanstalten. „Schon wieder ist ein Sommer vorbei, ohne dass eine Lösung für die Toiletten gefunden ist“, sagt der 54-jährige stellvertretende Vorsitzende der Kommunalen Ausländervertretung (KAV). Seit vier Jahren sei nichts geschehen. Es fehlten öffentliche WCs in Frankfurt.

Dabei stützt sich Reddington auf eine von einem seiner Mitarbeiter erarbeiteten Statistik. Demnach lag Frankfurt 2016 unter den zehn größten deutschen Städten nur auf dem 8. Platz. Vier Jahre später, in diesem August, wiederholte Reddington die Untersuchung. Das Ergebnis war dasselbe, Frankfurt war immer noch auf dem drittletzten Platz.

WC-Mangel in Frankfurt - „Eine freiwillige Aufgabe der Stadt“

Mit seiner Forderung nach mehr und besseren Toiletten ist Reddington nicht alleine. Seit Jahre treibt die Frankfurter das Thema um. Selbst Spielplätze wie der an der Deidesheimer Straße in Schwanheim werden durch Fäkalien verunreinigt, wie der Ortsbeirat 6 jüngst beklagte und die Einrichtung einer Toilette forderte. Der Magistrat weiß das: „An vielen Stellen im Stadtgebiet wären öffentliche WC-Anlagen über das vorhandene Angebot hinaus wünschenswert und die Forderungen danach sind nachvollziehbar“, schreibt das Gremium in einer Stellungnahme. Es vergisst aber nicht den Hinweis: „Die Vorhaltung von öffentlichen Toilettenanlagen ist eine freiwillige Aufgabe der Stadt, die mit hohen Kosten verbunden ist.“

„Wohin wenn‘s drückt?“ So lautete auch ein Antrag von Bernhard Ochs, Fraktionschef von „Die Frankfurter“ im Januar. In seiner Begründung schreibt Ochs: „Das sogenannte Wildpinkeln mangels ausreichender Toiletten im Dom-Römer-Quartier wird fast zum erzwungenen Volkssport.“ Das Denkmalamt habe die Errichtung einer Toilettenanlage am Dom abgelehnt.

In Frankfurt fehlen öffentliche Toiletten - Auch nach zwei Jahren noch kein Plan

Darauf angesprochen, gerät Reddington in Rage. Der selbst ernannte „Toilettenkönig“ kümmerte sich ehrenamtlich um die Aufstellung von Container-Toiletten an dem Gotteshaus. Die sollten dort nur im Sommer aufgestellt werden, zur Bewältigung der Hinterlassenschaften des Touristenansturms in dem Areal. Allein die Leiterin des Denkmalamtes, Andrea Hampel, verbot es. „Lieber lässt man die Leute an historische Gebäude pinkeln, als temporär Toiletten hinzustellen - ohne bauliche Veränderungen“, empört sich Reddington noch heute. Dabei wären es keine Dixi-Toiletten gewesen, sondern „ansprechende Lösungen“. Alle anderen hätten seinem Plan zugestimmt: Planungsdezernent Mike Josef (SPD), Baudezernent Jan Schneider (CDU), der Wirt vom Haus am Dom, die Fremdenführer, die Kirche.

Bereits Ende 2018 sollte ein stadtweites Toilettenkonzept zur Beschlussfassung dem Stadtparlament vorgelegt werden. Doch bisher wurde es vom zuständigen Dezernenten Jan Schneider immer wieder verschoben. Auch im Sommer 2019 hieß es, die Stadt Frankfurt plane mehr öffentliche Toiletten.

Toiletten-Mangel in Frankfurt: In den nächsten Wochen soll Konzept stehen

„Oh, wann kommst Du?“, fragte die Stadtverordnete Monika Christann (Linke) schon im Januar den Magistrat nach dem Konzept. Es befinde sich „in der Endabstimmung“ hieß es. Dort ist es ein Dreivierteljahr später immer noch. „Oh, wann kommst Du?“, fragen wir im Baudezernat nach. „Innerhalb der nächsten Wochen“, versichert Günter Murr, Sprecher des Baudezernenten. Es ist offenbar schon wieder in der Endabstimmung.

Das Konzept umfasst laut Murr mehrere Teile, darunter eine Bestandsaufnahme über bereits vorhandene öffentliche Toiletten, darunter in Museen, in Ämtern bei der Bahn, die dann öffentlich zugänglich gemacht werden sollen. „Dann kommt man auf die enorme Zahl von 480 Standorten“, betont er.

In einem zweiten Teil des Konzepts werde festgestellt, wo Bedarf sei, beispielsweise am Mainufer. Geplant seien Vertragstoiletten in Gaststätten am Mainufer. Wirte sollen gegen Entgelt ihre stillen Örtchen zur Verfügung stellen, wie es bereits im „Oosten“ an der Ruhrorter Werft der Fall sei. Dies sei ein Weg, die Situation schnell zu verbessern, denn: „Umbauten brauchen Zeit und kosten Geld.“

WC-Problem in Frankfurt: Wir brauchen ein Ergebnis

Rund um das Dom-Römer-Areal gucke sich das Baudezernat, so Murr, nach benachbarten Liegenschaften um. Schneiders Sprecher verweist auch auf die Toilette am Paulsplatz. Die entspricht zwar höchstem Niveau, ist aber für Touristen in der neuen Altstadt nicht leicht zu finden. Auch zur Statistik kann Murr etwas beitragen: Demnach kommt in Frankfurt eine öffentliche Toilette auf 13 000 Einwohner, in Kassel auf 20 000 und in der Landeshauptstadt Wiesbaden auf 29 000. Konzepten steht der praktisch denkende Irisch-Amerikaner Reddington skeptisch gegenüber: „Ein Konzept interessiert die Bevölkerung nicht, die Bevölkerung will ein Ergebnis.“ (Thomas Remlein)

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