Viele Frankfurter haben am Wochenende interessiert zugesehen, wie die Omega-Brücke zerlegt wurde.
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Viele Frankfurter haben am Wochenende interessiert zugesehen, wie die Omega-Brücke zerlegt wurde.

Brückenabriss

Spektakulärer Abriss: Omega-Brücke am Frankfurter Berg hat ausgedient

Eine ganze Nacht lang wurden die Anwohner durch Baulärm wach gehalten, als das Stahlträgerbauwerk Omega-Brücke in Frankfurt zweigeteilt und herausgehoben wurde.

Frankfurt - Moderne leuchtend gelbe Baukräne lassen die grünlichen Stahlteile noch trister wirken, als sie ohnehin aussehen. Tiefe Wunden durch Baukräne haben schwarze Löcher wie Eisenfraß hineingebissen. Eine ganze Nacht lang wurden Anwohner in Frankfurt durch Baulärm wach gehalten, bis die Stahlträgerkonstruktion der 110 Jahre alten Omegabrücke in zwei Teile zersägt und auseinander gehoben wurde, um Platz für Neues zu schaffen. Mit prüfendem Blick über den tiefen Abgrund checkt Polier Cihan Topal (45), ob auf den unten verlaufenden Gleisen alles sauber ist. "Sieht gut aus", meint der Mann zufrieden, der für Erd- und Straßenbau zuständig ist. "Am Montagfrüh um 4 Uhr können die Züge wieder fahren."

Wegen der Abrissarbeiten fuhr am Wochenende kein einziger Zug auf den Gleisen. Das Risiko während der Bauarbeiten wäre zu groß gewesen. Nach dem Abriss laufen Arbeiter die Gleisstrecke zu Fuß auf und ab, um jedes noch so kleine Teilchen, das noch auf den Schienen liegen könnte, zu entfernen. Beschädigungen stellen sie keine fest und winken hin und wieder gut gelaunt hinauf zu neugierigen Zuschauern, die sich auf der alten provisorischen Fußgängerbrücke tummeln. Radfahrer schleppen ihre Räder die insgesamt 41 Stufen schnaufend rauf und später wieder runter. Oben zücken sie ihre Handys und beobachten die Bauarbeiten, die am neuen provisorischen Übergang und auf den Schienen laufen.

Topal ist seit zwei Uhr früh auf der Baustelle. "Es war spannend und riesiges Getöse", sagt er und beobachtet die Nachbarskinder Emma und Anton (5), die vorsichtig zu den riesigen Baukränen gehen. "Wäre ich dienstlich nicht hier im Einsatz gewesen, hätte ich mir den Abriss auch privat angeschaut", so der Polier des Bauunternehmens Leonhard Weiss. Jeder der beiden gelben Kräne wiegt 350 Tonnen. Hoch über den Stahlträgern, die links und rechts der Gleise liegen, hängen Stahlseile wie gigantische Lianen, an denen übergroße Karabiner befestigt sind.

Omegabrücke in Frankfurt abgerissen: Keine Brücke bis Mitte August

Anton und Emma locken ihren Vater ganz nah dran und staunen. Der Bub entdeckt ein Auto auf der Baustelle. "Das ist ja eine Katastrophe", meint er erschrocken. Sein Vater beruhigt ihn, dass es sich um ein Baufahrzeug handelt, das auch wieder aus Sand und Erde herauskommt. Die Zwillinge gucken zweifelnd, weil die Räder ziemlich tief im Sand stecken. Sie wollen wissen, wann sie wieder über die Brücke können zu den Pferden in Frankfurt-Berkersheim. Ihr Vater fragt Topal. Er antwortet, dass die neue provisorische Brücke "wahrscheinlich zwischen dem 16. und 18. August freigegeben wird". Erst müsse die Straße zum neuen Übergang gebaut werden und es stünden noch allerlei Arbeiten an.

An der neuen provisorischen Brücke wird ohne Unterlass gearbeitet. Bauleiter Benjamin Aumüller (28) steht eingezwängt zwischen dem künftigen Fußgängerübergang und der bereits geteerten Fahrbahn und schraubt. "Wir kümmern uns gerade um die Erdungsanschlüsse für die Brücke und später noch um die Entwässerung", erzählt er ruhig, während er mit großem Werkzeug Muttern festzieht und Kabel zwischen die Leitplanken zieht. "Auf der einen Seite ist Platz für Fußgänger, auf der anderen Platz für Autos und Fahrräder", erklärt er geduldig. Seine beiden Mitarbeiter tragen Holzlatten und bohren Drähte zurecht. Auch Aumüller ist sich sicher, dass "ab Mitte oder Ende August hier der Verkehr fahren kann." Sobald die Strecke fertig sei, könne mit dem Neubau der Omegabrücke begonnen werden.

Die Stahlungetüme werden in den nächsten Tagen an Ort und Stelle auseinander geschweißt und abtransportiert. "Alles andere wäre viel zu schwierig", so Topal. Obwohl von der alten Brücke bereits vorab Teer und Beton entfernt worden sei, "wiegen die Teile immer noch 45 Tonnen", sagt er. Ein bisschen Wehmut klingt in seiner Stimme, als Anton einwirft, dass die Brücke "doch so schön war. Nur richtige Radwege haben gefehlt". Sein Vater stimmt zu. "Richtige Radwege vor allem für die Kleinen sind so wichtig. Es war gefährlich für sie, entweder zwischen Fußgängern oder Autos fahren zu müssen. Ich hoffe, dass daran gedacht wird." Topal zuckt mit den Schultern. "Die Brücke ist jetzt weg. Sie hat wirklich gute Dienste geleistet. Die neue wird das sicherlich auch tun." (Von Sabine Schramek)

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