OB Feldmann war auch da

Wut auf die Polizei am Opernplatz - Vorwurf des Racial Profilings

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  • Rebecca Röhrich
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  • Svenja Wallocha
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Das Wochenende bleibt friedlich auf dem Opernplatz in Frankfurt. Doch die Stimmung zwischen Polizei und Besuchern ist angespannt. Die jungen Menschen fühlen sich diskriminiert und sind wütend.

  • Am Opernplatz in Frankfurt kam es am Wochenende zu Krawallen.
  • Hunderte randalierten - auch die Polizei wurde angegriffen.
  • Stadtpolizei wird „Racial Profiling" vorgeworfen

Update vom Montag, 27.07.2020, 16.15 Uhr: Als Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Samstagabend (25.07.) auf dem Opernplatz erscheint, fordern Demonstranten ihn zu Gesprächen auf. Er hatte sich dort ein Bild der Lage machen wollen und gab anwesenden Medienvertretern Interviews. Die Demonstranten verlangten politische Konsequenzen, unter anderem den Rücktritt von Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill und das Ende von Racial Profiling.

Feldmann lässt sich auf ein Gespräch mit den Demonstranten ein und erklärt in einer fast 40-minütigen Diskussion, es gebe in dieser Stadt keinen Platz für Rassismus. Seine Worte wurden unter anderen von „Nazis raus!“- oder „Das Problem heißt Racial Profiling“-Rufen übertönt. Ihm wurde das Mikrofon weggenommen und zeitweise sogar der Ton abgedreht. Wenig später wurde der Oberbürgermeister von mehreren Polizisten aus der Masse herausbegleitet.

Polizisten schützen Oberbürgermeister Peter Feldmannauf dem Opernplatz in Frankfurt.

Frankfurts OB Feldmann wird am Samstag auf dem Opernplat ausgebuht - Der OB äußert sich

Frankfurts Stadtoberhaupt nahm Sonntagmittag Stellung zu den Vorfällen: „Ich habe mich ganz bewusst dazu entschieden, auf die jungen Menschen zuzugehen und ihnen zuzuhören. Ich werde die Anliegen und den Unmut auch in künftigen Gesprächen mit der Landesregierung thematisieren.“

„Ich finde die Forderungen ernstzunehmend. Ich nehme auch die Betroffenheit ernst. Ich glaube aber, dass die Situation, zwischen Mitternacht und 1 Uhr in eine politische Diskussion einzusteigen, ein bisschen ungünstig ist“, sagte Feldmann.

Wut auf die Polizei: Besucher des Opernplatzes fühlen sich diskriminiert - Vorwürfe werden laut

+++ 11:08 Uhr: Offenbar war die Auseinandersetzung am Freitagabend (24.07.2020) zwischen einer jungen Frau und dem Sicherheitsdezernenten der Stadt Frankfurt Markus Frank heftiger als gedacht. Bereits am Samstag hatte die FAZ berichtet, dass es eine Auseinandersetzung gegeben haben. Jetzt liefert das ZDF auch Videomaterial.

Die Konfrontation zwischen Frank und der jungen Frau zeigt, dass das Verhältnis zwischen den Besuchern des Opernplatzes und den städtischen Obrigkeiten in Frankfurt durchaus angespannt ist. Später rufen Demonstrierende den Oberbürgermeister Peter Feldmann zur Abschaffung von „Racial Profiling" auf. Die Partygänger fühlen sich vorverurteilt und rassistisch diskriminiert.

Opernplatz in Frankfurt: Die Partygänger fühlen sich von der Polizei diskriminiert

Das ZDF hatte sich unter den Besuchern des Opernplatzes in Frankfurt umgehört. Viele verstehen die harten Maßnahmen nicht. „Wenn 30 Leute Stress machen, warum sollen dann 3000 darunter leiden?“, sagt ein junger Mann. Viele kritisieren den Großaufgebot an Polizei, dass seit Freitag (24.07.2020) auf dem Opernplatz in Frankfurt Präsenz zeigt. „Man hat nicht das Gefühl, dass die Polizei einen unterstützt, man hat eher das Gefühl, dass sie eine Gefahr für einen ist", sagt eine andere junge Frau.

Andere Besucher des Opernplatzes in Frankfurt finden es gut, dass die Polizei so präsent an dem Ort ist, an dem vor einer Woche Bushaltestellen zerstört und Steine auf Menschen geworfen wurden. „Man sollte nicht Ursache und Wirkung verwechseln“, so ein Passant gegenüber dem ZDF. „Wenn ich an einem Wochenende mit Steinen schmeiße, darf ich mich nicht wundern, wenn am nächsten Wochenende die Polizei da steht.“

„Wir haben überlegt, dass wir Maßnahmen aufsetzen“ so der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill. „Kein Übermaß aber auch nicht zu wenig.“

Update vom Sonntag, 26.07.2020, 07.10 Uhr: Um 0.00 Uhr begann begann ein großes Aufgebot der Polizei mit der Räumung des Opernplatzes in Frankfurt. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) begleitete die Aktion. Es kam zu keinen nennenswerten Ausschreitungen. Auch zwei Wasserwerfer der Polizei standen zum Einsatz bereit, mussten aber nicht hinzugezogen werden. Schließlich leuchtete das THW den Opernplatz großflächig aus.

+++21.04 Uhr: Nach den Krawallen am Opernplatz ist die Polizei auch am Samstagabend wieder in der Innenstadt von Frankfurt unterwegs. Zahlreiche Einsatzkräfte waren zu sehen. Am Opernplatz geht es bisher friedlich zu, wie auch schon am Freitag. Erstmals galt an diesem Wochenende ab Mitternacht ein Betretungsverbot für den Opernplatz, um ein Uhr nachts musste dieser geräumt sein. Das habe gut geklappt, berichtete die Polizei. Die Regelungen galten auch für die Nacht zum Sonntag.

Frankfurt: Mehr Alkoholverbote könnten laut Städtebund gegen Krawalle helfen

+++19:18 Uhr: Nach den Ausschreitungen in Stuttgart und Frankfurt gibt es immer mehr Forderungen nach Alkohol-Sperrgebieten in Städten, um Krawalle wie kürzlich am Opernplatz zu verhindern. „Die Kommunen sollten in größerem Umfang ermächtigt werden, für bestimmte Bereiche Alkoholverbote auszusprechen oder auch öffentliche Bereiche für bestimmte Zeiten zu sperren“, sagte Gerd Landsberg, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Es sei eine bedauerliche Entwicklung, die „natürlich auch die große Mehrheit der Menschen trifft, die sich ordnungsgemäß verhalten“. Landsberg kündigte an, dass die Kommunen „ihre Gefahrenanalysen noch stärker auf diese neue Lage ausrichten“. Dazu gehörten eine deutlichere Polizeipräsenz und eine konsequente Verfolgung der Straftäter, aber auch der Einsatz von Streetworkern.

Nach Krawallen in Frankfurt: Zwischenfall auf Opernplatz schlägt auf Twitter hohe Wellen

Update vom Samstag, 25.07.2020, 13.24 Uhr: Zunächst sah es so aus, als sei die erste Partynacht mit neuen Auflagen friedlich verlaufen. Doch wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung erfahren haben will, ist es offenbar auf dem Opernplatz in Frankfurt zu einem Zwischenfall gekommen, der vor allem auf Twitter hohe Wellen schlägt.

So soll am Freitagabend (24.07.2020) eine Gruppe junger dunkelhäutiger Männer von der Stadtpolizei in der Taunusanlage scheinbar ohne Grund kontrolliert worden sein, wie faz.net berichtet. Dies hatten offenbar einige Zeugen beobachtet. Eine junge Frau, die ebenfalls die Kontrolle beobachtet hatte, nutzte wenig später die Gelegenheit, um den Frankfurter Sicherheitsdezernenten Markus Frank (CDU) mit dem Vorfall zu konfrontieren. „Werden Sie wegen Ihres Aussehens kontrolliert? Kontrollieren Sie doch lieber mal bei sich selbst. Kontrollieren Sie bei NSU 2.0", soll sie gesagt haben.

Opernplatz Frankfurt: Bürger werfen Stadtpolizei racial profiling vor

Ihr Vorwurf: Man gehe gezielt gegen Menschen vor, die rein optisch einen Migrationshintergrund haben könnten. Auch sie sei kontrolliert worden, als sie die Stadtpolizei auf den Zwischenfall mit der Männergruppe ansprach. Frank reagierte laut FAZ gelassen. „Das dient der Sicherheit der Stadt", soll der Sicherheitsdezernent gesagt haben. Die junge Frau berichtet von ihrer Erfahrung auf Twitter.

Der Tweet löst eine heftige Debatte darüber aus, was das richtige Vorgehen der Polizei wäre. Er wurde fast 500 Mal reretweetet und kommentiert.

Irgendwann am Abend, als Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) auf den Opernplatz tritt, stellt sich eine Gruppe junger Menschen, die laut FAZ mutmaßlich zur Gruppe „Migrantifa“ gehören, neben Feldmann auf. Eine Frau ruft „No justice“, die Menge antwortet: „No peace". Die Gruppe tobt, es gibt Applaus. Doch schon kurz darauf geht der Jubel unter, weil die Polizei Frankfurt die Anwesenden informiert, dass der Platz ab 12 geräumt werden muss. Das läuft dann auch größtenteils ruhig ab, der Vorwurf einiger Anwesender jedoch bleibt.

Nach Krawallen in Frankfurt: So verlief die erste Partynacht mit neuen Auflagen

Update vom Samstag, 25.07.2020, 8.44 Uhr: Erstmals seit den Krawallen am Opernplatz in Frankfurt am vergangenen Wochenende wurde dort am Freitag (24.07.2020) wieder gefeiert. Allerdings gelten mittlerweile strenge Regeln, mit denen die Stadt auf die Ausschreitungen der vergangenen Woche reagiert hat. Dazu gehört auch, dass der Opernplatz ab Mitternacht nicht mehr betreten werden darf, ab 1 Uhr müssen all jene, die bereits dort sind, den Platz verlassen haben.

Die Polizei von Stadt und Land war mit einem großen Aufgebot vor Ort, auch mehrere Politiker kommen nach und nach, um sich die Situation anzusehen. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat dafür sogar extra seinen Urlaub unterbrochen.

Feierende auf dem Opernplatz in Frankfurt

Opernplatz Frankfurt: Strenge Regeln werden durchgesetzt

Das Konzept geht im Endeffekt auf, zwar gab es laut Polizei ein paar Uneinsichtige, die den Platz bis 1 Uhr nicht verlassen haben. Sie wurden laut Tweet der Polizei Frankfurt aber angesprochen und persönlich vom Opernplatz geleitet. Laut Angaben der FAZ sind am Freitagabend rund 500 Menschen gekommen, deutlich weniger, als in den vergangenen Wochen. Es bleibt weitestgehend ruhig, zu größeren Ausschreitungen kommt es nicht.

Update vom Freitag, 24.07.2020, 19.15 Uhr: Nach den heftigen Krawallen auf dem Frankfurter Opernplatz in der vergangenen Woche gelten in der Stadt strenge Regeln. Die Polizei hat am Abend noch einmal angekündigt im gesamten Stadtgebiet in Frankfurt verstärkt präsent zu sein und Kontrollen durchzuführen.

Nach Krawallen in Frankfurt: Ab sofort gelten strenge Regeln - nicht nur auf dem Opernplatz

Erstmeldung vom Freitag, 24.07.2020: Frankfurt - Die Krawalle am Opernplatz vergangenes Wochenende erregten bundesweit Aufsehen. Schlägereien, Angriffe auf Polizeibeamte, sinnlose Zerstörung: Das will die Stadt Frankfurt dieses Wochenende an dem beliebten Party-Hotspot nicht sehen. Sie zog Konsequenzen und hat sich vorbereitet.

Vertreter der Stadt haben bereits am Montag (24.07.2020) in einer Sicherheitskonferenz Maßnahmen beschlossen, die solche Situationen künftig verhindern sollen. Denn auch an diesem Wochenende wird es aufgrund der sommerlichen Temperaturen vermutlich wieder viele Feiernde an den Opernplatz ziehen. Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Freitag und Samstag wird der Platz gegen 23.30 Uhr geräumt
  • Ab 24 Uhr gilt auf dem Opernplatz ein Betretungsverbot
  • Ab 1 Uhr soll der Platz dann komplett geschlossen werden

Opernplatz Frankfurt: Stadt will Krawalle verhindern - Zapfenstreich und stärkere Kontrollen

Laut „hessenschau.de“ dürfen ab 1 Uhr nicht einmal mehr Anwohner den zentralen Platz überqueren. Damit diese Regeln am Freitag und Samstag eingehalten werden, überwacht die Landespolizei den Opernplatz und kontrolliert die Zuwege. Die Polizei will den Platz zudem gegen Mitternacht hell erleuchten. Doch auch schon am frühen Abend ist die Stadtpolizei präsent und wird kontrollieren. Die Verfügung gilt zunächst bis zum 6. September.

Und auch der Müll, der nach den Partys teilweise fast den gesamten Opernplatz pflasterte, soll verschwinden. Die Stadt Frankfurt stellte dafür bereits mehrere Müllbehälter auf. Auch zusätzliche mobile Toiletten sollen folgen.

Frankfurt: Konsequenzen nach Krawallen am Opernplatz - OB will sich selbst ein Bild machen

Ein friedliches Feiern soll trotz strenger Vorgaben am Opernplatz in Frankfurt weiterhin möglich sein, das machte die Stadt klar. Zumindest bis zum „Zapfenstreich“ um 1 Uhr. Davon will sich der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sogar selbst ein Bild machen.

Zusammen mit Sicherheitsdezernent Markus Frank, Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Polizeipräsident Gerhard Bereswill plant das Stadtoberhaupt ein Besuch des Opernplatzes. Für den Termin in Frankfurt kehrt Oberbürgermeister Feldmann sogar frühzeitig aus seinem Urlaub zurück. „Ich begrüße das beschlossene gemeinsame Vorgehen. Wir müssen die Problematik jedoch weiterhin eng begleiten, sodass wir schnell reagieren können, sollten der Maßnahmenplan nicht ausreichen, um die Situation dauerhaft zu befrieden“, sagte Feldmann.

Frankfurt: Alternativen zum Opernplatz gesucht - Treffen mit Clubbesitzern

Alternativen für die Partys am Opernplatz könnten künftig Schwimmbäder und Sportplätze sein. Denn dort besteht nach Angaben einer Sprecherin von Ordnungs- und Sportdezernent Markus Frank bereits eine gewisse Infrastruktur mit einem Eingangsbereich, die den Aufwand relativ gering halten würde. Das erklärte die Sprecherin auf Anfrage der „FR“. Bei einem Treffen mit Clubbesitzern und -betreibern will die Stadt Frankfurt diese Möglichkeit besprechen.

Wieder treffen sich etwa 2.000 Menschen am Opernplatz in Frankfurt – Corona zum Trotz.

Die Stadt will zudem Bars und Gaststätten mehr Außenflächen zur Verfügung stellen, wie der „HR“ berichtete. So sollen Party-Hotspots wie am Opernplatz aber auch an anderen öffentlichen Plätzen verlagert werden.(red/svw)

Die Leiterin der Pädagogischen Abteilung der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt sieht auch ein Problem bei der Polizei. Nämlich das des „Racial Profiling“.

Rubriklistenbild: © Bernd Kammerer

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