Dieses seit Jahren größtenteils leerstehende Gebäude am Opernplatz 2 könnte einem bis zu 60 Meter hohem Hochhaus weichen.
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Dieses seit Jahren größtenteils leerstehende Gebäude am Opernplatz 2 könnte einem bis zu 60 Meter hohem Hochhaus weichen.

Immobilien in Frankfurt

Hochhauspläne am Opernplatz: Stadt bestreitet Karstadt-Rettungsdeal

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Während Karstadt auf der Zeil weiter geöffnet bleibt, plant Eigentümer Signa, ein Hochhaus am Opernplatz zu bauen. Doch einen Deal für die Rettung des Warenhauses gibt es laut Planungsdezernent Mike Josef nicht.

  • Das Immobilienunternehmen Signa erwägt, ein neues Hochhaus am Opernplatz zu bauen.
  • Der Planungsdezernent bestreitet, dass es einen Deal mit den Eigentümern von Karstadt gibt, um die Filiale auf der Zeil zu retten.
  • Bis Ende des Jahres soll die Stadt Frankfurt das Vorhaben für ein neues Hochhaus prüfen.

Frankfurt - Bis Ende des Jahres will die Stadt Klarheit schaffen, ob Karstadt-Kaufhof-Eigentümer René Benko am Opernplatz ein Hochhaus bauen darf. Das kündigt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) an. Ist der Wolkenkratzer möglicherweise ein Deal dafür, dass das Karstadt-Kaufhaus an der Zeil doch nicht geschlossen wird? Auf diese Frage reagiert der Dezernent schmallippig.

Das sonntägliche Brunchbuffet war legendär: Jahrelang haben die Frankfurter das im Mövenpick-Restaurant am Opernplatz mit seiner riesigen Terrasse, herrlich im Grün am Rand der Wallanlagen gelegen, genossen. 2008 übernahmen Roland Kuffler und Gebhard Bucher, bis Verpächter Allianz den Mietvertrag beendete, um einen Neubau errichten zu lassen. Seitdem steht der Bau in bester Innenstadtlage gegenüber der Alten Oper leer und verfällt.

Frankfurt: Neues Hochhaus am Opernplatz? Planungsdezernent bestreitet Deal, Karstadt zu retten

Geändert hat sich das mit einem Besitzerwechsel. Im März übernahm die Signa-Prime-Collection den Bau. In dieser Firma führt der österreichische Milliardär Benko herausragende Immobilien in besten Lagen, etwa das Gebäude des KaDeWe in Berlin. Am Opernplatz gab die Signa die Räume spontan für mehrere Pop-up-Restaurants her. Seit Juni und noch bis Jahresende gibt es dort Pizza, Pasta, Kaffee, Poké-Bowls - drinnen zum Mitnehmen, draußen auch im Sitzen.

Nach dem Pop-Up-Schmaus sollte das Gebäude endgültig einem achtstöckigen Neubau Platz machen. Doch die Pläne der Signa haben sich geändert und gehen inzwischen weit über jene der Allianz hinaus. Die Österreicher haben mit der Stadt vereinbart, dass diese prüft, ob auch ein Hochhaus möglich wäre. Das hatte Planungsdezernent Josef Mitte September bekannt gegeben - in einem Atemzug mit dem Entgegenkommen René Benkos, Karstadt auf der Zeil nicht wie geplant sofort zu schließen, sondern bis Ende 2024 weiterzuführen.

Das ruft nun kritische Nachfragen aus der Politik hervor, so von Linken-Fraktionschefin Dominike Pauli. Was dran sei an der Vermutung, dass es einen Deal mit der Signa gebe, will sie in einer parlamentarischen Anfrage von Josef wissen. "Nichts", antwortet der schmallippig. Es gehe im "Letter of Intent" zunächst nur um eine erste Überprüfung des Standorts.

Frankfurt: Keine baurechtlichen Versprechungen für Hochhaus am Opernplatz

Allerdings liege das Grundstück Opernplatz 2 in einem Bereich, der für die Fortschreibung des Hochhausrahmenplans ohnehin daraufhin untersucht werden solle, ob dort weitere Wolkenkratzer möglich seien. Ob dem so ist, sei aber offen. „Sollte sich der Vorschlag eines möglichen Hochhausstandortes an dieser Stelle abzeichnen, so wären zuvor sämtliche Auswirkungen auf das Umfeld zu prüfen“, sagt Josef. Dabei gehe es beispielsweise um städtebauliche Aspekte wie Wind und Verschattung - damit die Alte Oper nicht im Dunkeln steht, erläutert er auf eine weitere parlamentarische Anfrage von Grünen-Planungsexperte Bernhard Maier.

Die Absichtserklärung "enthält keinerlei baurechtliche Versprechungen", unterstreicht der Dezernent. Die könne die Stadtregierung auch gar nicht abgeben, da die Genehmigung eines Hochhausstandortes über eine Änderung des Bebauungsplan die Entscheidung des Parlaments sei.

Frankfurt: „Vorbetrachtung“ für Hochhaus bis Ende des Jahres - Karstadt bleibt bis Ende 2024

Allerdings betont Mike Josef auch, dass die Stadt einen weiteren, längerfristigen Leerstand vermeiden wolle. Deshalb wolle die Stadt ihre „Vorbetrachtung“ der Hochhaus-Idee bis Jahresende fertig haben, „um eine zügige Entwicklung der Liegenschaft zu gewährleisten“. Mit der Absichtserklärung verschafften sich letztlich beide Seiten Zeit, erklärt der Dezernent. Durch die aufgeschobene Karstadt-Schließung „können die älteren Beschäftigten das Rentenalter erreichen und die jüngeren Beschäftigten eine neue Arbeit finden“. Die Stadt wiederum könne einen städtebaulichen Rahmenplan für die Zeil erarbeiten und die Signa sich auf die Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie einstellen.

Vor Corona und vor dem Verkauf der Ex-Mövenpick-Immobilie an die Signa war der vorige Eigentümer Allianz am Opernplatz bereits weiter. Er hatte einen achtstöckigen Neubau für Einzelhandel, Gastronomie und Büros bereits per Architektenwettbewerb konzipiert. Auf Basis des aktuell gültigen Bebauungsplans hatte die Stadt im vorigen Jahr den Bauantrag genehmigt. Die Signa könnte damit also sofort loslegen.

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