Gesperrt ist am Abend der Zugang zur S-Bahn-Station Ostendstraße, nachdem bei einem Unfall ein Mensch ums Leben kam und mindestens fünf weitere verletzt wurden.
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An der Haltestelle „Ostendstraße" in Frankfurt kam es im November 2018 zu dem tragischen Unfall.

Unglück an der Ostendstraße

Tödlicher S-Bahn-Unfall in Frankfurt: Junger Mann verbreitet Foto des Opfers im Internet

  • Svenja Wallocha
    vonSvenja Wallocha
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Ein 23-Jähriger soll nach dem tragischen S-Bahn-Unfall im November 2018 an der Haltestelle „Ostendstraße“ Gaffer-Fotos im Internet verbreitet haben.

  • Im November 2018 kommt Alptug Sözen bei einem tragischen S-Bahn-Unglück in Frankfurt* ums Leben.
  • Nach dem Unfall an der Station Ostendstraße kursieren Gaffer-Videos im Internet.
  • Ein 23-Jähriger muss sich wegen des Weiterleitens eines Fotos vor dem Amtsgericht Frankfurt verantworten.

Update vom Dienstag, 11.08.2020, 15.00 Uhr: Ein junger Mann, der ein Foto eines tragischen S-Bahn-Unfalls weitergeleitet hat, muss 20 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das entschied das Amtsgericht Frankfurt. Im November 2018 war bei einem tragischen Rettungsversuch eines Obdachlosen an der S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt der 17 Jahre alte Hanauer Alptug Sözen ums Leben gekommen. Vor Gericht musste sich nun ein 23 Jahre alter Mann verantworten, der nach dem tödlichen Unglück ein Bild davon im Internet verbreitet hat.

Frankfurt: Viele Bilder von tödlichem S-Bahn-Unfall im Internet

Von dem Unfall kursierten schon kurze Zeit später zahlreiche Fotos. Darauf war unter anderem das Opfer zu sehen, das zwischen Bahnsteigkante und Fahrzeug eingeklemmt war. Auch der angeklagte 23 Jahre alte Student bekam ein solches Bild zugeschickt, das er dann an eine Gruppe weiterleitete. Als die Polizei davon mitbekam, erhielt der Mann eine Anzeige.

Vor Gericht in Frankfurt bedauerte der Angeklagte das Weiterleiten dieses Fotos. Er habe es sich nicht genau angeschaut und seine Internet-Partner nur über den grausigen Unfall an der S-Bahn-Station Ostendstraße informieren wollen. Strafmildernd wurde ihm zugutegehalten, dass er das Foto nicht selbst gemacht, sondern es nur weitergeleitet hatte. Gleichwohl habe er zu einer „unkontrollierbaren Vervielfältigung“ eines Bildes beigetragen, dessen Weiterleitung schon aus Gründen des Persönlichkeitsrechtes verboten sei. Der junge Mann muss nun 20 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Erfüllt er diese Auflage, wird ihm die parallel ausgesprochene Geldstrafe von 500 Euro (50 Tagessätze) erlassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Tödlicher S-Bahn-Unfall in Frankfurt: Gaffer fotografiert Opfer und verbreitet das Bild

Erstmeldung vom Dienstag, 11.08.2020, 10.53 Uhr: Frankfurt – Bei dem heldenhaften Versuch, einen Obdachlosen aus einem Gleisbett an der S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt zu retten, wurde der 17 Jahre alte Alptug Sözen aus Hanau (Main-Kinzig-Kreis) vor etwa zwei Jahren tödlich verletzt. Die Anteilnahme nach dem tragischen Unglück am 13. November 2018 war riesig.

Nach dem Unfall waren jedoch auch Gaffer-Videos im Internet aufgetaucht. Ein 23-Jähriger muss sich deshalb nun vor dem Amtsgericht Frankfurt verantworten. Er soll bei dem tödlichen S-Bahn-Unglück in der Station Ostendstraße das Opfer fotografiert und Bilder im Internet verbreitet haben. Die Verhandlung startet am Dienstagvormittag (11.08.2020).

Tödlicher S-Bahn-Unfall in Frankfurt: Mann wegen Gaffer-Videos vor Gericht

Laut „hessenschau.de“ soll auf den Aufnahmen das Opfer unmittelbar nach dem Unfall an der Frankfurter S-Bahn-Station zu sehen sein, eingeklemmt zwischen der S-Bahn und dem Bahnsteig. Auch ein weiteres schwer verletztes Opfer, das gerade von Rettungskräften geborgen wird, soll in den Aufnahmen zu sehen sein, die der Angeklagte in einer Whatsapp-Gruppe einer Schule geteilt haben soll.

Der 17 Jahre alte Hanauer Schüler Alptug Sözen hatte im November 2018 einem betrunkenen Obdachlosen helfen wollen, der auf die Gleise gefallen war. Er bemerkte den herannahenden Zug zu spät und wurde überrollt. Die Staatsanwaltschaft machte später den nun Angeklagten als Urheber mehrerer im Internet kursierender Aufnahmen des Toten aus. Das Gericht hat bislang in dem Verfahren lediglich einen Verhandlungstag vorgesehen.

S-Bahn-Unfall in Frankfurt: Gedenktafel an Station Ostendstraße

Mittlerweile erinnert an der S-Bahn-Station in Frankfurt eine Gedenktafel an den Unfall. Die Stadt Hanau hatte ebenfalls einen Ginkgo-Baum im Bürgerpark Freigericht pflanzen lassen, ganz in der Nähe der Wohnung von Alptug Sözens Eltern. „Er soll hier wachsen und gedeihen und an diesen mutigen und heldenhaften jungen Mann erinnern, sowie auch als Zeichen der Hoffnung für die Zukunft dienen“, sagte damals Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Auch Familie und Freunde waren bei der Zeremonie im November 2019 anwesend. „Es ist uns sehr wichtig, dass unser Sohn und seine Tat nicht vergessen wird“, sagte die Mutter Yasemin Sözen. „Deshalb sind wir dankbar für alles, was die Menschen an ihn erinnert.“ (svw/mit dpa) *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikels hatten wir geschrieben, dass der Angeklagte Videos von dem Unglück angefertigt und weiterverbreitet haben soll. Das war ein Fehler und wir bitten, dies zu entschuldigen.

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